Grundsätzlich können alle öffentlich unterhaltenen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland - vornehmlich Museen, Archive und Bibliotheken - einen Antrag auf Fördermittel bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste stellen. Antragsberechtigt sind auch privat getragene Einrichtungen und Privatpersonen, die bei der eigenen Suche nach NS-Raubkunst und Fragen einer gerechten und fairen Lösung den Washingtoner Prinzipien und der Gemeinsamen Erklärung folgen, so an der Unterstützung im Einzelfall ein öffentliches Interesse besteht.

Voraussetzung für einen Antrag sind Verdachtsmomente auf nationalsozialistische Unrechts- und Verfolgungsmaßnahmen, die in Zusammenhang mit der antragstellenden Institution und ihren Sammlungsbeständen stehen. Mit den Fördergeldern soll Forschung ermöglicht werden. Daher können die beantragten Mittel für die Schaffung von befristeten Personalstellen, für Werkverträge, aber auch für Reisekosten oder Sachausgaben eingesetzt werden. Ausführliche Schilderungen bieten die Förderrichtlinien und Bewilligungsgrundsätze. Zu allen Fragen der Antragstellung und Projektvorbereitung steht das Team des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste zu einer Vorab-Beratung zur Verfügung.

 

1) Systematische Erschließung von Sammlungsbeständen

Wenn eine Institution ihre Sammlungsbestände in einem langfristigen Projekt systematisch auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter untersuchen möchte, kann nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Fördermittel ein Zuschuss zu den Gesamtkosten bewilligt werden. Die Förderung eines langfristigen Forschungsprojektes stellt eine Fehlbedarfsfinanzierung dar, die durch Eigenmittel der geförderten Institution oder andere Drittmittel ergänzt werden muss. Die Höhe der zu beantragenden Fördergelder hängt von der Größe der Institution und des Forschungsvorhabens ab.

Grundlagenforschung und Untersuchungen zum historischen Kontext des NS-Kulturgutraubs werden ebenfalls gefördert. Um Ressourcen für die übergreifende Provenienzforschung zu erschließen, stehen die Mittelbeispielsweise für die Tiefenerschließung von Archivbeständen, die Erfassung und Auswertung von Auktionskatalogen sowie für die Erstellung und Veröffentlichung von Findbüchern bzw. sachthematischen Inventaren im Internet zur Verfügung.

Ein Antrag für langfristige Forschung kann für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren mit der Option auf Verlängerung gestellt werden. Die maximale Förderdauer beträgt 36 Monate. Antragsfristen für längerfristige Forschungsprojekte enden zum 1. April und zum 1. Oktober eines jeden Jahres.

                    

2) Kurzfristiger Recherche- oder Forschungsbedarf

Bei kurzfristigem Recherche- und/oder Forschungsbedarf können Fördermittel bis zu 15.000 Euro beantragt werden. Ein Eigenanteil muss hierbei nicht erbracht werden. Das Projekt sollte anlass- und einzelfallbezogen sein (z.B. im Fall konkreter Restitutionsforderungen). Gefördert werden können aber auch Bestandsprüfungen in kleinerem Umfang über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Ein solcher Antrag kann zu jeder Zeit eingereicht werden.



3) Externe Rechtsgutachten oder ergänzende Aufarbeitungen

Für die Erstellung von Rechtsgutachten oder ergänzenden juristischen Aufarbeitungen im Fall konkreter Restitutionsforderungen können ebenfalls Zuschüsse in Höhe von maximal 15.000 Euro gewährt werden. Ein Antrag kann daher jederzeit eingereicht werden.

Um eine möglichst hohe Aussicht auf Bewilligung eines Förderantrags zu erzielen, sollte die Antragstellung gut vorbereitet sein. Bitte nutzen Sie hierfür die Informationen, die auf unserer Homepage zu finden sind und unser Beratungsangebot. Sie haben die Möglichkeit, Ihre Anträge vor der Einreichung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zentrums auf sachliche und formale Richtigkeit – insbesondere zur Verwendung der Antragsformulare sowie zum Umfang der zu beantragenden Mittel und der Höhe des Eigenanteils an den Projektkosten – prüfen zu lassen. Diese Prüfung nimmt selbstverständlich die Beschlüsse des Förderbeirats des Zentrums nicht vorweg.

Schritt 1: Eruieren Sie die Anzahl aller zu prüfenden Objekte. Für alle Bestände, unabhängig von der Gattung und der Zugangsart, sollte eine nachweisbare und möglichst lückenlose Provenienz für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, gilt es, die Provenienzen dieser Objekte zu prüfen.

Schritt 2: Definieren Sie aus dieser Zahl einen realistischen Umfang für ein erstes Forschungsprojekt. In einem ersten Förderantrag kann ein maximaler Zeitraum von bis zu 24 Monaten beantragt werden, der maximale Förderzeitraum für ein Projekt beträgt 36 Monate.

Schritt 3: Benennen Sie Ihre Beweggründe einen Antrag zu stellen und schildern Sie ausführlich Ihre Verdachtsmomente auf nationalsozialistische Unrechts- und Verfolgungsmaßnahmen, die in Zusammenhang mit der antragstellenden Institution und ihren Sammlungsbeständen stehen. Sind in Ihren Inventarbüchern beispielsweise bereits am NS-Kulturgutraub beteiligte Personen oder Institutionen benannt worden, so geben Sie diese bestenfalls gleich in Ihrem Antrag mit an.

Schritt 4: Erstellen Sie einen möglichst detaillierten Arbeitsplan mit einzelnen Zeitphasen und Projektzielen.

Schritt 5: Verfassen Sie nun einen Kosten- und Finanzierungsplan und unterscheiden Sie hierbei zwischen Eigenmitteln, Drittmitteln und der beim Zentrum beantragten Fördersumme. Zu den Eigenmitteln zählen anteilig auch Leistungen wie die fachwissenschaftliche, restauratorische, museologische oder anderweitige Begleitung und Unterstützung des Projektes durch das hauseigene Personal. Außerdem können Reisekosten angegeben werden sowie ein geringer Betrag für die Unterhaltung des Arbeitsplatzes. Die notwendige Höhe des Eigenanteils richtet sich grundsätzlich nach der Größe und Trägerschaft der jeweiligen Institution.

Schritt 6: Lassen Sie Ihren Antrag auf sachliche und formale Richtigkeit von dem Team des Zentrums rechtzeitig vor der Abgabefrist der Anträge prüfen.