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Kunsthandelsarchive und ihre Zugänglichkeit: Zentralinstitut für Kunstgeschichte widmet sich Spezialthema der Provenienzforschung

Datum 24.05.2016

Das Zen­tral­in­sti­tut für Kunst­ge­schich­te (ZI) in Mün­chen hat sich bei sei­nem Kol­lo­qui­um „Pro­ve­ni­enz- und Samm­lungs­for­schung“ im April mit Kunst­han­delsar­chi­ven und ih­rer Zu­gäng­lich­keit aus­ein­an­der­ge­setzt. Do­ku­men­te über Trans­ak­tio­nen von Kunst­han­del und Auk­ti­ons­häu­sern – wie z. B. Ge­schäfts­bü­cher, Kar­tei­kar­ten, Bank­be­le­ge oder an­no­tier­te Auk­ti­ons­ka­ta­lo­ge – spie­len bei der Re­kon­struk­ti­on der Her­kunft ei­nes Wer­kes ei­ne Schlüs­sel­rol­le und sind wich­ti­ge Quel­len.

„Man­ches al­ler­dings ver­birgt sich in pri­va­ten Ar­chi­ven, die in vie­len Fäl­len kaum zu­gäng­lich sind. Aber hier sind wir in der letz­ten Zeit vor­an­ge­kom­men. Wir be­fin­den uns mit den Re­prä­sen­tan­ten des Kunst­han­dels in ei­nem pro­duk­ti­ven Klä­rungs­pro­zess mit dem Ziel, wei­te­re Ar­chi­ve für die For­schung zu öff­nen“, äu­ßer­te Uwe M. Schnee­de, Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, bei sei­nem Vor­trag an­läss­lich des Kol­lo­qui­ums. Bei­spiel­haft da­für ist die Schen­kung von an­no­tier­ten Ka­ta­lo­gen des Münch­ner Auk­ti­ons­hau­ses Hel­bing an das ZI.

„Der Zu­gang zu den Hel­bing-Un­ter­la­gen ist ein nächs­ter großer Schritt im Pro­zess der Auf­klä­rung der bri­san­ten Ge­schich­te des Kunst­han­dels in der Na­zi-Zeit und ein po­si­ti­ves Si­gnal für den Kunst­han­del ins­ge­samt. Man muss aber auch vor Au­gen ha­ben, dass wir hier noch am An­fang sind“, so Schnee­de. Wei­te­rer For­schungs­be­darf er­ge­be sich auch bei den zahl­rei­chen, von öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen or­ga­ni­sier­ten Ver­stei­ge­run­gen, die sich nicht in Ka­ta­lo­gen nie­der­schlu­gen und bei de­nen Mo­bi­li­ar und Kunst­ge­gen­stän­de jü­di­schen Bür­gern vor ih­rer Emi­gra­ti­on oder De­por­ta­ti­on ab­ge­nom­men wur­den. Hier setzt ein Pi­lot­pro­jekt der Ot­to-von-Gue­ri­cke-Uni­ver­si­tät Mag­de­burg erst­ma­lig an. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­stützt die­ses For­schungs­vor­ha­ben mit ei­ner fi­nan­zi­el­len Zu­wen­dung in ei­nem Zeit­raum von drei Jah­ren.

Prof. Dr. Uwe M. Schneede beim Kolloquium Prof. Dr. Uwe M. Schneede beim Kolloquium "Provenienz- und Sammlungsforschung" Prof. Dr. Uwe M. Schneede beim Kolloquium "Provenienz- und Sammlungsforschung" Quelle:  Susanne Spieler/Zentralinstitut für Kunstgeschichte