Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Film über die jüdische Familie Heinemann aus Lüneburg erschienen

Datum 24.11.2016

Im Ju­li 2015 be­such­ten vier­zig Nach­fah­ren von Mar­cus und sei­nem Bru­der Sa­lo­mon Hei­ne­mann das Mu­se­um Lü­ne­burg und ver­brach­ten ein Wo­chen­en­de in der Stadt ih­rer Vor­fah­ren. An­lass war die Rück­ga­be von Kul­tur­gü­tern, die der jü­di­schen Fa­mi­lie Hei­ne­mann 1939/40 durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten un­recht­mä­ßig ent­zo­gen wor­den wa­ren. Nun hat ei­ne Ur-Ur­en­ke­lin von Mar­cus Hei­ne­mann, die Päd­ago­gin Becki Cohn-Var­gas aus Ka­li­for­ni­en, ei­nen Kurz­film über die­ses Fa­mi­li­en­tref­fen pro­du­ziert.

„Das Leid er­mor­de­ter und ver­trie­be­ner jü­di­scher Fa­mi­li­en an­zu­er­ken­nen, ih­re Er­ben aus­fin­dig zu ma­chen und mit ih­nen ge­mein­sam nach fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen zu su­chen, ist spä­tes­tens seit der Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz von 1998 Auf­ga­be der Mu­se­en. Die­ser Auf­ga­be ist das Mu­se­um Lü­ne­burg ver­ant­wor­tungs­voll nach­ge­gan­gen und ich freue mich sehr, dass aus die­ser Re­sti­tu­ti­on ein Film ent­stan­den ist, der ein­drucks­vol­ler nicht be­schrei­ben könn­te, dass Kul­tur­gü­ter im­mer mit mensch­li­chen Schick­sa­len – auch über Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg – ver­bun­den sind“, sagt Uwe Hart­mann, Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg.

Zum Hin­ter­grund:

Von April 2014 bis März 2016 hat das Mu­se­um Lü­ne­burg im Rah­men ei­nes sys­te­ma­ti­schen Pro­jek­tes – ge­för­dert vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te – sei­ne ei­ge­nen Be­stän­de auf NS-Raub­gut er­forscht. Da­bei ent­deck­te das Mu­se­um auch Ob­jek­te, die aus dem Nach­lass des jü­di­schen Ban­kiers Mar­cus Hei­ne­mann (1819-1908) stamm­ten und 1940 vom Mu­se­um un­recht­mä­ßig er­wor­ben wor­den sind. Mar­cus Hei­ne­mann war ein weit über die Gren­zen der Stadt hin­aus hoch­an­ge­se­he­ner Ban­kier und Mä­zen, Grün­der und trei­ben­de Kraft zahl­lo­ser so­zia­ler In­itia­ti­ven. Er ge­hör­te zu den Grün­dungs­mit­glie­dern des Mu­se­ums­ver­eins Lü­ne­burg, schenk­te dem Mu­se­um vie­le wert­vol­le Stücke und blieb ihm sein Le­ben lang eng ver­bun­den.

Das Mu­se­um such­te im Rah­men des For­schungs­pro­jek­tes nach den recht­mä­ßi­gen Er­ben von Mar­cus Hei­ne­mann, um die Ob­jek­te re­sti­tu­ie­ren zu kön­nen. Im Ju­li 2015 fand die fei­er­li­che Rück­ga­be an die Er­ben statt, was die Nach­fah­ren von Mar­cus und Sa­lo­mon Hei­ne­mann zum An­lass für das Fa­mi­li­en­tref­fen in Lü­ne­burg nah­men.

In ei­ner groß­zü­gi­gen Ges­te hat­ten sich die Er­ben be­reits vor der Re­sti­tu­ti­on ent­schie­den, die Fa­mi­li­e­n­ob­jek­te dem Mu­se­um als lang­fris­ti­ge Leih­ga­be zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Al­most Lost: the Hei­ne­mann Le­ga­cy (Be­fo­re, Du­ring, and Af­ter the Ho­lo­caust)