Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Pilotprojekt zur Provenienzforschung in Südniedersachsen endet

Datum 28.11.2016

Die Er­geb­nis­se des vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ge­för­der­ten Pro­jekts „Erst-Check in fünf Stadt- und Re­gio­nal­mu­se­en – ein Pi­lot­pro­jekt zur Pro­ve­ni­enz­for­schung in Süd­nie­der­sach­sen“ prä­sen­tier­te heu­te der Land­schafts­ver­band Süd­nie­der­sach­sen e. V.

„In vier der fünf Mu­se­en wur­den ver­däch­ti­ge Ob­jek­te do­ku­men­tiert. Im fünf­ten, Claus­thal-Zel­ler­feld, konn­te der Ver­dacht der Ari­sie­rung ei­nes Grund­stücks durch das Mu­se­um ent­kräf­tet wer­den“, er­klär­te Dr. Chris­ti­an Rie­men­schnei­der in sei­nem Vor­trag über die Er­geb­nis­se sei­ner Pro­ven­ienz­re­cher­che. Er führ­te wei­ter aus: „Der Groß­teil der ver­däch­ti­gen Ob­jek­te ist in der NS-Zeit in das Mu­se­um ge­kom­men. In Al­feld wur­den dar­über hin­aus mög­li­cher­wei­se ge­schmug­gel­te Eth­no­gra­fi­ca und in Du­der­stadt Kir­chen­aus­stat­tungs­ge­gen­stän­de aus der DDR fest­ge­stellt. Al­len Kon­tex­ten ge­mein­sam ist die Zwangs­la­ge, in der die In­be­sitz­nah­me durch die Ge­ber oder das Mu­se­um mög­li­cher­wei­se er­folg­te. In der NS-Zeit sind es haupt­säch­lich Ein­gän­ge aus link­s­po­li­ti­schen bzw. -kul­tu­rel­len Ver­bän­den, von jü­di­schen Fa­mi­li­en oder In­sti­tu­tio­nen, den Frei­mau­rern, ka­tho­li­schen Ein­rich­tun­gen und aus wei­te­ren „volks- oder staats­feind­li­chen“ Zu­sam­men­hän­gen. Auch von Ein­zel­per­so­nen aus den ge­nann­ten Kon­tex­ten wur­den Ob­jek­te do­ku­men­tiert.“

Rie­men­schnei­der er­läu­ter­te sei­ne Vor­ge­hens­wei­se wie folgt: „Ver­däch­ti­ge Ob­jek­te so­wie sol­che mit un­kla­rer Pro­ve­ni­enz, be­son­ders zwi­schen 1933-45, aber auch da­nach, wur­den do­ku­men­tiert. Im Fall po­si­ti­ver Be­fun­de wird ein An­schluss­pro­jekt an­vi­siert, das die Ver­dachts­fäl­le mög­lichst klärt bzw. ei­ne an­ge­mes­se­ne wei­te­re Vor­ge­hens­wei­se er­mög­licht (Re­sti­tu­ti­on, Be­kannt­ma­chung auf Lost Art o. ä.). Die Er­geb­nis­se wer­den pu­bli­ziert“, so der Pro­ve­ni­enz­for­scher wei­ter.

„Das Mo­dell des ‚Erst-Checks‘ zur Über­prü­fung von Mu­se­ums­samm­lun­gen auf Ver­dachts­mo­men­te hat sich ein wei­te­res Mal be­währt. So kön­nen auch klei­ne­re Mu­se­en, die auf Grund ih­rer per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Aus­stat­tung nicht in der La­ge sind, ei­ge­ne For­schun­gen zu ih­ren Samm­lungs­be­stän­den durch­zu­füh­ren, den­noch ih­re Ver­pflich­tun­gen er­fül­len, Ob­jek­te zu iden­ti­fi­zie­ren, die nach 1933 un­recht­mä­ßig in ih­ren Be­sitz ge­lang­ten", merk­te Dr. Uwe Hart­mann, Fach­be­reichs­lei­ter Pro­ve­ni­enz­for­schung am Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg an.

Teil­neh­men­de Mu­se­en wa­ren das Stadt­mu­se­um in Al­feld, das Hei­mat­mu­se­um in Du­der­stadt, das Stadt­mu­se­um Ein­beck und das Städ­ti­sche Mu­se­um in Hann. Mün­den so­wie das Ober­har­zer Berg­werk­mu­se­um in Claus­thal-Zel­ler­feld.

Ver­gleich­ba­re Pro­jek­te gibt es be­reits in Bran­den­burg und erst­ma­lig auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern so­wie in Sach­sen-An­halt.

Pro­jekt­be­schrei­bung