Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Stadtbibliothek Bautzen entdeckt Teile der Bibliothek der jüdischen Unternehmerfamilie Tietz

Datum 18.10.2016

Im Zu­ge ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­tes ent­deck­te die Stadt­bi­blio­thek Baut­zen Bü­cher der jü­di­schen Un­ter­neh­mer­fa­mi­lie Edith und Ge­org Tietz wie­der. Die Bi­blio­thek prä­sen­tier­te die Wer­ke, bei de­nen es sich um NS-Raub­gut han­delt, nun am Mon­tag in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz. Die Fa­mi­lie Tietz grün­de­te einst die „Her­mann Tietz & Co. Wa­ren­häu­ser“ (HER­TIE).

Ziel die­ses Pro­jekts ist es, die ei­ge­nen Bi­blio­theks-Be­stän­de sys­te­ma­tisch auf un­recht­mä­ßig in den Be­stand ge­lang­te Bü­cher zu un­ter­su­chen. „Ich freue mich, dass durch un­se­re För­de­rung die­ser be­deu­ten­de Fund ge­lun­gen ist und hof­fe sehr, dass wei­te­re Bän­de aus der Bi­blio­thek von Edith und Ge­org Tietz sehr bald auch an an­de­ren Or­ten iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen", sag­te Uwe Hart­mann, Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te.

Die Fir­ma der Nach­fah­ren der „Her­mann Tietz & Co. Wa­ren­häu­ser“ wur­de von den Na­zis ent­eig­net, 1934 dräng­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die Brü­der Ge­org und Mar­tin Tietz so­wie de­ren Schwa­ger Hu­go Zwil­len­berg aus der Fir­men­lei­tung. Nach der Emi­gra­ti­on der Fa­mi­li­en wur­de de­ren Be­sitz be­schlag­nahmt, spä­ter ver­stei­gert und ver­kauft. Die be­deu­ten­de Bü­cher­samm­lung des Ehe­paa­res Edith und Ge­org Tietz er­warb 1944 die Reichs­tausch­stel­le des Reichs­mi­nis­te­ri­ums des In­ne­ren und la­ger­te sie in ei­nem ih­rer säch­si­schen Au­ßen­de­pots in der Nä­he von Baut­zen ein. Mit Kriegs­en­de ver­lor sich die Spur der Pri­vat­bi­blio­thek. Auf wel­chen We­gen die Samm­lung in die Bi­blio­thek ge­lang­te, konn­te bis­lang noch nicht fest­ge­stellt wer­den.

Die Stadt­bi­blio­thek Baut­zen ist bis­lang die ein­zi­ge kom­mu­na­le Bi­blio­thek, die ih­re Be­stän­de auf NS-Raub­gut mit­hil­fe ei­ner För­de­rung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­sucht hat.

Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Baut­zen

Pro­jekt­be­schrei­bung

Teil der etwa bislang 500 gefundenen Bücher der HERTIE-Bibliothek Teil der etwa bislang 500 gefundenen Bücher der HERTIE-Bibliothek Quelle:  Stadtverwaltung Bautzen