Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Hessen restituiert Silber-Becher – Deutsches Zentrum Kulturgutverluste förderte Forschungsarbeiten

Datum 05.04.2017

Das Land Hes­sen hat ei­nen Sil­ber­be­cher aus dem Be­stand der Mu­se­ums­land­schaft Hes­sen Kas­sel (MHK) an die Er­ben des recht­mä­ßi­gen Ei­gen­tü­mers, Dr. Wal­ter Mo­ritz Lie­berg, zu­rück­ge­ge­ben. Bei dem Ge­fäß aus dem 18. Jahr­hun­dert han­delt es sich um NS-Raub­gut. Die Re­sti­tu­ti­on ist das Er­geb­nis ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ge­för­der­ten, zwei­jäh­ri­gen For­schungs­pro­jekts.

Dr. Uwe Hart­mann, Lei­ter des Fach­be­reichs Pro­ve­ni­enz­for­schung beim Zen­trum, an­läss­lich der Rück­ga­be: „Die Über­ga­be des Sil­ber­be­chers an die Fa­mi­lie Lie­berg zeigt ein­drucks­voll, wa­rum wir bei der Su­che nach NS-Raub­gut kei­nen Schluss­strich zie­hen, son­dern wei­ter­hin fai­re und ge­rech­te Lö­sun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en fin­den wol­len – auch für die Ge­ne­ra­ti­on der En­kel und Ur­en­kel der Op­fer der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung.“

Der jü­di­sche Kunst­lieb­ha­ber Lie­berg leb­te in Kas­sel; sei­ne Samm­lung wur­de ihm 1939 bei ei­ner Haus­durch­su­chung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ent­zo­gen und den Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Kas­sel, ei­ner Vor­gän­ger­ein­rich­tung der MHK, über­ge­ben. Lie­berg floh 1941 mit sei­ner Frau in die USA, wo er 1975 auch ver­starb.

Im Rah­men des For­schungs­pro­jekts konn­ten Lie­bergs Kin­der aus­fin­dig ge­macht wer­den, die von der Exis­tenz des Sil­ber­be­chers nichts wuss­ten. Sie freu­ten sich, ein Er­in­ne­rungs­stück an ih­ren Va­ter zu­rück­zu­be­kom­men und schlu­gen vor, dass Lie­bergs in Wien le­ben­der En­kel den Be­cher ent­ge­gen­neh­men sol­le.

Pro­jekt­be­schrei­bung