Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Mobile Vitrine der Klassik Stiftung Weimar präsentiert Provenienzergebnisse zur Geschichte Ernst Polaczeks

Datum 29.08.2017

In einer mobilen Vitrine präsentiert die Klassik Stiftung Weimar (KSW) ab heute im Foyer des Goethe-Nationalmuseums den Fall des jüdischen Kunsthistorikers Ernst Polaczek.

Die Vitrine präsentiert exemplarisch jeweils ein Objekt, das Provenienzforscher als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut identifiziert haben, beleuchtet die Verfolgungsschicksale der früheren Eigentümer und dokumentiert die Recherchen.

Polaczek leitete von 1928 bis 1933 die Oberlausitzer Gedenkhalle und das dazugehörige Kaiser-Friedrich-Museum in Görlitz. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, verkaufte er Wertpapiere und Teile seiner privaten Kunstsammlung, um den Lebensunterhalt für sich und seine Frau verdienen zu können. Unter anderem ging 1936 ein von Adele Schopenhauer gefertigtes »Rätselalphabeth in dreizehn Bildern auf zwei Kartons« für 40 Reichsmark an das damalige Goethe-Nationalmuseum. Zur geplanten Ausreise kam es jedoch nicht mehr, da Ernst Polaczeck bereits 1939 verstarb. Seine Witwe wurde im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

Da Ernst Polaczek das Kunstwerk von Adele Schopenhauer unter dem Druck der Verfolgung verkaufen musste, bewertet die KSW es als einen NS-verfolgungsbedingten Kulturgutverlust und sucht gegenwärtig nach den Erben des Ehepaars.
Bereits seit einigen Jahren untersucht die Stiftung ihre Bestände systematisch auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat diese Provenienzrecherchen mehrfach mit einer Projektförderung unterstützt.

Die Mobile Vitrine mit dem Fall Ernst Polaczek ist bis Ende November 2017 zu sehen.

Beitrag über die Geschichte Ernst Polaczeks im Blog der KSW