Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Zentrum vermittelt: Erben von Paul Graf Yorck von Wartenburg erhalten Kleists „Käthchen von Heilbronn“ zurück

Datum 09.02.2017

Mit der Un­ter­stüt­zung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ha­ben die Er­ben von Paul Graf Yorck von War­ten­burg ei­nen Buch­band aus dem Kleist-Ar­chiv Sembd­ner in Heil­bronn zu­rück­er­hal­ten. Die Samm­lung des Gra­fen war nach dem Krieg ver­schol­len und gilt heu­te als Beu­te­gut. Die Er­ben über­las­sen dem Ar­chiv das Werk als Schen­kung.

Das Kleist-Ar­chiv Sembd­ner hat­te bei Durch­sicht sei­ner Be­stän­de den Stem­pel „Graf Yorck Klein-Oels Ma­jo­rats-Bi­blio­thek“ im Band re­gis­triert und über die vom Zen­trum be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank er­fah­ren, dass die Samm­lung des Gra­fen von War­ten­burg als Such­mel­dung auf­ge­nom­men ist. Das Zen­trum hat­te sich dar­auf­hin mit dem Er­ben, der die Samm­lung be­reits 2005 als Such­mel­dung in der Da­ten­bank ein­ge­stellt hat, in Ver­bin­dung ge­setzt und den Kon­takt her­ge­stellt. Er­freut über die Be­mü­hun­gen des Kleist-Ar­chivs Sembd­ner, über­las­sen die Er­ben das Werk dem Ar­chiv.

Bei dem Band han­delt es sich um „Das Käth­chen von Heil­bronn. Großes ro­man­ti­sches Rit­ter­schau­spiel in fünf Auf­zü­gen“ (1834) von Hein­rich von Kleist. Das Kleist-Ar­chiv Sembd­ner hat­te das Werk 2014 bei ei­nem Mün­che­ner An­ti­qua­ri­at ge­kauft.

Paul Graf Yorck von War­ten­burg, der letz­te Ei­gen­tü­mer des Guts Klein Oels im Kreis Ohl­au (Schle­si­en), wur­de nach dem 20. Ju­li 1944 als Wi­der­stands­kämp­fer in­haf­tiert und ent­eig­net und war bis zum Kriegs­en­de Häft­ling im KZ Sach­sen­hau­sen. Trotz sei­ner In­haf­tie­rung ge­lang es ihm, die wert­volls­ten Bü­cher in die Oran­ge­rie des Schlos­ses der Gra­fen Schaff­gotsch in Warm­brunn brin­gen zu las­sen. Von dort konn­te der nie­der­schle­si­sche Pro­vin­zi­al­kon­ser­va­tor, Grund­mann, im Ja­nu­ar 1945 un­ge­fähr 800 Bän­de per Bahn in den Wes­ten ver­brin­gen, die heu­te noch im Be­sitz der Fa­mi­lie sind.

Ein- bis zwei­tau­send Bän­de der Klein Oel­ser Bi­blio­thek wur­den bei Kriegs­en­de von der so­wje­ti­schen Tro­phä­en­kom­mis­si­on in die So­wjet­uni­on ver­bracht und be­fin­den sich heu­te größ­ten­teils in sie­ben rus­si­schen Bi­blio­the­ken. Der er­heb­li­che rest­li­che Teil der Samm­lung ist nach Kriegs­en­de in die Be­stän­de der Bi­blio­the­ken Bres­lau, War­schau und Lodz ge­langt. Von dort kom­men im­mer wie­der Yorck­sche Bü­cher in den deut­schen Han­del.