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Museum Huelsmann gibt Figuren an jüdische Erbin zurück

Datum 12.01.2017

Das Mu­se­um Huels­mann gibt zwei Por­zel­lan­fi­gu­ren an ih­re recht­mä­ßi­ge Er­bin, Ber­t­ha L. Gut­mann, zu­rück. Bei den Fi­gu­ren "Hüh­ner­füt­tern­des Mäd­chen" und "Kna­be mit Kat­ze und Hund" han­delt es sich um NS-Raub­gut.

Gut­mann ist die Nich­te des jü­di­schen Ge­schäfts­man­nes Hein­rich Ro­th­ber­ger (1986-1953). Er han­del­te in Wien mit Tex­ti­li­en und ge­hör­te zu den be­deu­ten­den Kunst­samm­lern der Stadt. Nach dem so­ge­nann­ten An­schluss Ös­ter­reichs an das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deut­sche Reich 1938 war er zu­neh­mend Re­strik­tio­nen aus­ge­setzt. Im No­vem­ber 1942 ent­schlos­sen sich Ro­th­ber­ger und sei­ne Frau, das Land zu ver­las­sen. Über Bar­ce­lo­na und Ku­ba ka­men sie nach Ka­na­da, wo sie sich nie­der­lie­ßen. Das für die Aus­wan­de­rung be­nö­tig­te Geld hat­te sich Ro­th­ber­ger be­reits zu­vor durch den Ver­kauf ei­nes Teils sei­ner Kunst­samm­lung be­schafft. Bei der Auk­ti­on im No­vem­ber 1938 in Ber­lin wur­den die Fi­gu­ren für 500 Reichs­mark ver­stei­gert. Hin­wei­se auf den Er­wer­ber gibt es bis heu­te nicht. 1984 tauch­ten die Ob­jek­te wie­der auf. Sie ge­hör­ten zum Nach­lass des Bie­le­fel­der Fa­bri­kan­ten­paars Ger­trud-Aga­the und Fried­rich-Karl-Au­gust Huels­mann, der da­mals in den Be­sitz der Stadt über­ging. Wann die Fi­gu­ren zu den Samm­lern ge­kom­men sind, ist un­ge­klärt.

Ro­th­ber­gers Er­bin, Ber­t­ha L. Gut­mann, wand­te sich be­reits En­de 2014 mit ei­nem Brief an das Mu­se­um, in dem sie An­spruch auf die bei­den Fi­gu­ren er­hebt. Das Mu­se­um hat dar­auf­hin die Pro­ve­ni­enz er­forscht und ist zu dem Schluss ge­kom­men, dass Gut­mann die ihr zu­ste­hen­den Kunst­wer­ke zu­rück­be­kommt.

Dies nahm das Mu­se­um Huels­mann zum An­lass, die Her­kunft sei­ner Ex­po­na­te im Rah­men ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten, lang­fris­ti­gen Pro­jekts sys­te­ma­tisch zu prü­fen.