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Kunstsammlung Oetker restituiert Gemälde von Anthonis van Dyck an die Erbin von Jacques Goudstikker

Datum 27.01.2017

Das Bie­le­fel­der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Dr. Oet­ker gibt ein Ge­mäl­de an Ma­rei von Sa­her, die Er­bin des jü­di­schen Kunst­samm­lers Jac­ques Goud­s­tik­ker, zu­rück. Bei dem Werk mit dem Ti­tel „Por­trait von Adriaen Moens“ von An­tho­nis van Dyck han­delt es sich um NS-Raub­gut.

Der re­nom­mier­te jü­di­sche Kunst­händ­ler Jac­ques Goud­s­tik­ker muss­te das Ge­mäl­de bei sei­ner Flucht im Mai 1940, kurz vor der In­va­si­on der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, in Ams­ter­dam zu­rück­las­sen. An­schlie­ßend wur­de es an Her­mann Gö­ring zwangs­ver­kauft. Ru­dolf-Au­gust Oet­ker er­warb es 1956 im gu­ten Glau­ben von ei­nem auf al­te Meis­ter spe­zia­li­sier­ten Kunst­händ­ler, nach­dem es die hol­län­di­sche Re­gie­rung an die­sen ver­kauft hat­te. Im Jahr 1998 über­trug er das Werk an die Kunst­samm­lung Oet­ker. Die Er­bin iden­ti­fi­zier­te das Ge­mäl­de und in­for­mier­te die Kunst­samm­lung Oet­ker über ih­ren Re­sti­tu­ti­ons­an­spruch.

Die Kunst­samm­lung Ru­dolf-Au­gust Oet­ker GmbH hat ei­ne un­ab­hän­gi­ge Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin en­ga­giert, die den Be­stand der Samm­lung sys­te­ma­tisch auf NS-Raub­gut über­prüft. Ziel ist es, zu über­prü­fen, ob Kunst­wer­ke der Samm­lung ur­sprüng­lich im Be­sitz von Per­so­nen wa­ren, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf­grund von Ab­stam­mung, Re­li­gi­on, Na­tio­na­li­tät, Welt­an­schau­ung oder aus Grün­den po­li­ti­scher Geg­ner­schaft ver­folgt wur­den und ih­nen des­halb un­recht­mä­ßig ab­han­den­ge­kom­men sind.

Uwe M. Schnee­de, Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te hier­zu: „Das En­ga­ge­ment die­ser pri­va­ten Samm­lung, die ei­ge­nen Be­stän­de auf ih­re Her­kunft zu un­ter­su­chen und mit den Er­ben von Op­fern des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nach fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pen zu su­chen, ist vor­bild­lich. Wir wün­schen uns, dass an­de­re pri­va­te Ein­rich­tun­gen die­sem Bei­spiel fol­gen.“

Seit der Grün­dung zum 1. Ja­nu­ar 2015 kön­nen sich ne­ben öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen auch pri­vat ge­tra­ge­ne Ein­rich­tun­gen und Pri­vat­per­so­nen in Deutsch­land beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te zur Er­for­schung ih­rer Be­stän­de hin­sicht­lich NS-Raub­gut fach­lich be­ra­ten las­sen. Pri­vat­recht­li­che Ein­rich­tun­gen oder Pri­vat­per­so­nen, die bei der ei­ge­nen Su­che nach NS-Raub­gut und fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen den Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung fol­gen, kön­nen au­ßer­dem ei­ne Pro­jekt­för­de­rung beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­an­tra­gen. Die För­der­richt­li­nie des Zen­trums wird der­zeit ent­spre­chend er­wei­tert.

Pres­se­mit­tei­lung der Dr. Au­gust Oet­ker KG

Antonis van Dyck Portrait von Adriaen Moens Antonis van Dyck Portrait von Adriaen Moens Quelle:  Dr. August Oetker KG