Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Stadtmuseum Tübingen restituiert Goldwaage – Zentrum fördert Forschungsarbeiten

Datum 15.11.2017

Das Stadt­mu­se­um Tü­bin­gen hat ei­ne klei­ne Gold­waa­ge aus dem 18. Jahr­hun­dert, bei der es sich um sog. NS-Raub­gut han­delt, an die Er­ben des jü­di­schen Vor­be­sit­zers Adolf Des­sau­er zu­rück­ge­ge­ben. Die Re­sti­tu­ti­on ist das Er­geb­nis ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ge­för­der­ten, drei­jäh­ri­gen For­schungs­pro­jekts.

Die Waa­ge wur­de am 11. Ja­nu­ar 1939 aus dem Be­sitz des hoch be­tag­ten Op­ti­kers Adolf Des­sau­er für 10 Reichs­mark er­wor­ben. Die Um­stän­de des Ver­kaufs konn­ten nicht in Gän­ze re­kon­stru­iert wer­den. Die Waa­ge hät­te um 1939 auch noch an Fa­mi­li­en­mit­glie­der, die in Tü­bin­gen und Stutt­gart leb­ten, über­tra­gen wer­den kön­nen. Da­her nimmt das Stadt­mu­se­um an, dass sie un­ter Druck ent­äu­ßert wur­de, um di­ver­se Zwangs­steu­ern zah­len zu kön­nen. Des­halb ent­schloss sich Stadt Tü­bin­gen, die Waa­ge an die Nach­fah­ren Des­sau­ers zu­rück­zu­ge­ben.

Seit April 2015 er­forscht das Stadt­mu­se­um sys­te­ma­tisch die Pro­ve­ni­enz von Samm­lungs­ge­gen­stän­den, die im Ver­dacht ste­hen, NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut („NS-Raub­gut“) zu sein. Ziel ist es, Ge­gen­stän­de mit be­las­te­ter Her­kunft ge­ge­be­nen­falls zu­rück­zu­ge­ben.

Pres­se­mit­tei­lung des Stadt­mu­se­ums Tü­bin­gen

Pro­jekt­be­schrei­bung

Restitution einer Goldwaage aus dem Stadtmuseum Tübingen Restitution einer Goldwaage aus dem Stadtmuseum Tübingen Eine kleine Goldwaage aus dem Besitz des Stadtmuseums hat die Erste Bürgermeisterin Dr. Christine Arbogast an die Urenkel des jüdischen Vorbesitzers Adolf Dessauer übergeben. Das Familienerbstück wurde um 1750 aus Birnbaumholz, Messing und Stahl gefertigt. Die Waage war 1939 weit unter Wert und vermutlich unter Zwang verkauft worden. Quelle:  Stadtmuseum Tübingen