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Einigung: Beckmanns Gemälde „Eisgang“ bleibt im Städel Museum

Datum 07.03.2018

Im Zu­ge sei­ner sys­te­ma­ti­schen Pro­ve­ni­enz­for­schung er­hielt das Frank­fur­ter Stä­del Mu­se­um Hin­wei­se auf ei­ne be­las­te­te Pro­ve­ni­enz des Wer­kes „Eis­gang“ (1923) von Max Beck­mann (1884–1950). Das im Ver­zeich­nis na­tio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes ge­lis­te­te Öl­ge­mäl­de zeigt das cha­rak­te­ris­ti­sche Main­pan­ora­ma Frank­furts mit Blick auf den Ei­ser­nen Steg und wur­de 1994 vom Stä­del­schen Mu­se­ums-Ver­ein er­wor­ben. Es stell­te sich her­aus, dass der ers­te Be­sit­zer des Wer­kes Fritz Neu­ber­ger war, ein jü­di­scher Tex­til­fa­bri­kant aus Frank­furt, der das Ge­mäl­de di­rekt von Max Beck­mann ge­kauft hat­te. Neu­ber­ger und sei­ne Frau Hed­wig wur­den von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt, nach Ost­po­len de­por­tiert und ver­mut­lich im Ver­nich­tungs­la­ger Ma­jda­n­ek er­mor­det. Was mit dem Bild im Ein­zel­nen ge­schah, ist über wei­te Stre­cken nicht er­mit­tel­bar. Al­les spricht da­für, dass „Eis­gang“ dem Ehe­paar Neu­ber­ger ver­fol­gungs­be­dingt ab­han­den­kam. Nach in­ten­si­ven Ge­sprä­chen zwi­schen dem Vor­stand des Stä­del­schen Mu­se­ums-Ver­eins und den Er­ben ei­nig­ten sich bei­de Par­tei­en nun auf ei­ne „Good­will - Ver­ein­ba­rung“ im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en, die den dau­er­haf­ten Ver­bleib des Ge­mäl­des in Frank­furt er­mög­licht. Künf­tig wird mit ei­ner Ta­fel am Ge­mäl­de an das tra­gi­sche Schick­sal von Fritz Neu­ber­ger und sei­ner Frau er­in­nert. Groß­zü­gi­ge fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für die Ei­ni­gung er­hielt der Stä­del­sche Mu­se­ums-Ver­ein von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters er­klär­te: „Das Ge­mäl­de Eis­gang, das wäh­rend der Frank­fur­ter Jah­re Beck­manns ent­stand, ist nicht nur ein zen­tra­les Werk im Oeu­vre die­ses großen deut­schen Ex­pres­sio­nis­ten. Durch die Dar­stel­lung des Ei­ser­nen Stegs, ei­nes Wahr­zei­chens der Stadt, ist die­ses Bild für al­le Men­schen in der Main-Me­tro­po­le und dar­über hin­aus ein wich­ti­ges, be­lieb­tes und iden­ti­täts­s­tif­ten­des Zeug­nis. An­lie­gen des Bun­des ist es, durch die För­de­rung sol­cher An­käu­fe zu fai­ren und ge­rech­ten Lö­sun­gen und Ei­ni­gun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en bei­zu­tra­gen. Dass der Eis­gang nun end­gül­tig sei­nen Platz im Stä­del Mu­se­um ge­fun­den hat, ist ein Ge­winn nicht nur für Frank­furt, son­dern für die deut­sche Mu­se­ums­land­schaft über­haupt.“
Das Frank­fur­ter Stä­del Mu­se­um er­forscht seit 2001 sys­te­ma­tisch die Her­kunft al­ler Ob­jek­te, die wäh­rend der NS-Zeit er­wor­ben wur­den bzw. in die­sem Zeit­raum den Be­sit­zer wech­sel­ten oder ge­wech­selt ha­ben könn­ten. Grund­la­ge für die­se For­schung bil­det die 1998 auf der „Kon­fe­renz über Ver­mö­gens­wer­te aus der Zeit des Ho­lo­caust“ in Wa­shing­ton for­mu­lier­ten „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ so­wie die sich dar­an an­schlie­ßen­de „Ge­mein­sa­me Er­klä­rung“. Bis­her konn­te für elf Ob­jek­te aus den Ge­mäl­de- und Gra­fik­be­stän­den des Stä­del­schen Kuns­t­in­sti­tuts und der Städ­ti­schen Ga­le­rie so­wie fünf Ob­jek­te aus dem Be­stand der Lie­bieg­haus Skulp­tu­ren­samm­lung ein ver­fol­gungs­be­ding­ter Ver­mö­gens­ver­lust nach­ge­wie­sen und die­se re­sti­tu­iert bzw. zu­rück­er­wor­ben wer­den.

Max Beckmann (1884–1950), Eisgang, 1923, Öl auf Leinwand, 47,5 x 59,5 cm Max Beckmann (1884–1950), Eisgang, 1923, Öl auf Leinwand, 47,5 x 59,5 cm Erworben 1994 mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung und anderer Spender anlässlich des Abschieds von Klaus Gallwitz (Direktor des Städel Museums, 1974 – 1994). Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e.V. sowie der Bundesrepublik Deutschland Quelle:  Foto: Städel Museum - ARTOTHEK © VG Bild Kunst Bonn Städel