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Auf Spurensuche: Provenienzforschung im Martin von Wagner Museum beginnt

Datum 25.06.2019

In der Ge­mäl­de­ga­le­rie des Mar­tin von Wag­ner Mu­se­ums der Ju­li­us-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Würz­burg (JMU) be­ginnt ein Pro­jekt der Pro­fes­sur für Mu­seo­lo­gie zur Pro­ve­ni­enz­for­schung. Un­ter­stützt wird sie da­bei maß­geb­lich vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te über ei­nen Zeit­raum von zwei Jah­ren.

„Dass Uni­ver­si­täts­samm­lun­gen in den Fo­kus der Pro­ve­ni­enz­for­schung ge­ra­ten, ist im­mer noch ein De­si­de­rat. Wir sind da­her sehr er­freut über das En­ga­ge­ment der Würz­bur­ger Uni­ver­si­tät – ins­be­son­de­re, weil auch durch die Ver­knüp­fung mit dem Mas­ter­stu­dien­gang ‚Samm­lun­gen – Pro­ve­ni­enz – Kul­tu­rel­les Er­be‘ der JMU ei­ne sinn­vol­le Brücke von der For­schung in die Aus­bil­dung ge­schla­gen wird“, sagt Gil­bert Lup­fer, wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand des Zen­trums.

Im Som­mer 2018 sind Ver­mu­tun­gen über mög­li­cher­wei­se un­recht­mä­ßig zwi­schen 1933 und 1945 er­wor­be­ne Ge­mäl­de im Mar­tin von Wag­ner Mu­se­um auf­ge­kom­men und ei­ne ers­te Über­blicks-Re­cher­che er­här­te­te dann die Ver­däch­ti­gun­gen. Mit­hil­fe des For­schungs­pro­jekts sol­len nun die Pro­ve­ni­en­zen die­ser Ob­jek­te ge­klärt, Lost Art-Mel­dun­gen er­stellt so­wie ge­rech­te und fai­re Lö­sun­gen im Sin­ne der Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en ge­fun­den wer­den.

Ei­ner der Würz­bur­ger Ver­dachts­fäl­le ist ein Tra­gal­tar aus dem 16. Jahr­hun­dert. Das klei­ne Tri­pty­chon mit Re­li­quie wur­de 1939 von der Kunst­hand­lung Son­nen er­wor­ben. Der In­ha­ber die­ser Kunst­hand­lung über­nahm das Ge­schäft 1937 von den jü­di­schen Ge­schwis­tern Er­nes­ti­ne und Sig­mund Se­ligs­ber­ger, de­nen vom NS-Re­gime der Han­del mit Kunst­ge­gen­stän­den ver­bo­ten wor­den war. Er­nes­ti­ne Se­ligs­ber­ger starb 1939 in ei­nem Würz­bur­ger Pfle­ge­heim, Sig­mund floh mit sei­ner Frau Sa­ra und ei­nem Sohn über Ber­lin in die Nie­der­lan­de, von wo aus sie de­por­tiert und er­mor­det wur­den. Ob das ge­nann­te Al­tar­bild noch aus dem Be­sitz der Fa­mi­lie Se­ligs­ber­ger stammt, gilt es nun zu er­mit­teln.

Das Mar­tin von Wag­ner Mu­se­um ist ei­nes der be­deu­tends­ten Uni­ver­si­täts­mu­se­en Eu­ro­pas. Sei­ne Be­stän­de an­ti­ker und nachan­ti­ker Kunst bil­den zu­sam­men­ge­nom­men sechs Jahr­tau­sen­de Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te ab. Das Mu­se­um be­steht aus zwei Ab­tei­lun­gen: Die Äl­te­re Ab­tei­lung um­fasst die An­ti­ken­samm­lung, die Neue­re Ab­tei­lung glie­dert sich in Ge­mäl­de­ga­le­rie und Gra­phi­sche Samm­lung.

Pres­se­mit­tei­lung

Mar­tin von Wag­ner Mu­se­um der Uni­ver­si­tät Würz­burg

* Erforschung-Triptychon Nora Halfbrodt erforscht unter anderem die Geschichte dieses kleinen Altarbildes aus dem Besitz der jüdischen Kunsthandlung Seligsberger. Quelle:  Universität Würzburg - Institut für deutsche Philologie - Professur für Museologie