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NS-Raubgut aus Staatlichen Museen Berlin geht an jüdische Erben zurück

Datum 27.05.2019

Die Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz (SPK) hat fünf Wer­ke aus den Samm­lun­gen der Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin an die Nach­kom­men des von den Na­zis ver­folg­ten Kunst­händ­lers Hein­rich Ue­ber­all zu­rück­ge­ge­ben.

Ue­ber­all starb 1939 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen, nach­dem er durch das NS-Re­gime ver­folgt wur­de und sei­nen flo­rie­ren­den Kunst- und An­ti­qui­tä­ten­han­del auf­grund der zu­neh­men­den Re­pres­sa­li­en 1936 und 1938 auf­ge­ben muss­te. Er be­an­trag­te 1939 er­folg­reich ein bri­ti­sches Ein­rei­se­vi­sum für sich und sei­ne Frau. Der Kriegs­aus­bruch mach­te je­doch ei­ne Aus­rei­se un­mög­lich. Hein­rich Ue­ber­all wur­de im Sep­tem­ber 1939 in das KZ Sach­sen­hau­sen de­por­tiert. Sei­ne Frau nahm sich 1942, nach­dem sie ei­nen De­por­ta­ti­ons­be­scheid er­hal­ten hat­te, das Le­ben. Die Toch­ter war mit ih­rer Fa­mi­lie be­reits 1938 ge­flo­hen und 1940 in die USA emi­griert, der Sohn floh 1939 nach Lon­don. Zwei En­kel von Hein­rich und Re­bek­ka Ue­ber­all über­leb­ten den Ho­lo­caust.

Bei den re­sti­tu­ier­ten Wer­ken han­delt es sich um drei Ge­mäl­de aus dem 17. Jahr­hun­dert so­wie zwei Bron­zen: Re­sti­tu­iert wur­den aus dem Be­stand der Ge­mäl­de­ga­le­rie Mat­teus Stom (1600 – nach 1641): Bib­li­sche Dar­stel­lung / Sa­rah führt Abra­ham Ha­gar zu (1642-1650), Bar­tho­lo­meus van der Helst (Ko­pie): Her­ren­bild­nis / Bild­nis ei­nes Man­nes (17. Jh.), und Frans Ykens: Still­le­ben (17. Jh.). Aus der Al­ten Na­tio­nal­ga­le­rie wur­den zwei Bron­zen un­be­kann­ter Künst­ler re­sti­tu­iert, bei de­nen es sich je­weils um ei­ne ver­klei­ner­te Nach­bil­dung ei­nes be­kann­ten Wer­kes han­delt: nach Al­le­grain: Ve­nus nach dem Ba­de (um 1845/1864), und nach Ca­no­va: Ve­nus (um 1845/64).

Die Ar­bei­ten ge­hö­ren zu mehr als 4.000 Kunst­wer­ken, die der preu­ßi­sche Staat 1935 von der Dresd­ner Bank an­ge­kauft und an­schlie­ßend an die Staat­li­chen Mu­se­en wei­ter­ge­ge­ben hat.

Die SPK lässt seit 2018 die Her­kunft ih­rer Wer­ke aus dem be­trof­fe­nen Kon­vo­lut in ei­nem ei­ge­nen Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekt er­for­schen. Da­bei ori­en­tiert sie sich wie bei all ih­ren Re­sti­tu­ti­ons­fäl­len an den Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en von 1998 so­wie der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung von 1999.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat die SPK be­reits in meh­re­ren Pro­jek­ten zur sys­te­ma­ti­schen Er­schlie­ßung von Samm­lungs­be­stän­den un­ter­stützt.

Pres­se­mit­tei­lung der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz