Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Stadt Düren restituiert Campendonk-Gemälde und erwirbt es zurück

Datum 28.11.2019

Die Stadt Dü­ren als Trä­ge­rin des Leo­pold-Hoesch-Mu­se­ums und die Er­bin der Kunst­samm­lung Hess ha- ben sich nach um­fang­rei­chen Pro­ve­ni­enz­for­schun­gen hin­sicht­lich des Ge­mäl­des von Hein­rich Cam­pen- donk „Bild mit Tie­ren“ in ei­nem mehr­jäh­ri­gen Ver­fah­ren auf ei­ne fai­re und ge­rech­te Lö­sung ver­stän­digt, die den Ver­bleib des Wer­kes in Dü­ren si­chern soll. Dies ist das Er­geb­nis ei­nes For­schungs­pro­jekts, das das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te von 2015 bis 2018 un­ter­stützt hat.

Der 1931 ver­stor­be­ne jü­di­sche Er­fur­ter Schuh­fa­bri­kant Al­fred Hess war ein be­kann­ter Kunst­samm­ler und Mä­zen und hat­te ei­ne der be­deu­tends­ten Samm­lun­gen ex­pres­sio­nis­ti­scher Kunst in Deutsch­land auf­ge- baut. Er­be wur­de sein Sohn Hans Hess, der be­reits we­ni­ge Mo­na­te nach Machter­grei­fung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten aus Deutsch­land in die Emi­gra­ti­on flüch­te­te. Sei­ne Mut­ter Te­kla Hess sand­te wäh­rend­des­sen wich­ti­ge Tei­le der be­deu­ten­den Kunst­samm­lung zu ei­ner Aus­stel­lung in die Schweiz, zu­nächst nach Ba­sel und spä­ter nach Zü­rich, dar­un­ter auch das Ge­mäl­de von Hein­rich Cam­pen­donk „Bild mit Tie­ren“. Sie war im März 1937 ge­zwun­gen, die­ses Ge­mäl­de zu­sam­men mit an­de­ren Wer­ken zu­rück nach Deutsch­land zu schi­cken, wo die Wer­ke im Köl­ni­schen Kunst­ver­ein un­ter­ge­bracht wur­den. Im Jahr 1939 ge­lang ihr noch die Emi­gra­ti­on nach Groß­bri­tan­ni­en. Nach En­de des 2. Welt­krie­ges wur­de sei­tens des Köl­ni­schen Kunst­ver­eins mit­ge­teilt, dass die ehe­mals ein­ge­la­ger­ten Bil­der zer­stört, je­den­falls nicht mehr vor­han­den sei­en.

Das Bild tauch­te erst im Be­sitz der Ga­le­rie Hel­la Ne­be­lung, Düs­sel­dorf, wie­der auf, wo es An­fang der 1950er Jah­re von Fe­lix Pelt­zer er­wor­ben wur­de. Die Stadt Dü­ren er­hielt das Ge­mäl­de 1955 im We­ge der Schen­kung von der Fa­mi­lie Pelt­zer für die Samm­lung des Leo­pold-Hoesch-Mu­se­ums. Im Rah­men der vom Mu­se­ums­ver­ein Dü­ren in Auf­trag ge­ge­be­nen um­fang­rei­chen, mehr­jäh­ri­gen Pro­ve­ni­enz­for­schung konn­te nicht ge­klärt wer­den, wie und von wem die Ga­le­rie Ne­be­lung das Bild er­hal­ten hat.

Um das Ge­mäl­de für die Samm­lung des Leo­pold-Hoesch-Mu­se­ums und da­mit für die Öf­fent­lich­keit zu er­hal­ten, hat die Stadt Dü­ren im Sin­ne ei­ner fai­ren und ge­rech­ten Lö­sung mit der Er­bin ver­ein­bart, dass das Leo­pold-Hoesch-Mu­se­um das Ge­mäl­de nach Re­sti­tu­ti­on zu­rück­er­wirbt.

Es konn­ten na­tio­na­le und re­gio­na­le Kör­per­schaf­ten und Stif­tun­gen, dar­un­ter die Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en, ge­won­nen wer­den, sich an der Fi­nan­zie­rung zu be­tei­li­gen. Die Stadt Dü­ren wird ei­nen Ei­gen­an­teil zu der Fi­nan­zie­rung bei­tra­gen.

Pro­jekt­be­schrei­bung

Pres­se­mit­tei­lung des Leo­pold-Hoesch-Mu­se­ums Dü­ren (PDF, 331 KB)

Heinrich Campendonk, „Tiere/Bild mit Tieren“, 1917, Öl auf Leinwand, 60,5 x 76,5 cm Heinrich Campendonk, „Tiere/Bild mit Tieren“, 1917, Öl auf Leinwand, 60,5 x 76,5 cm Heinrich Campendonk, „Tiere/Bild mit Tieren“, 1917, Öl auf Leinwand, 60,5 x 76,5 cm Quelle:  Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren; VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Peter Hinschläger