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SUB Hamburg restituiert NS-Raubgut an Sternheim-Enkelin

Datum 24.10.2019

Die Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Ham­burg Carl von Os­sietz­ky (SUB) hat Bü­cher, die dem Ber­li­ner Bü­cher­freund Hans Stern­heim – ei­nem Pa­ten­kind Theo­dor Fon­ta­nes – ge­hör­ten und bei de­nen es sich um NS-Raub­gut han­delt, an Stern­heims Er­bin re­sti­tu­iert. In ei­ner groß­zü­gi­gen Ges­te über­lässt die 90-jäh­ri­ge En­ke­lin jetzt der Bi­blio­thek die un­recht­mä­ßig er­wor­be­nen Bü­cher und be­rei­chert die Samm­lun­gen zu­sätz­lich durch ei­ne wert­vol­le Schen­kung aus Fa­mi­li­en­be­sitz: Do­ku­men­te, Fo­tos und Bü­cher, dar­un­ter ein Ge­dicht­band Theo­dor Fon­ta­nes von 1890 mit ei­ner freund­schaft­li­chen Wid­mung des Dich­ters an Ma­rie Stern­heim.

Im Mai 1939 kauf­te die Bi­blio­thek 78 Bü­cher auf ei­ner Auk­ti­on, ein Groß­teil da­von stamm­te von „St. in Ber­lin“ und war aus „nicht-ari­schem Be­sitz“. Da­hin­ter ver­barg sich der Buch­samm­ler Hans Stern­heim aus Ber­lin. Heu­te sind in der SUB nur noch fünf Bü­cher aus die­sem An­kauf vor­han­den.

Hans Stern­heim wur­de 1880 in ei­ne Ber­li­ner Ban­kiers­fa­mi­lie hin­ein­ge­bo­ren, die zum engs­ten Kreis der Freun­de des Dich­ters Theo­dor Fon­ta­ne ge­hör­te. Die Stern­heims tra­ten schon im spä­ten 19. Jahr­hun­dert vom Ju­den­tum zum Pro­tes­tan­tis­mus über. Bei der Tau­fe des Soh­nes Hans 1893 über­nahm Fon­ta­ne die Pa­ten­schaft und blieb bis zu sei­nem Tod 1898 in en­ger Ver­bin­dung. Ab 1933 ver­folg­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ihn und sei­ne aus Ham­burg stam­men­de Frau Ida Esch­we­ge als „Voll­ju­den“. Be­rufs­ver­bot und Ent­rech­tung trie­ben die bei­den ab 1936 in exis­ten­ti­el­le Not. Stern­heims un­frei­wil­li­ger Ver­kauf von Bü­chern im Mai 1939 ist als NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ent­zug zu wer­ten. Die 1939 von der Bi­blio­thek er­wor­be­nen Bü­cher sind des­halb NS-Raub­gut. 1942 wur­den die Stern­heims nach The­re­si­en­stadt de­por­tiert, 1944 in Ausch­witz er­mor­det.

Die Re­sti­tu­ti­on ist das Er­geb­nis ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ge­för­der­ten, zwei­jäh­ri­gen For­schungs­pro­jekts.

Pres­se­mit­tei­lung der SUB