Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Kooperation der SPK mit Museums Association of Namibia - Zentrum berät wissenschaftlich

Datum 18.09.2019

Im Rah­men ei­ner Part­ner­schaft zwi­schen der Mu­se­ums As­so­cia­ti­on of Na­mi­bia (MAN) und der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz (SPK) wa­ren seit Früh­jahr 2019 meh­re­re For­scher aus Na­mi­bia zu Gast im Eth­no­lo­gi­schen Mu­se­um der Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin. Ge­mein­sam mit dem Wis­sen­schaft­ler­team des Mu­se­ums un­ter­such­ten sie die rund 1400 Ob­jek­te der Na­mi­bia-Samm­lung des Hau­ses im Hin­blick auf ih­re Ge­schich­te, Be­deu­tung und ih­re künst­le­ri­schen Po­ten­zia­le. In dem nun fol­gen­den Pro­jekt „Con­fron­ting Co­lo­ni­al Pasts, En­vi­sio­ning Crea­ti­ve Fu­tu­res“, das die Ger­da Hen­kel Stif­tung er­mög­licht hat, wer­den 23 die­ser Ob­jek­te nach Na­mi­bia rei­sen, dar­un­ter Schmuck, Pres­ti­ge­ob­jek­te und his­to­risch wich­ti­ge Ar­te­fak­te. Dort sol­len sie in den kom­men­den drei Jah­ren wei­ter er­forscht wer­den und zeit­ge­nös­si­schen Künst­lern für die krea­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung zur Ver­fü­gung ste­hen. Erst­mals in Deutsch­land wur­de ein sol­cher er­geb­ni­sof­fe­ner Pro­zess der Zu­sam­men­ar­beit an­ge­sto­ßen, der maß­geb­lich von den na­mi­bi­schen Part­nern be­stimmt wird.

La­ris­sa Förs­ter, wis­sen­schaft­li­che Be­ra­te­rin des Pro­jek­tes und Lei­te­rin des Fach­be­reichs „Kul­tur- und Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten“ beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te: „Die Ge­schich­te na­mi­bi­scher Ob­jek­te in deut­schen Mu­se­en ist lan­ge nicht be­han­delt wor­den. In die­sem Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt wird die Deu­tungs­ho­heit ge­teilt, wenn nicht so­gar auf na­mi­bi­sche Sta­ke­hol­der ver­la­gert.“

Die his­to­ri­schen Samm­lun­gen aus Na­mi­bia im Eth­no­lo­gi­schen Mu­se­um wur­den größ­ten­teils wäh­rend der deut­schen Ko­lo­ni­al­zeit (1884-1919) er­wor­ben. Ih­re Pro­ve­ni­en­zen wer­den seit An­fang 2018 er­forscht, in den letz­ten Mo­na­ten ge­mein­sam mit den na­mi­bi­schen Gast­wis­sen­schaft­lern. Die Samm­lun­gen spie­geln ko­lo­nia­le, teils äu­ßerst ge­walt­vol­le An­eig­nungs­pro­zes­se wi­der. Dar­über hin­aus zei­gen sie die Krea­ti­vi­tät und den Ein­falls­reich­tum der Men­schen in Na­mi­bia. Sie sind da­mit ei­ne wich­ti­ge Quel­le für die his­to­ri­sche For­schung und In­spi­ra­ti­ons­quel­le für zeit­ge­nös­si­sche Künst­ler und De­sign­er. Auf­grund der deut­schen Ko­lo­nia­li­sie­rung Na­mi­bi­as be­fin­det sich die über­wie­gen­de Mehr­heit sol­cher Ob­jek­te in deut­schen und nicht na­mi­bi­schen In­sti­tu­tio­nen und ist da­her für die meis­ten Na­mi­bier nicht zu­gäng­lich. Mit dem von der Ger­da Hen­kel Stif­tung fi­nan­zier­ten Pro­jekt wird, be­gin­nend mit der Rei­se der Ob­jek­te nach Na­mi­bia, ein ers­ter Schritt un­ter­nom­men, um die­ses Un­gleich­ge­wicht zu be­he­ben. Der größ­te Teil der För­der­mit­tel in Hö­he von ins­ge­samt rd. 400.000 Eu­ro fließt in die Ar­beit in Na­mi­bia.

Pres­se­mit­tei­lung der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz

* Julia Binter, Cynthia Schimming, Nehoa Kautondokwa und Jonathan Fine mit Uatunua im Depot des Ethnologischen Museum Berlin. Filmstill aus Tracing Namibian-German Collaborations at the Ethnologisches Museum Berlin (AT) Julia Binter, Cynthia Schimming, Nehoa Kautondokwa und Jonathan Fine mit Uatunua im Depot des Ethnologischen Museum Berlin. Filmstill aus Tracing Namibian-German Collaborations at the Ethnologisches Museum Berlin (AT) Quelle:  Moritz Fehr, 2019