Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Forschungsprojekt zur Kunstsammlung Felix Ganz beginnt

Datum 01.04.2020

Das In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te und Mu­sik­wis­sen­schaf­ten der Jo­han­nes Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz (JGU) hat mit ei­nem Pro­jekt be­gon­nen, das dar­auf ab­zielt, die pri­va­te Kunst­samm­lung des jü­di­schen Ge­schäfts­man­nes Fe­lix Ganz (1869-1944) zu re­kon­stru­ie­ren. Ge­för­dert wird dies vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg. Das Pro­jekt wird maß­geb­lich von dem in Lon­don le­ben­den Ur­en­kel Adam Ganz un­ter­stützt, der Do­ku­men­te aus dem um­fang­rei­chen Fa­mi­li­en­ar­chiv zur Ver­fü­gung stellt.

Fe­lix Ganz über­nahm 1890 die vä­ter­li­che Fir­ma Lud­wig Ganz in Mainz, die mit Ori­ent-Tep­pi­chen und Tex­ti­ler­zeug­nis­sen für Mö­bel und Wohn­de­kor han­del­te, und bis 1933 als Groß­kon­zern für Tex­ti­lim­port und -ex­port ex­pan­dier­te. Fe­lix Ganz pfleg­te ein wei­tes Netz­werk von Pro­duk­ti­ons­stät­ten im Na­hen Os­ten, zu Kun­den und Zweig­stel­len in ganz Deutsch­land, so­wie Ko­ope­ra­tio­nen in Eng­land. Weil er als Ju­de ver­folgt wur­de, wur­de sei­ne Fir­ma „ari­siert“, sei­ne Vil­la samt Ein­rich­tung be­schlag­nahmt. Fe­lix Ganz und sei­ne Frau Er­na wur­den am 27. Sep­tem­ber 1942 von Mainz über Darm­stadt nach The­re­si­en­stadt und von dort 1944 nach Ausch­witz de­por­tiert und er­mor­det.

Wäh­rend ein Teil der Woh­nungs­ein­rich­tung nach Auk­tio­nen durch das Fi­nanz­amt vom Lan­des­mu­se­um Mainz ge­kauft wur­de, fehlt von der Kunst­samm­lung jeg­li­che Spur. Nur die Be­schrei­bung der Samm­lung im Wie­der­gut­ma­chungs­an­trag von 1949, den Ganz‘ Kin­der ge­stellt ha­ben, gibt ei­nen ers­ten Ein­druck von Qua­li­tät und Um­fang der Kunst­samm­lung be­ste­hend aus zahl­rei­chen Kunst­ge­gen­stän­den aus dem Na­hen und Fer­nen Os­ten. Der An­trag dient als Aus­gangs­quel­le für die Re­kon­struk­ti­on der Kunst­samm­lung Fe­lix Ganz zum Zeit­punkt der „Ari­sie­rung“ sei­nes Ge­schäf­tes 1934. Gleich­zei­tig soll mit dem Pro­jekt die Kennt­nis um die Be­zie­hung zwi­schen dem jü­di­schen Mä­zen und den Main­zer Mu­se­en er­wei­tert und greif­bar ge­macht wer­den.