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Stiftung Saarländischer Kulturbesitz gibt Werke von Max Slevogt an die Nachfahren von Julius Freund zurück

Datum 27.04.2020

Die Stif­tung Saar­län­di­scher Kul­tur­be­sitz hat meh­re­re Wer­ke von Max Sle­vogt an die Er­ben des recht­mä­ßi­gen Ei­gen­tü­mers Ju­li­us Freund zu­rück­ge­ge­ben. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­stützt seit 2015 di sys­te­ma­tisch be­trie­be­ne For­schung zur Pro­ve­ni­enz der Saar­brücker Be­stän­de, die die­ser Re­sti­tu­ti­on zu­grun­de liegt.

Die jetzt re­sti­tu­ier­ten Wer­ke Max Sle­vogts ge­lang­ten 1982 mit der Samm­lung Kohl-Wei­gand in die Mo­der­ne Ga­le­rie des Saar­land­mu­se­ums. Ur­sprüng­lich wa­ren sie Be­stand­teil der hoch­ran­gi­gen Samm­lung vor al­lem deut­scher Ma­le­rei und Gra­fik des 19. Jahr­hun­derts, die der Ge­schäfts­mann und Pri­vat­samm­ler Ju­li­us Freund zu­sam­men­ge­tra­gen hat­te.

Auf­grund ih­rer jü­di­schen Ab­stam­mung wur­de die Fa­mi­lie Freund nach dem 30. Ja­nu­ar 1933 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt. Im Sep­tem­ber 1933 hat­te Ju­li­us Freund die Ver­sen­dung sei­ner Kunst­samm­lung in die Schweiz ver­an­lasst, um sie vor dem di­rek­ten Zu­griff der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zu schüt­zen. Da­nach ge­lang der Fa­mi­lie schließ­lich die Emi­gra­ti­on nach Lon­don. Zu­vor hat­te sie sämt­li­che den jü­di­schen Bür­gern auf­er­leg­ten Zah­lun­gen wie die „Ju­den­ver­mö­gens­ab­ga­be“ oder die „Reichs­flucht­steu­er“ leis­ten müs­sen. Prak­tisch mit­tel­los, wur­den die Ehe­leu­te Freund im Sep­tem­ber 1940 in Eng­land aus­ge­bombt und Ju­li­us Freund er­litt ei­nen Schlag­an­fall, der ihn fort­an lähm­te. 1941 ver­starb er in der Kran­ken­ab­tei­lung des Ar­men­hau­ses in Wig­ton. Nach sei­nem Tod sah sei­ne Wit­we Cla­ra Freund sich aus wirt­schaft­li­cher Not ge­zwun­gen, die um­fang­rei­che Kunst­samm­lung bei der Ga­le­rie Fi­scher in Lu­zern/Schweiz ver­stei­gern zu las­sen. Tei­le der Samm­lung wur­den im Rah­men die­ser Auk­ti­on am 21. März 1942 von Adolf Hit­lers Son­der­be­auf­trag­ten für den Auf­bau des so­ge­nann­ten „Füh­rer­mu­se­ums“ in Linz er­wor­ben. Die Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on für die Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ner Kul­tur­gü­ter hat die Ver­stei­ge­rung der Samm­lung Freund in ih­rer Emp­feh­lung vom Ja­nu­ar 2005 als ver­fol­gungs­be­ding­ten Ver­lust ein­ge­stuft.

Nach­dem die Stif­tung Saar­län­di­scher Kul­tur­be­sitz im Zu­ge ih­rer For­schun­gen die be­las­te­te Ge­schich­te der be­sag­ten Sle­vogt-Wer­ke auf­ge­deckt hat­te, ging sie ak­tiv auf die in Ka­na­da le­ben­den Er­ben der Fa­mi­lie Freund zu, um ge­mein­sam mit ih­nen ei­ne fai­re und ge­rech­te Lö­sung zu er­ar­bei­ten. Zu­gleich mach­te sie die Ob­jek­te zum Teil der Samm­lungs­prä­sen­ta­ti­on „Bil­der / Schick­sa­le“, in der die Er­geb­nis­se der Pro­ve­ni­enz­for­schung am Saar­land­mu­se­um vor­ge­stellt und ver­mit­telt wer­den. Dank des Ent­ge­gen­kom­mens der Fa­mi­lie Freund war es mög­lich, al­le Ar­bei­ten zu­rück­zu­kau­fen und so für die Samm­lung des Saar­land­mu­se­ums mit ih­rem be­deu­ten­den Sle­vogt-Schwer­punkt zu si­chern. Sie blei­ben da­mit auch wei­ter­hin für die Öf­fent­lich­keit und die For­schung zu­gäng­lich.

Bei dem Werk­kon­vo­lut han­delt es sich um ein Ge­mäl­de, vier Zeich­nun­gen und ein Aqua­rell:

  • Fran­cis­co d’An­dra­de (Kopf­stu­die), 1902, Öl auf Lein­wand
  • Der Ha­fen von Brin­di­si, 1914, Aqua­rell
  • Li-Hung-Tschang, 1900, Tu­sche­zeich­nung
  • Sche­he­rezade er­zählt ih­re Ge­schich­te dem Ka­li­fen, 1901, Fe­der­zeich­nung
  • Mun­gos, 1901, aqua­rel­lier­te Fe­der­zeich­nung
  • Kla­gen­de Frau­en (Kla­ge­wei­ber vor ei­nem Haus), um 1898–1903, Fe­der­zeich­nung

Vor kur­zem erst konn­te die Stif­tung Saar­län­di­scher Kul­tur­be­sitz be­kannt­ge­ben, dass das Saar­land­mu­se­um auf­grund hausin­ter­ner For­schun­gen in der La­ge war, die Her­kunft ei­nes Haupt­werks von Max Sle­vogt, des Ge­mäl­des „Ana­nas“ (1902), auf­zu­klä­ren und das Bild an die recht­mä­ßi­gen Ei­gen­tü­mer zu­rück­zu­ge­ben.

Pro­jekt­be­schrei­bung

Stif­tung Saar­län­di­scher Kul­tur­be­sitz

Max Slevogt, Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen, 1901, Federzeichnung Max Slevogt, Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen, 1901, Federzeichnung Max Slevogt, Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen, 1901, Federzeichnung Quelle:  Tom Gundelwein