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SLUB gibt NS-Raubgut an die Erbin von Hugo Simonstein und Gertrud Prager zurück

Datum 12.08.2020

Die Säch­si­sche Lan­des­bi­blio­thek – Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Dres­den (SLUB) hat ein Buch aus dem Ei­gen­tum von Hu­go Si­mon­stein an die Nach­fah­ren sei­ner Ehe­frau Ger­trud Pra­ger re­sti­tu­iert, wel­che als Jü­din vom Na­zi-Re­gime ver­folgt und er­mor­det wur­de. Das Buch, das ei­ne Wid­mung an Hu­go Si­mon­stein trägt, wur­de im Rah­men des vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekts „NS-Raub­gut in den Er­wer­bun­gen nach 1945“ iden­ti­fi­ziert.

Hu­go Si­mon­stein wur­de 1882 in Schnei­de­mühl (Pom­mern) ge­bo­ren. Si­mon­stein prak­ti­zier­te als Arzt in Ber­lin, wo er mit sei­ner Frau Ger­trud leb­te. Das Ehe­paar blieb kin­der­los, Si­mon­stein starb im Al­ter von nur 44 Jah­ren am 18. Au­gust 1926 in Ber­lin. Nach dem Tod Si­mon­steins leb­te sei­ne Frau wei­ter in Ber­lin und war seit 1935 in zwei­ter Ehe mit Paul Pra­ger ver­hei­ra­tet. Sie wur­de 1941 in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Litz­mann­stadt (Łódź), an­schlie­ßend 1942 wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Kulm­hof (Chełm­no) de­por­tiert und dort er­mor­det. Nach dem Tod ih­res ers­ten Man­nes ist es sehr wahr­schein­lich, dass Ger­trud Pra­ger die letz­te Ei­gen­tü­me­rin des Bu­ches war. Auf­grund des­sen ist es mit der Wid­mung an Hu­go Si­mon­stein als NS-Raub­gut zu be­wer­ten.

Die SLUB in­ven­ta­ri­sier­te das Buch 1994 in ih­rem Be­stand mit der An­ga­be der Zen­tral­stel­le für wis­sen­schaft­li­che Alt­be­stän­de (ZwA) als Lie­fe­ran­tin.

Ei­ne Re­cher­che in der Pro­ve­ni­enz­da­ten­bank Loo­ted Cul­tu­ral As­sets trug zur Iden­ti­fi­zie­rung des Arz­tes Hu­go Si­mon­stein als Vor­be­sit­zer des Bu­ches bei. In der Da­ten­bank führt die Zen­tral- und Lan­des­bi­blio­thek Ber­lin (ZLB) ein Buch an, in wel­chem sich ein Stem­pel Si­mon­steins so­wie die ty­pi­sche Blei­stift­si­gna­tur be­fin­den. Die ZLB re­sti­tu­ier­te das Buch der Pro­ve­ni­enz Hu­go Si­mon­stein/Ger­trud Pra­ger im Jahr 2019. Dank der Un­ter­stüt­zung durch die Pro­ve­ni­enz­for­scher:in­nen der ZLB gab die SLUB An­fang Ju­li 2020 das in ih­rem Be­stand iden­ti­fi­zier­te Buch an die Nach­fahrin Ger­trud Pra­gers zu­rück.

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