Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Archäologisches Museum Frankfurt findet NS-Raubgut und meldet es bei „Lost Art“

Datum 14.02.2020

Das Ar­chäo­lo­gi­sche Mu­se­um Frank­furt hat Ob­jek­te, bei de­nen ein Ver­dacht auf NS-Raub­gut nicht aus­ge­schlos­sen wer­den konn­te, in die vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank ein­ge­stellt.

Dem ging ein Pro­jekt zur Pro­ve­ni­enz­for­schung vor­aus, das das Zen­trum über zwei Jah­re ge­för­dert hat. Das For­schungs­pro­jekt um­fass­te die sys­te­ma­ti­sche Re­cher­che zur Pro­ve­ni­enz von et­wa 3300 Ob­jek­ten, die als Neu­zu­gän­ge wäh­rend der NS-Herr­schaft zwi­schen 1933 und 1945 in das Mu­se­um ge­lang­ten. Bis auf we­ni­ge Aus­nah­men konn­ten sämt­li­che Ob­jekt­zu­gän­ge als un­be­denk­lich ein­ge­stuft wer­den.

Von zwölf Ob­jek­ten, die 1942 vom Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­um Frank­furt un­ter des­sen da­ma­li­gem Di­rek­tor Ern­stot­to Graf zu Solms-Lau­bach dem Frank­fur­ter Mu­se­um für hei­mi­sche Vor- und Früh­ge­schich­te über­tra­gen wur­den, konn­te die Her­kunft je­doch nicht mehr ge­klärt wer­den: Das Kon­vo­lut um­fasst sechs rö­mi­sche Bron­ze­ge­fäße, drei Ke­ra­mi­ken und ein Bron­ze­kett­chen. Ver­merkt wur­den sie in den Zu­gangs­bü­chern des Mu­se­ums als Ge­schenk, wes­halb we­der Hin­wei­se auf ei­nen Vor­be­sit­zer noch ei­ne mög­li­che Her­kunft der Ob­jek­te zu fin­den sind. Da­her sind sie als nicht zwei­fels­frei un­be­las­tet ein­ge­stuft wor­den. Wei­ter­hin wur­den zwei Gla­s­ob­jek­te eben­falls vom Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­um über­wie­sen. Sie stamm­ten aus der Samm­lung des jü­di­schen Ban­kiers Ju­li­us Hey­man, der die Ob­jek­te der Stadt un­ter der Be­din­gung ver­mach­te, dass die Samm­lung als Teil des His­to­ri­schen Mu­se­ums der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich und 100 Jah­re un­ver­än­dert blei­ben sol­le. Die Schen­kung wur­de 1925 von der Stadt an­ge­nom­men, 1938 wur­de die Auf­lö­sung be­reits der Samm­lung ein­ge­lei­tet. Die Ob­jek­te wur­den zum Teil auf die Frank­fur­ter Mu­se­en ver­teilt, zum Teil dem Kunst­han­del zum Ver­kauf über­ge­ben. Das Mu­se­um geht da­von aus, dass die Zu­stim­mung zur Auf­lö­sung un­ter Druck ge­ge­ben wur­de, in­so­fern ist der Zu­wachs eben­falls nicht als un­be­las­tet zu be­trach­ten.

Die Lost Art-Da­ten­bank dient der Er­fas­sung von Kul­tur­gü­tern, die in­fol­ge der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ge­walt­herr­schaft und der Er­eig­nis­se des Zwei­ten Welt­kriegs ver­bracht, ver­la­gert oder – ins­be­son­de­re jü­di­schen Ei­gen­tü­mern – ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den.

Zur Fund­mel­dung des Ar­chäo­lo­gi­schen Mu­se­ums Frank­furt

Pro­jekt­be­schrei­bung

Web­si­te des Ar­chäo­lo­gi­schen Mu­se­ums Frank­furt