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Neue Ausgabe des Periodikums »Provenienz & Forschung« veröffentlicht

Datum 17.01.2020

Die Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz von 1998 und die auf ihr ver­ab­schie­de­ten »Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en« be­grün­de­ten die Pro­ve­ni­enz­for­schung zum NS-Kul­tur­gu­traub in Deutsch­land. Zum Jah­res­tag die­ses Er­eig­nis­ses rich­te­te das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te die in­ter­na­tio­na­le Kon­fe­renz »20 Jah­re Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en: We­ge in die Zu­kunft« im No­vem­ber 2018 in Ber­lin aus. Die­ses Heft do­ku­men­tiert Hö­he­punk­te des Pro­gramms: Ne­ben ei­ner Bi­lanz der ver­gan­ge­nen 20 Jah­re aus un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven wer­den ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen und zu­künf­ti­ge Auf­ga­ben eben­so dar­ge­stellt wie die Er­geb­nis­se pra­xis­ori­en­tier­ter Work­shops. Das Heft wird im Früh­jahr 2020 auch auf Eng­lisch als on­line-Pu­bli­ka­ti­on er­schei­nen.

Zum Ge­leit

Man kann rück­bli­ckend mit vol­ler Be­rech­ti­gung die Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz von En­de 1998 und die auf ihr ver­ab­schie­de­te Er­klä­rung in Form der »Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en« als Ge­burts­ort und -stun­de der Pro­ve­ni­enz­for­schung im heu­ti­gen, mo­der­nen Sin­ne be­zeich­nen. Das jahr­zehn­te­lang prak­ti­zier­te Ver­drän­gen oder Igno­rie­ren des NS-Kul­tur­gu­trau­bes war da­nach nicht mehr mög­lich, selbst wenn es noch ein paar Jah­re dau­en soll­te, bis die­se Er­kennt­nis über­all an­ge­kom­men war.

En­de 2018 an die­ses epo­cha­le Er­eig­nis er­in­nern zu dür­fen, war für das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te glei­cher­ma­ßen ei­ne große Eh­re wie ei­ne große Her­aus­for­de­rung. In vie­len vor­be­rei­ten­den Ge­sprächs­run­den – zum Bei­spiel mit der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en, mit den Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern von der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz, der Kul­tur­stif­tung der Län­der so­wie der Kör­ber-Stif­tung, aber auch mit Ver­tre­tern der Je­wish Claims Con­fe­rence oder des Ar­beits­krei­ses Pro­ve­ni­enz­for­schung e. V. und an­de­ren Ak­teu­ren – kris­tal­li­sier­te sich deut­lich her­aus, dass es sich kei­nes­falls nur um ei­ne his­to­ri­sie­ren­de Rück­schau han­deln dür­fe. Es soll­te viel­mehr ein Fa­zit zum Stand der Um­set­zung ein­zel­ner For­de­run­gen der »Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en« ge­zo­gen, aber auch de­fi­niert wer­den, wo noch drin­gen­der Hand­lungs­be­darf be­steht. Dar­über hin­aus soll­te die Ber­li­ner Kon­fe­renz aber auch mu­tig in die Zu­kunft bli­cken und er­ör­tern, wie Pro­ve­ni­enz­for­schung in der Ver­mitt­lungs­ar­beit der Mu­se­en und an­de­rer Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen so­wie in der Ge­dächt­nis­kul­tur ganz all­ge­mein zu eta­blie­ren sei. Wie kön­nen, so sei zu fra­gen, Kul­tur­gü­ter zu­künf­tig ei­ne Zeu­gen­rol­le ein­neh­men, wenn es kaum noch Über­le­ben­de des Ho­lo­caust gibt?

Vor­trä­ge, Po­di­ums­dis­kus­sio­nen, Ge­sprä­che und Work­shops wech­sel­ten sich bei der drei­tä­gi­gen Ver­an­stal­tung im Haus der Kul­tu­ren der­Welt in Ber­lin ab. Die Viel­falt der For­ma­te und die Dich­te der Bei­trä­ge lie­ßen sich in ei­nem üb­li­chen Ta­gungs­band nicht ad­äquat wi­der­spie­geln.

Statt­des­sen wird nun die­se Aus­ga­be un­se­res Pe­ri­odi­kums ei­ni­ge weg­wei­sen­de Bei­trä­ge do­ku­men­tie­ren und auch wei­te­re Ein­drücke und Er­geb­nis­se, vor al­lem der Work­shops, wie­der­ge­ben. Da­ne­ben wird über die Ver­an­stal­tun­gen im Vor­feld der Kon­fe­renz be­rich­tet, zu de­nen jun­ge Men­schen aus ganz Eu­ro­pa zu­sam­men­ka­men.

In der Sum­me er­gibt sich so­mit, oh­ne An­spruch auf Voll­stän­dig­keit, ein gu­ter und le­ben­di­ger Ein­druck von die­ser in­ten­si­ven Ta­gung, von ih­ren we­sent­li­chen Er­kennt­nis­sen und nicht zu­letzt von den Im­pul­sen für die Fort­ent­wick­lung der Pro­ve­ni­enz­for­schung, für die Ver­bes­se­rung der
Pra­xis im Aus­han­deln »ge­rech­ter und fai­rer Lö­sun­gen« und für die zu­künf­ti­ge Bil­dungs- und Ver­mitt­lungs­ar­beit.

Der Ein­druck, den die meis­ten der fast aus der gan­zen Welt an­ge­reis­ten Ta­gungs­teil­neh­me­rin­nen und -teil­neh­mer mit­ge­nom­men ha­ben dürf­ten, war wohl der, dass 2028 ei­ne wei­te­re »Wa­shing­ton-Nach­fol­ge­kon­fe­renz« statt­fin­den wird – ver­bun­den mit der großen Hoff­nung, dass dann vor al­lem über die Fort­schrit­te der letz­ten Jah­re und nur noch am Ran­de über mög­li­che Lücken be­rich­tet wer­den kann.

Aus­drück­lich ge­dankt sei al­len Re­fe­ren­tin­nen und Re­fe­ren­ten der Ber­li­ner Kon­fe­renz, die die Mü­he auf sich ge­nom­men ha­ben, The­men, The­sen und Per­spek­ti­ven nun in ei­ne druck­fä­hi­ge Form zu brin­gen, so­wie al­len Work­shop-Mo­de­ra­to­rin­nen und -mo­de­ra­to­ren, die ih­re Er­geb­nis­se zu­sam­men­ge­fasst ha­ben. Al­len Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern sei noch­mals für die gu­te Zu­sam­men­ar­beit ge­dankt, dem Haus der Kul­tu­ren der Welt für die Gast­freund­schaft und nicht zu­letzt der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en für die groß­zü­gi­ge Un­ter­stüt­zung. Schließ­lich gilt der Dank al­len Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te, die die­se Ta­gung mit größ­tem En­ga­ge­ment kon­zi­piert und or­ga­ni­siert ha­ben.

Prof. Dr. Gil­bert Lup­fer

Die neue Aus­ga­be des Pe­ri­odi­kums kön­nen Sie kos­ten­pflich­tig beim Sand­stein Ver­lag be­stel­len.

Ausgabe 2|2019 des Periodikums Ausgabe 2|2019 des Periodikums "Provenienz&Forschung" Der Vortrag des Künstlers und Autors Edmund de Waal über den Umgang mit Restitutionen an seine Familie, die Euphrussis aus Wien, veranlasste das Publikum der Konferenz "20 Jahre Washintoner Prinzipien: Wege in die Zukunft" zu stehenden Ovationen und war ein emotionaler Höhepunkt der Veranstaltung. Quelle:  Deutsches Zentrum Kulturgutverluste