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Erbensuche erfolgreich: Bayerisches Nationalmuseum restituiert NS-Raubgut

Datum 14.01.2020

Das Baye­ri­sche Na­tio­nal­mu­se­um hat sechs Sil­ber­stücke, bei de­nen es sich um NS-Raub­gut han­delt, an die recht­mä­ßi­gen Er­ben der frü­he­ren Ei­gen­tü­mer zu­rück­ge­ge­ben. Die Ge­gen­stän­de stam­men ur­sprüng­lich aus dem Be­sitz von An­na und Karl Neu­mey­er so­wie Di­na und Leo Marx. Mit­hil­fe ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekts konn­ten de­ren Er­ben er­mit­telt wer­den, die die Ob­jek­te nun zu­rück­er­hal­ten. Es han­delt sich um das ers­te Pro­jekt zur Er­ben­su­che, das das Zen­trum ge­för­dert hat.

Der jü­di­sche Rechts­wis­sen­schaft­li­cher Karl Neu­mey­er war Lehr­stuhl­in­ha­ber an der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen, sei­ne Frau An­na Vor­kämp­fe­rin für Frau­en­rech­te. Un­ter dem ste­tig wach­sen­den Ver­fol­gungs­druck durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten nah­men sie sich am 17. Ju­li 1941 in ih­rem Haus am Westrand des Eng­li­schen Gar­tens in Mün­chen, nur we­ni­ge hun­dert Me­ter vom Na­tio­nal­mu­se­um ent­fernt, das Le­ben.

Der jü­di­sche Kauf­mann und Mu­si­ker Leo Marx war von 1933 bis 1935 in Dach­au und 1938/39 in Ora­ni­en­burg in­haf­tiert, ihm ge­lang 1939 die Emi­gra­ti­on nach Shang­hai. Sei­ne Frau Di­na und die bei­den Kin­der wur­den 1941 in Kau­n­as er­mor­det.

Die sechs Stücke - kon­kret han­delt es sich bei den Ge­gen­stän­den um ei­nen Po­kal, ein Ge­würz­ge­fäß, drei Ker­zen­leuch­ter und ei­nen Kelch – muss­ten bei­de Fa­mi­li­en im Zu­ge der Zwangs­ab­ga­be von Sil­ber­ob­jek­ten nach der im Fe­bru­ar 1939 reichs­weit er­las­se­nen Drit­ten An­ord­nung auf Grund der Ver­ord­nung über die An­mel­dung des Ver­mö­gens von Ju­den ab­ge­ben. Als jü­disch ein­ge­stuf­te deut­sche Staats­bür­ger wur­den da­mit ge­zwun­gen, al­le Edel­me­tall­ge­gen­stän­de, Edel­stei­ne und Per­len ge­gen ei­ne ge­rin­ge Ent­schä­di­gung ab­zu­lie­fern. Aus die­sen Be­stän­den er­warb das Baye­ri­sche Na­tio­nal­mu­se­um in den Jah­ren 1939 und 1940 vom Städ­ti­schen Leihamt Mün­chen über 300 Sil­ber­ge­gen­stän­de.

Bis 1969 gab das Mu­se­um 207 Sil­ber­ob­jek­te an die ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mer oder ih­re Er­ben zu­rück. 112 Ob­jek­te, für die die recht­mä­ßi­gen Er­ben bis­her nicht nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten bzw. kei­ne An­sprü­che gel­tend ge­macht wur­den, be­fin­den sich seit­dem in den Samm­lun­gen des Mu­se­ums. Im Rah­men des vom Zen­trum ge­för­der­ten For­schungs­pro­jekts ge­lang es, die Na­men der Per­so­nen zu er­mit­teln, die die­se Sil­ber­ob­jek­te 1939/40 beim Städ­ti­schen Leihamt ab­ge­ge­ben ha­ben.

Die Ge­gen­stän­de wur­den zur Re­sti­tu­ti­on aus der Prä­sen­ta­ti­on „Sil­ber für das Reich. Sil­ber­ob­jek­te aus jü­di­schem Ei­gen­tum im Baye­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­um“ ent­nom­men. In die­ser Stu­dio­aus­stel­lung sind noch bis zum 19. Ja­nu­ar 2020 al­le 112 im Baye­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­um ver­blie­be­nen Ob­jek­te der so ge­nann­ten „Sil­be­r­ab­ga­be“ mit den neu­en Re­cher­che-Er­geb­nis­sen zu se­hen.

Ob­jek­te, die sich als NS-Raub­gut er­wei­sen, mel­det das Baye­ri­sche Na­tio­nal­mu­se­um der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen, öf­fent­li­chen Da­ten­bank Lost Art. Auch die über 100 Ob­jek­te, die En­de der drei­ßi­ger Jah­re vom Städ­ti­schen Leihamt Mün­chen an­ge­kauft wur­den, sind hier ver­zeich­net.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen des Baye­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­ums

Silberobjekte des 17. bis 19. Jahrhunderts aus jüdischem Eigentum (›Leihhausaktion‹ 1939/40) Silberobjekte des 17. bis 19. Jahrhunderts aus jüdischem Eigentum (›Leihhausaktion‹ 1939/40) Silberobjekte des 17. bis 19. Jahrhunderts aus jüdischem Eigentum (›Leihhausaktion‹ 1939/40)