Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Museumsblätter informieren über Grundlagenforschungsprojekte zum Kulturgutentzug in SBZ und DDR

Datum 27.01.2020

Die Mu­se­ums­blät­ter, Pu­bli­ka­ti­ons­rei­he des Mu­se­ums­ver­ban­des des Lan­des Bran­den­burg e. V., in­for­mie­ren in ih­rer neues­ten Aus­ga­be (De­zem­ber 2019) über die Er­geb­nis­se drei­er Pro­jek­te, mit de­nen Ent­eig­nun­gen von Kul­tur­gü­tern in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und in der DDR in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te grund­le­gend er­forscht wor­den sind.

Alex­an­der Sach­se, Mu­se­ums­ver­band des Lan­des Bran­den­burg e. V., be­rich­tet über die For­schung, bei der in vier bran­den­bur­gi­schen Mu­se­en ein­zel­ne Be­stän­de hin­sicht­lich kri­ti­scher Pro­ve­ni­en­zen aus der Zeit zwi­schen 1945 und 1990 un­ter­sucht wur­den. Haupt­ziel war es, die We­ge zu be­schrei­ben, auf de­nen die be­tref­fen­den Ob­jek­te in die Mu­se­en ge­lang­ten oder aus ih­nen ent­fernt wur­den.

Jan Scheu­ne­mann, Kunst­mu­se­um Mo­ritz­burg Hal­le (Saa­le), be­rich­tet am Bei­spiel der Mo­ritz­burg über den Um­gang mit Kunst- und Kul­tur­gut, das in­fol­ge der so­ge­nann­ten Bo­den­re­form ent­eig­net wur­de. Am 3. Sep­tem­ber 1945 er­ließ die Lan­des­ver­wal­tung der Pro­vinz Sach­sen ei­ne Ver­ord­nung über die Bo­den­re­form. Die da­mit an­ge­streb­te „Li­qui­die­rung des feu­dal-jun­ker­li­chen Groß­grund­be­sit­zes“ soll­te die „Herr­schaft der Jun­ker und Groß­grund­be­sit­zer“ be­sei­ti­gen. In der Pro­vinz Sach­sen wur­den dar­auf­hin über 2.200 Gü­ter ent­eig­net. Die Be­sit­zer wa­ren meist ge­flo­hen oder aus­ge­wie­sen wor­den. Das in den Schlös­sen und Guts­häu­sern zu­rück­ge­las­se­ne In­ven­tar – Kunst­wer­ke wie Ge­mäl­de und Skulp­tu­ren, aber auch Mö­bel, Waf­fen, Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ve – galt nun als „her­ren­los“. Um es vor Zweck­ent­frem­dung, Zer­stö­rung und Dieb­stahl zu schüt­zen, wur­de es zu­nächst un­ter den be­son­de­ren Schutz der Pro­vinz ge­stellt, in Sam­mel­de­pots ein­ge­la­gert und dort ma­ga­zi­niert. Das Haupt­de­pot für die­se „Kul­tur­gut­si­cher­stel­lung“ in der Pro­vinz Sach­sen/Land Sach­sen-An­halt be­fand sich in der Mo­ritz­burg in Hal­le (Saa­le), die Schlös­ser in Wer­ni­ge­ro­de und Beich­lin­gen dien­ten als des­sen Au­ßen­stel­len.

Tho­mas Wi­de­ra vom Han­nah-Arendt-In­sti­tut für To­ta­li­ta­ris­mus­for­schung e.V. (HAIT) an der TU Dres­den be­han­delt in sei­nem Bei­trag die so­ge­nann­te „Ak­ti­on Licht“. Bei die­ser ge­hei­men Ak­ti­on des Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit der DDR (MfS) wur­den im Ja­nu­ar 1962 seit 1945 noch ver­schlos­se­ne Tre­so­re, De­pots, Ge­wöl­be und Kel­ler nicht­pri­va­ter Lie­gen­schaf­ten (z.B. Ban­ken) ge­öff­net und ge­leert. Der In­halt (z. B. Schmuck, Mün­zen, Wert­pa­pie­re, Brief­mar­ken, Kunst­wer­ke al­ler Art, No­ten, Au­to­gra­phen, Do­ku­men­te) wur­de an­schlie­ßend auf un­ter­schied­lichs­te Art ver­wer­tet.

Über die­se drei Pro­jek­te hin­aus kün­digt Tors­ten Fried in sei­nem Bei­trag ein wei­te­res Pro­jekt, ge­för­dert vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te, an: Die Staat­li­chen Schlös­ser, Gär­ten und Kunst­samm­lun­gen Meck­len­burg-Vor­pom­mern pla­nen ei­ne Stu­die mit dem Ti­tel „Die Rol­le und Funk­ti­on des Staat­li­chen Mu­se­ums Schwe­rin zwi­schen 1945 und 1990 beim Um­gang mit ent­zo­ge­nen Kul­tur­gü­tern auf dem Ge­biet des ehe­ma­li­gen DDR-Be­zirks Schwe­rin“.

Seit 2017 ist das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te bis­her sie­ben Ko­ope­ra­tio­nen ein­ge­gan­gen, de­ren Ziel es ist, Pro­jek­te im Be­reich „Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ und DDR“ zu för­dern. Sie sol­len Struk­tu­ren or­ga­ni­sier­ter Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen nach 1945 her­aus­ar­bei­ten, die Ar­chivsi­tua­ti­on er­mit­teln hel­fen, die wich­tigs­ten Ak­ten­be­stän­de er­schlie­ßen und ei­ne Ba­sis zur Ein­ord­nung spä­te­rer Ein­zel­fall­for­schun­gen schaf­fen

Mu­se­ums­blät­ter

For­schungs­be­reich "Kul­tur­gut­ent­zie­hun­gen in SBZ und DDR"