Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Erstmals Provenienzforschung in zwei privat getragenen jüdischen Museen

Datum 11.06.2020

Das Jü­di­sche Mu­se­um West­fa­len in Dors­ten (Nord­rhein-West­fa­len) und das Mu­se­um Syn­ago­ge Gröb­zig (Sach­sen-An­halt) be­gin­nen mit der sys­te­ma­ti­schen Prü­fung ih­rer ei­ge­nen Samm­lun­gen auf NS-Raub­gut. Dies wird durch ei­ne För­de­rung des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te mög­lich. Es ist das ers­te Mal, dass pri­vat ge­tra­ge­ne jü­di­sche Mu­se­en vom Zen­trum fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für ih­re Pro­ve­ni­enz­for­schung er­hal­ten.

Das Jü­di­sche Mu­se­um West­fa­len ent­stand 1992 als Neu­grün­dung. Trä­ger ist der „Ver­ein für jü­di­sche Ge­schich­te und Re­li­gi­on“. Bei der Grün­dung konn­te nicht auf ei­ne be­ste­hen­de Samm­lung zu­rück­ge­grif­fen wer­den: Die­se ent­stand viel­mehr größ­ten­teils durch An­kauf auf Ju­dai­ca-Auk­tio­nen und im An­ti­qui­tä­ten­han­del, zu ei­nem klei­ne­ren Teil durch Schen­kun­gen. Ei­nen Groß­teil des ak­tu­el­len Be­stands bil­den ri­tu­el­le Ge­gen­stän­de, die das Mu­se­um bzw. sei­ne Grün­der in den Jah­ren 1988 bis 1991 er­wor­ben hat­ten. Vie­le da­von be­fan­den sich ver­mut­lich einst im Ei­gen­tum jü­di­scher Fa­mi­li­en. Ein wei­te­rer Teil der Samm­lung um­fasst Do­ku­men­te, Brie­fe und Bü­cher, die viel­fach Her­kunfts- und Ei­gen­tü­me­r­ein­tra­gun­gen auf­wei­sen. Das Pro­jekt geht der Fra­ge nach, ob die Ob­jek­te durch NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zug in den Han­del ge­kom­men sind.

Im Rah­men ei­ner sys­te­ma­ti­schen Be­stand­s­prü­fung sol­len die Be­stän­de des in Trä­ger­schaft des Mu­se­ums­ver­eins ste­hen­den Mu­se­ums Syn­ago­ge Gröb­zig auf ih­re Pro­ve­ni­en­zen un­ter­sucht wer­den. Der 2017 ge­grün­de­te Mu­se­ums­ver­ein Gröb­zi­ger Syn­ago­ge e.V. ist Trä­ger des Mu­se­ums Syn­ago­ge Gröb­zig. Die Syn­ago­ge der jü­di­schen Ge­mein­de in Gröb­zig wur­de 1796 ein­ge­weiht. Der Syn­ago­gen­kom­plex muss­te 1934 von der jü­di­schen Ge­mein­de an die Stadt Gröb­zig über­ge­ben wer­den, die in den Räu­men ein Hei­mat­mu­se­um ein­rich­te­te. Es kam zu ver­schie­de­nen un­kla­ren Be­stands­ver­än­de­run­gen. In dem Pro­jekt wird die Her­kunft der ca. 250 in­ven­ta­ri­sier­ten Ob­jek­te, die in das Hei­mat­mu­se­um ge­kom­men sind, un­ter­sucht.

Jü­di­sches Mu­se­um West­fa­len

Mu­se­um Syn­ago­ge Gröb­zig