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Ungewöhnliches Objekt: Deutsches Schifffahrtsmuseum restituiert Viertakt-Motor

Datum 05.03.2020

Das Deut­sche Schiff­fahrts­mu­se­um (DSM)/Leib­niz-In­sti­tut für Ma­ri­ti­me Ge­schich­te in Bre­mer­ha­ven hat sich mit den Er­ben der Fa­mi­lie Forch­hei­mer auf ei­ne „ge­rech­te und fai­re Lö­sung“ ge­mäß den „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ ver­stän­digt: Ein Ein­zy­lin­der-Vier­takt-Mo­tor, bei dem es sich um NS-Raub­gut han­delt, wird an die Fa­mi­lie re­sti­tu­iert, bleibt aber als Dau­er­leih­ga­be im Mu­se­um.

Die­ser Ei­ni­gung war ein Pro­jekt vor­an­ge­gan­gen, in dem das DSM sei­ne Be­stän­de sys­te­ma­tisch auf wäh­rend der NS-Zeit un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut über­prüf­te. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat die­se Re­cher­che über drei Jah­re fi­nan­zi­ell un­ter­stützt.

Der Re­gens­bur­ger Walk- und Strick­fa­brik­be­sit­zer Na­than Forch­hei­mer hat den Mo­tor 1911 bei der Fir­ma MAN be­stellt. Die Fa­mi­lie Forch­hei­mer war un­ter dem Ver­fol­gungs­druck des NS-Re­gimes ge­zwun­gen, ih­re Fa­brik 1938 samt In­ven­tar an die Fir­ma Ra­th­ge­ber aus Mühl­hau­sen/Thü­rin­gen un­ter Wert zu ver­kau­fen. An­schlie­ßend emi­grier­te die Fa­mi­lie in die USA. Zei­tungs­be­rich­ten zu­fol­ge war der Mo­tor spä­ter auf ei­nem Guts­hof in Be­trieb und 1976 zur Über­ho­lung bei MAN. Im glei­chen Jahr ist er ins Schiff­fahrts­mu­se­um ge­langt.

Die Er­ben der Fa­mi­lie Forch­hei­mer, die mitt­ler­wei­le seit meh­re­ren Ge­ne­ra­tio­nen rund um Penn­syl­va­nia, Il­li­nois und Flo­ri­da ver­teilt le­ben, wur­den über ei­nen auf­wen­di­gen Pro­zess aus­fin­dig ge­macht. Sie wün­schen sich, dass der Mo­tor dem Mu­se­um er­hal­ten bleibt. Un­ter der Auf­la­ge, die­sen mit ei­nem Hin­weis zu sei­ner Ge­schich­te zu be­stücken, ha­ben sie ei­ner Dau­er­leih­ga­be an das DSM zu­ge­stimmt. Ei­ne Pla­ket­te mit ei­nem Ver­merk über die ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mer des Mo­tors und ei­ner Auf­ar­bei­tung sei­ner Ge­schich­te im Zu­ge der Ver­fol­gung und Emi­gra­ti­on der Fa­mi­lie wird künf­tig ne­ben dem Ob­jekt an­ge­bracht sein. Auch in der neu­en Dau­er­aus­stel­lung, die das DSM zur­zeit kon­zi­piert, soll der Mo­tor ei­nen fes­ten Platz fin­den. Das DSM hat ihn zu­dem der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen und öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Lost Art-Da­ten­bank ge­mel­det.

Die Pro­ve­ni­enz­for­schung am DSM er­gab dar­über hin­aus, dass das da­ma­li­ge Fir­men­ge­bäu­de der Fa­mi­lie Forch­hei­mer wei­ter­hin exis­tiert und es heu­te ein In­ter­nat be­her­bergt. Vor die­sem Hin­ter­grund plant der Schul­di­rek­tor mit sei­nen Schü­le­rin­nen und Schü­lern ein Ge­schichtspro­jekt zu in­iti­ie­ren, in dem sie die Bio­gra­fie des Hau­ses auf­ar­bei­ten.

Pro­jekt­be­schrei­bung

Mel­dung in der Lost Art-Da­ten­bank

Pres­se­mit­tei­lung des Deut­schen Schiff­fahrts­mu­se­ums

Einzylinder-Viertaktmotor Einzylinder-Viertaktmotor Der bald restituierte Motor, der dem DSM als Dauerleihgabe zur Verfügung stehen wird Quelle:  Deutsches Schifffahrtsmuseum