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Klassik Stiftung Weimar und Goethe-Gesellschaft restituieren 189 Bücher an Erben von Susanne Türck

Datum 18.05.2020

Die Klas­sik Stif­tung Wei­mar hat ge­mein­sam mit der Goe­the-Ge­sell­schaft 189 Bü­cher an die recht­mä­ßi­ge Er­bin von Su­san­ne Türck re­sti­tu­iert. Da die­se Bü­cher für die Wei­ma­rer Be­stän­de von großer Be­deu­tung sind, kauf­te die Klas­sik Stif­tung die Bü­cher im An­schluss an die Re­sti­tu­ti­on zu­rück.

Die pro­mo­vier­te An­glis­tin Su­san­ne Türck (1905–1976) war die Toch­ter des Wei­ma­rer Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­lers Dr. Her­mann Türck (1856–1933). Auf­grund der jü­di­schen Her­kunft ih­res Va­ters galt sie den herr­schen­den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten als sog. „Halb­jü­din“ und durf­te ab 1933 ih­ren Be­ruf als Leh­re­rin nicht mehr an öf­fent­li­chen Schu­len aus­üben. Im Ok­to­ber 1933 ent­zog sich Su­san­ne Türck der wei­te­ren Ver­fol­gung durch das NS-Re­gime und emi­grier­te nach Groß­bri­tan­ni­en. Kurz zu­vor hat­te sie die um­fang­rei­che Pri­vat­bi­blio­thek ih­res Va­ters mit Wer­ken zu Je­sus Chris­tus, Sha­ke­s­pea­res „Ham­let“ und ins­be­son­de­re Goe­thes „Faust“ in ein Wei­ma­rer An­ti­qua­ri­at ge­ge­ben. Mit ho­her Wahr­schein­lich­keit, so die Klas­sik Stif­tung, sah sie sich zu die­sem Ver­kauf ge­zwun­gen, um ih­re Emi­gra­ti­on zu fi­nan­zie­ren.

Im Be­stand der Her­zo­gin An­na Ama­lia Bi­blio­thek wur­den bis­her 189 Bän­de er­mit­telt, die ein­mal zur Bi­blio­thek Her­mann Türcks ge­hör­ten. Sie wa­ren ab 1933 für die Thü­rin­gi­sche Lan­des­bi­blio­thek, die größ­te Vor­gän­ger­ein­rich­tung der Her­zo­gin An­na Ama­lia Bi­blio­thek, so­wie für die Bi­blio­thek der Goe­the-Ge­sell­schaft an­ti­qua­risch an­ge­kauft wor­den. Die Er­wer­bungs­um­stän­de be­wer­te­te die Klas­sik Stif­tung als NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zug. Ge­mein­sam mit der Goe­the-Ge­sell­schaft, de­ren his­to­ri­sche Bi­blio­theks­be­stän­de heu­te in der Her­zo­gin An­na Ama­lia Bi­blio­thek auf­be­wahrt wer­den, be­schloss die Klas­sik Stif­tung, die Bü­cher an die Er­ben Su­san­ne Türcks zu re­sti­tu­ie­ren.

Die Er­ben­su­che ge­stal­te­te sich je­doch schwie­rig. Su­san­ne Türck war das ein­zi­ge Kind Her­mann Türcks, blieb un­ver­hei­ra­tet und hat­te kei­ne ei­ge­nen Kin­der. Erst im Jahr 2019 ge­lang es, ihr Tes­ta­ment in Groß­bri­tan­ni­en auf­zu­fin­den. Su­san­ne Türck hat­te ei­ne en­ge Freun­din als Er­bin ein­ge­setzt. Da die­se in­zwi­schen eben­falls ver­stor­ben war, wur­den die Bü­cher an de­ren Er­bin re­sti­tu­iert. Mit ihr schloss die Klas­sik Stif­tung im April 2020 ei­nen Ver­trag über den An­kauf der Bü­cher, so dass sich die­se nun­mehr recht­mä­ßig in der Her­zo­gin An­na Ama­lia Bi­blio­thek be­fin­den.

Die Klas­sik Stif­tung sucht seit 2010 sys­te­ma­tisch nach NS-Raub­gut und strebt ge­mein­sam mit den Ver­folg­ten oder de­ren Er­ben ge­rech­te und fai­re Lö­sun­gen an. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat die For­schungs­ar­bei­ten in meh­re­ren Pro­jek­ten un­ter­stützt.

Pres­se­mit­tei­lung der Klas­sik Stif­tung Wei­mar

Blog­bei­trag „Der Fall Dr. Su­san­ne Türck“