Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Universitätsbibliotheken Freiburg und Dresden restituieren NS-Raubgut

Datum 29.05.2020

Ge­mein­sam ha­ben die Säch­si­sche Lan­des­bi­blio­thek – Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek (SLUB) Dres­den und die Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek (UB) der Al­bert-Lud­wigs-Uni­ver­si­tät Frei­burg drei Bü­cher an die Er­ben des nie­der­län­di­schen Phi­lo­so­phen Leo Po­lak (1880 bis 1941) zu­rück­ge­ge­ben. Po­laks Nach­fah­ren schen­ken die Bü­cher – wie auch schon zu­vor re­sti­tu­ier­te Bän­de – der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Ams­ter­dam. Das Ex­em­plar der SLUB konn­te im Rah­men ei­nes von der Stif­tung Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten For­schungs­pro­jek­tes als NS-Raub­gut er­mit­telt wer­den.

Der jü­di­sche Phi­lo­soph, Hu­ma­nist und Frei­den­ker Po­lak war seit den 1920er Jah­ren Vor­sit­zen­der des Fa­mi­li­en-Un­ter­neh­mens Po­lak & Schwarz Es­senz Fa­bri­ken. Er lehr­te Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Gro­nin­gen, bis er im Mai 1940 im Zu­ge der deut­schen Be­sat­zung der Nie­der­lan­de Be­rufs­ver­bot er­hielt. Mit der Be­grün­dung, sich nicht an das Ver­bot ge­hal­ten zu ha­ben, wur­de Leo Po­lak im Fe­bru­ar 1941 ver­haf­tet und in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen de­por­tiert. Neues­te Er­kennt­nis­se der Uni­ver­si­tät Wup­per­tal zei­gen, dass Leo Po­lak am 9. De­zem­ber 1941 auf­grund schwers­ter kör­per­li­cher Miss­hand­lun­gen durch das KZ-Per­so­nal ums Le­ben kam. Bis­her ging man da­von aus, dass er an den Fol­gen ei­ner Ope­ra­ti­on und der wei­ter­hin zu leis­ten­den Zwangs­ar­beit ge­stor­ben sei. Nach sei­ner Ver­haf­tung muss­te die Fa­mi­lie Leo Po­laks aus ih­rem Haus in Gro­nin­gen zwangs­wei­se aus­zie­hen. Toch­ter Jet­te­ke wur­de im Ok­to­ber 1941 zu­erst nach Ra­vens­brück und spä­ter nach Ausch­witz de­por­tiert, wo sie am 11. No­vem­ber 1942 er­mor­det wur­de. Hen­riët­te An­to­i­net­te Schwarz-Po­lak und die Töch­ter Ans und Bet­ti­na über­leb­ten den Ho­lo­caust.

Leo Po­lak be­saß ei­ne sehr um­fang­rei­che Bi­blio­thek mit wert­vol­len und bi­blio­phi­len Aus­ga­ben, de­ren Bü­cher an ins­ge­samt vier sich äh­neln­den Ex­li­bris mit der Be­schrif­tung „Ex li­bris Leo Po­lak“ zu er­ken­nen sind. Ein Groß­teil der Pri­vat­bi­blio­thek wur­de nach Po­laks Ver­haf­tung und De­por­ta­ti­on 1941 in Ams­ter­dam von den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­sat­zern kon­fis­ziert. In der SLUB konn­te ein Buch aus dem Vor­be­sitz Leo Po­laks an­hand ei­nes sol­chen Ex­li­bris er­mit­telt wer­den. Es stammt aus dem Be­stand der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek (UB) Dres­den, ei­ner Vor­gän­ger­ein­rich­tung der SLUB. Da kei­ne In­for­ma­tio­nen zu Zu­gangs­jahr und Er­wer­bungs­art vor­lie­gen, kann nur ver­mu­tet wer­den, dass es nach der Ent­zie­hung 1941 in ein Bü­cher­sam­mel­la­ger ge­lang­te und nach 1945 über den An­ti­qua­ri­ats­han­del an die UB Dres­den kam. Im Be­stand der UB Frei­burg wur­den zwei Bü­cher mit dem Ex­li­bris Leo Po­laks iden­ti­fi­ziert. Sie gin­gen 2017 aus dem Ori­en­ta­li­schen Se­mi­nar der Uni­ver­si­tät Frei­burg in den Be­stand der UB Frei­burg ein. Ih­re Vor­ge­schich­te lässt sich bis­her eben­falls nicht re­kon­stru­ie­ren.

Pro­jekt­be­schrei­bung der SLUB Dres­den

Blog­bei­trag der SLUB Dres­den