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Wilhelm-Hack-Museum präsentiert Zwischenergebnisse der Provenienzforschung

Datum 12.11.2020

Das Wil­helm-Hack-Mu­se­um hat heu­te im Kul­turaus­schuss der Stadt Lud­wigs­ha­fen Zwi­schen­er­geb­nis­se sei­nes Pro­jek­tes „Pro­ven­ienz­re­cher­che zur Samm­lung Wil­helm Hack und zur städ­ti­schen Samm­lung“ vor­ge­stellt. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat das Pro­jekt über drei Jah­re ge­för­dert.

Nach den vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­sen gibt es bei 15 von 264 un­ter­such­ten Kunst­wer­ken aus dem Mu­se­um Ver­dachts­mo­men­te, die auf ei­nen ver­fol­gungs­be­ding­ten Ent­zug in der NS-Zeit hin­wei­sen. Die Ar­bei­ten stam­men in den meis­ten Fäl­len aus jü­di­schen Samm­lun­gen und Ga­le­ri­en, de­ren Be­sit­zer:in­nen ver­folgt wur­den. Das Wil­helm-Hack-Mu­se­um wird die­se Wer­ke in der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­nen, öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Da­ten­bank Lost Art ein­tra­gen las­sen.

Das For­schungs­pro­jekt kon­zen­trier­te sich auf Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren und Zeich­nun­gen, die vor 1945 ent­stan­den sind. Es ging der Fra­ge nach, ob sich Wer­ke in der Samm­lung be­fin­den, die ih­ren Ei­gen­tü­mer:in­nen wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den und da­her zu re­sti­tu­ie­ren wä­ren. Die For­sche­rin­nen un­ter­such­ten so­wohl Wer­ke aus der Samm­lung von Wil­helm Hack als auch An­käu­fe der Stadt Lud­wigs­ha­fen.

Die Ge­samt­zahl der zu un­ter­su­chen­den Wer­ke be­trug 264. Da­von stamm­ten 118 Wer­ke aus der Samm­lung von Wil­helm Hack - 58 Wer­ke aus der Zeit des Mit­tel­al­ters und 60 Wer­ke der Mo­der­ne.

Wil­helm Hack hat­te in den 1930er Jah­ren be­gon­nen, ei­ne Samm­lung mit­tel­al­ter­li­cher Kunst auf­zu­bau­en, die er nach dem En­de des Zwei­ten Welt­kriegs um den Be­reich der Mo­der­ne er­wei­ter­te. Das For­schungs­pro­jekt konn­te un­ter an­de­rem Hacks zahl­rei­che Kon­tak­te zu Künst­lern und Kunst­händ­ler:in­nen in sei­ner Hei­mat­stadt Köln, aber auch in Pa­ris, of­fen­le­gen. Zu­dem zeig­te sich, dass der Samm­ler, an­ders als bis­her an­ge­nom­men, auch in den 1950er und 1960er Jah­ren wei­ter­hin Kunst­wer­ke des Mit­tel­al­ters er­warb.

Aus den Be­stän­den der städ­ti­schen Samm­lung wur­den 146 Wer­ke un­ter­sucht, dar­un­ter 93 Ge­mäl­de, 45 Gra­fi­ken und neun Skulp­tu­ren. Seit Mit­te der 1950er Jah­re hat­te die Stadt Lud­wigs­ha­fen be­gon­nen, ei­ne Samm­lung deut­scher Ex­pres­sio­nis­ten auf­zu­bau­en, die vor­nehm­lich auf dem deut­schen Kunst­markt er­wor­ben wur­den.

Von den 264 un­ter­such­ten Wer­ken konn­ten 249 als ein­deu­tig un­be­denk­lich ein­ge­stuft wer­den oder es konn­ten kei­ne kon­kre­ten Ver­dachts­mo­men­te ei­nes ver­fol­gungs­be­ding­ten Ver­mö­gens­ver­lus­tes fest­ge­stellt wer­den.

Be­reits im Jahr 2016 hat­ten sich die Wil­helm-Hack-Stif­tung, die Stadt Lud­wigs­ha­fen und die Er­bin der Kunst­samm­lung Hess nach um­fang­rei­chen Pro­ve­ni­enz­for­schun­gen hin­sicht­lich des Ge­mäl­des von Ernst Lud­wig Kirch­ner "Ur­teil des Pa­ris" in ei­nem mehr­jäh­ri­gen Ver­fah­ren auf ei­ne fai­re und ge­rech­te Lö­sung ge­ei­nigt, die den Ver­bleib des Wer­kes in Lud­wigs­ha­fen ge­si­chert hat­te.

Pro­jekt­be­schei­bung