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Deutsches Schifffahrtsmuseum beginnt neues Forschungsprojekt

Datum 03.10.2020

Das Deut­sche Schiff­fahrts­mu­se­um – Leib­niz-In­sti­tut für Ma­ri­ti­me Ge­schich­te Bre­mer­ha­ven hat mit ei­nem wei­te­ren Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekt be­gon­nen, das vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­dert wird.

Un­ter­su­chungs­ge­gen­stand des Pro­jekts „LIFT­Prov – Der Um­gang mit Über­sied­lungs­gut jü­di­scher Emi­gran­ten in Ham­burg nach 1939: Be­tei­lig­te, Netz­wer­ke und We­ge der ‚Ver­wer­tung‘“ sind ca. 3.000 bis 4.000 Frach­ten mit Über­sied­lungs­gut jü­di­scher Emi­grant:in­nen aus dem ge­sam­ten Ge­biet des Deut­schen Reichs, die für ei­nen Schiff­strans­port via Ham­burg ge­bucht wa­ren.

Für als Jü­din­nen und Ju­den auf­grund der NS-Ideo­lo­gie ver­folg­te Men­schen war ab 1933 die Emi­gra­ti­on aus dem Deut­schen Reich oft­mals der ein­zi­ge Weg, das ei­ge­ne Le­ben und das der Fa­mi­lie zu ret­ten. Vor­be­rei­tun­gen zu Aus­wan­de­run­gen wa­ren kost­spie­lig; ein Vi­sum in ein Auf­nah­me­land schwer zu be­kom­men. Ge­lang dies, wur­de ei­ne Spe­di­ti­on zur See­ver­schi­ckung der Ha­be be­auf­tragt. De­tail­lier­te Pack­lis­ten wa­ren da­bei der Ge­sta­po vor­zu­le­gen und ho­he Ab­ga­ben zu zah­len. Das Über­sied­lungs­gut – in Lifts und Kis­ten ver­staut – ver­ließ Deutsch­land mit Fracht­schif­fen meist über die Hä­fen Ham­burg und Bre­men.

Das Trans­port­gut wur­de von Spe­di­tio­nen in den Ha­fen ver­bracht und la­ger­te dort bis zur Ver­schif­fung. Mit Kriegs­be­ginn im Sep­tem­ber 1939 stell­te man die zi­vi­le Schiff­fahrt wei­test­ge­hend ein: be­reits aus­ge­lau­fe­ne Schif­fe wur­den zu­rück­be­or­dert, die La­dung – und da­mit auch die Lifts und Kis­ten mit dem Über­sied­lungs­gut – wur­de wie­der ge­löscht. Noch nicht ver­la­de­ne Frach­ten ver­blie­ben in den La­gern.

Ab Au­gust 1940 be­schlag­nahm­te die Ge­sta­po die Lifts, um de­ren In­halt zu „ver­wer­ten". Die Ge­gen­stän­de wur­den im Auf­trag der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on durch die Ge­richts­voll­zie­he­rei öf­fent­lich meist­bie­tend ver­stei­gert. Käu­fer:in­nen wa­ren nicht nur Pri­vat­per­so­nen, son­dern auch Händ­ler:in­nen, Mu­se­en und Bi­blio­the­ken.

Ziel des Pro­jekts ist es, den Weg des Um­zugs­gu­tes de­tail­liert nach­zu­zeich­nen, um ei­ne Grund­la­ge für die Auf­fin­dung und Re­sti­tu­ti­on der ver­schol­le­nen Ge­gen­stän­de und Kunst­wer­ke zu er­mög­li­chen. Die er­mit­tel­ten In­for­ma­tio­nen wer­den in ei­ner Da­ten­bank ge­bün­delt, ver­knüpft und ab­ruf­bar ge­macht.
Bei die­sem Pro­jekt han­delt es sich um den zwei­ten Ab­schnitt der For­schungs­ar­bei­ten: Be­reits zu­vor ha­ben zum Ha­fen in Bre­men For­schun­gen zum ent­eig­ne­ten und ver­stei­ger­ten Über­sied­lungs­gut jü­di­scher Emi­grant:in­nen durch das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Re­gime nach 1939 be­gon­nen.