Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht Judaica-Bestand

Datum 07.10.2020

In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bi­schöf­li­chen Se­mi­nar St. Wil­li­bald hat die Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Eich­stätt-In­gol­stadt mit ei­nem vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekt zur Pro­ve­ni­enz­for­schung be­gon­nen. Die Bi­blio­thek ist ei­ne Ein­rich­tung der Ka­tho­li­schen Uni­ver­si­tät Eich­stätt-In­gol­stadt.

Un­ter­su­chungs­ge­gen­stand ist ein Ju­dai­ca-Be­stand aus Sulz­bürg bei Neu­markt in der Ober­pfalz, der in der Bi­blio­thek seit 35 Jah­ren ver­wahrt wird.

Die jahr­hun­der­te­lang in Sulz­bürg be­ste­hen­de jü­di­sche Ge­mein­de wur­de durch die De­por­ta­ti­on der letz­ten jü­di­schen Ein­woh­ner im Jahr 1942 aus­ge­löscht. Es be­steht der Ver­dacht, dass zu­min­dest ein Teil des in der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek ver­wal­te­ten Be­stan­des aus der 1938 ge­schän­de­ten und 1942 an ei­ne Sulz­bür­ger Ge­schäfts­frau ver­kauf­ten Syn­ago­ge stammt. Zu­sam­men­ge­tra­gen wur­de er of­fen­bar von Pfar­rer Hein­rich Meiß­ner, der ab Som­mer 1944 vier Jahr­zehn­te lang als ka­tho­li­scher Orts­geist­li­cher in Sulz­bürg tä­tig war und die Bü­cher an den spä­te­ren Lei­ter des Eich­stät­ter Pries­ter­se­mi­nars übergab. 1985 ge­lang­te der Be­stand von dort dann in die ehe­ma­li­ge Staats- und Se­mi­nar­bi­blio­thek, die heu­te von der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Eich­stätt-In­gol­stadt ver­wal­tet wird.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­stützt die­ses Pro­jekt nicht zu­letzt aus dem Grund, dass bis­lang nur we­ni­ge Mu­se­en, Bi­blio­the­ken oder wei­te­re Ein­rich­tun­gen in kirch­li­cher Trä­ger­schaft ih­re Be­stän­de auf das Vor­han­den­sein von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ge­prüft ha­ben.