Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Museumsstiftung Post und Telekommunikation übergibt Buch an Jüdisches Museum Frankfurt

Datum 19.04.2021

Die Mu­se­ums­s­tif­tung Post und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on (MSPT) hat im Rah­men ei­nes vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekts ein Buch aus dem vor­ma­li­gen Be­sitz des Frank­fur­ter Jus­tiz­rats Dr. Lud­wig Heil­brunn ent­deckt. Nach der Auf­ar­bei­tung sei­ner Ge­schich­te wur­de das Buch an das Jü­di­sche Mu­se­um Frank­furt über­ge­ben, das über ei­ne um­fang­rei­che Samm­lung zur Fa­mi­lie Heil­brunn ver­fügt. Am Diens­tag, 20. April, um 19 Uhr fin­det nun die of­fi­zi­el­le Über­ga­be­ver­an­stal­tung mit ei­nem Ge­spräch statt.

Seit 2015 be­treibt die Mu­se­ums­s­tif­tung Post und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on Pro­ve­ni­enz­for­schung in ih­ren Samm­lungs­be­stän­den. Von 2018 bis 2020 un­ter­such­te Pro­ve­ni­enz­for­scher Pe­ter Hirschmil­ler die Samm­lung auf NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut. Da­bei fiel ihm der „Hand­lungs-Ad­dreß-Ka­len­der von Frank­furt (Main) auf das Jahr 1807“ in die Hän­de. Die­ser um­fasst nicht nur die Adres­sen der di­ver­sen Frank­fur­ter Han­dels­fir­men, son­dern auch In­for­ma­tio­nen über Markt­zei­ten und jü­di­sche Fei­er­ta­ge, Post- und Ku­rier­rou­ten oder Por­to­prei­se. Ein kunst­vol­les Ex­li­bris auf der In­nen­sei­te des Buch­de­ckels wies das Buch als Be­sitz des jü­di­schen Frank­fur­ter Jus­tiz­rats Dr. Lud­wig Heil­brunn aus. Heil­brunn war auch als Po­li­ti­ker, Au­tor und Mä­zen tä­tig und spiel­te im Frank­fur­ter Ge­sell­schafts­le­ben ei­ne be­deu­ten­de Rol­le.

Nach dem No­vem­ber­po­grom im Jah­re 1938 war ihm mit knapp 70 Jah­ren die Flucht nach Groß­bri­tan­ni­en ge­glückt, wo er iso­liert und ver­armt leb­te. Der Grund­be­sitz der Fa­mi­lie wur­de 1938/39 zwangs­ver­äu­ßert, auch Tei­le der wert­vol­len Pri­vat­bi­blio­thek Lud­wig Heil­brunns gin­gen ver­lo­ren. „Ich selbst le­be als Bett­ler in Lon­don“, schrieb Heil­brunn 1945 an sei­nen Sohn Ru­dolf. 1949 kehr­te er nach Deutsch­land zu­rück, zog je­doch bis zu sei­nem Le­bens­en­de 1951 nicht mehr nach Frank­furt.

Beim Be­mü­hen um ei­ne Re­sti­tu­ti­on des Ka­len­ders und der Su­che nach mög­li­chen Er­ben stell­te sich her­aus, dass bei­de Söh­ne Heil­brunns, Ru­dolf und Ro­bert, im Jah­re 1939 emi­griert wa­ren. Wäh­rend sich Ro­bert in die USA ret­te­te und dort blieb, kehr­te Ru­dolf in den 1960er Jah­ren in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu­rück und leb­te bis zu sei­nem Tod 1998 in Kai­sers­lau­tern. Er blieb kin­der­los und ver­mach­te sein Fa­mi­li­en­ar­chiv und Tei­le sei­ner Bi­blio­thek dem Jü­di­schen Mu­se­um Frank­furt. Im März 2021 wur­de der Ka­len­der des­halb eben­falls an das Jü­di­sche Mu­se­um Frank­furt über­ge­ben.

An­läss­lich des 120. Ge­burts­tags von Ru­dolf M. Heil­brunn fin­det am Diens­tag, 20. April, 19 Uhr im Jü­di­schen Mu­se­um „Ein Abend für Ru­dolf Heil­brunn“ statt. Das öf­fent­li­che Ge­spräch mit Pro­ve­ni­enz­for­scher Pe­ter Hirschmil­ler, der Kus­to­din für Zeit­ge­schich­te des Jü­di­schen Mu­se­ums Hei­ke Drum­mer und Dr. Co­rin­na En­gel, Lei­te­rin der Öf­fent­lich­keits­ar­beit des Mu­se­ums für Kom­mu­ni­ka­ti­on Frank­furt, wird als Li­ve­stream über­tra­gen:

Fa­ce­book: htt­ps://www.fa­ce­book.com/jue­di­sches­mu­se­umffm
You­tu­be: htt­ps://www.you­tu­be.com/watch?v=eM­drqje89lk