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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste lädt zu Gesprächsreihe mit Nachfahr:innen jüdischer Kunstsammler:innen

Datum 16.09.2021

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te lädt im Rah­men des Fest­jahrs „#2021JLID - Jü­di­sches Le­ben in Deutsch­land“ zu ei­ner di­gi­ta­len Ge­sprächs­rei­he mit Nach­fahr:in­nen jü­di­scher Kunst­samm­ler:in­nen.

Jü­di­sche Kunst­samm­ler:in­nen ha­ben das kul­tu­rel­le Le­ben in Deutsch­land über Jahr­hun­der­te hin­weg mit­ge­prägt – in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wur­den sie ent­rech­tet und ver­folgt, ih­re Samm­lun­gen sind oft bis heu­te ver­schol­len. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te un­ter­stützt Nach­fahr:in­nen jü­di­scher Samm­ler:in­nen da­bei, ih­rem ver­lo­re­nen Er­be nach­zu­for­schen. Im Rah­men des Fest­jahrs „Jü­di­sches Le­ben in Deutsch­land“ be­rich­ten sie selbst von ih­rer Su­che: Adam Ganz, Ha­gar Lev und Do­di Rei­fen­berg spre­chen in ei­ner di­gi­ta­len Ge­sprächs­rei­he am 30. Au­gust so­wie am 13. und 27. Sep­tem­ber 2021 über die Re­kon­struk­ti­on ver­lo­re­ner Samm­lun­gen, er­zäh­len Fa­mi­li­en­ge­schich­ten und be­leuch­ten ihr ei­ge­nes Ver­hält­nis zu Deutsch­land im Jahr 2021.

30. Au­gust, 18 Uhr: Adam Ganz

Am 30. Au­gust, 18 Uhr, spricht Adam Ganz mit der Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin Na­t­ha­lie Neu­mann und der SWR-Jour­na­lis­tin Ma­rie-Chris­ti­ne Wer­ner über sei­nen Ur­groß­va­ter Fe­lix Ganz, des­sen Kunst­samm­lung er in Ko­ope­ra­ti­on mit dem In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te und Mu­sik­wis­sen­schaft der Jo­han­nes-Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz re­kon­stru­iert. Im Rah­men des vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekts wird die pri­va­te Kunst­samm­lung des Tep­pich­händ­lers aus Mainz er­forscht, der be­deu­ten­de Wer­ke aus dem by­zan­ti­ni­schen, is­la­mi­schen und ost­asia­ti­schen Kul­tur­kreis zu­sam­men­ge­tra­gen hat­te und im Stadt­le­ben von Mainz ei­ne wich­ti­ge, heu­te weit­hin ver­ges­se­ne Rol­le spiel­te. Fe­lix Ganz und sei­ne zwei­te Frau Er­na wur­den 1944 im Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz er­mor­det, von der Kunst­samm­lung fehlt je­de Spur.

Adam Ganz lebt in Lon­don und lehrt als Pro­fes­sor im De­part­ment of Me­dia Arts an der Roy­al Hol­lo­way Uni­ver­si­ty of Lon­don und As­so­cia­te Re­se­ar­cher am Ho­lo­caust Re­se­arch In­sti­tu­te. Er er­ar­bei­tet der­zeit mit dem Im­pe­ri­al War Mu­se­um ei­ne akus­tisch-me­dia­le, künst­le­ri­sche Um­set­zung der Er­in­ne­rung an den Ho­lo­caust und den Zwei­ten Welt­krieg.

Na­t­ha­lie Neu­mann ist deutsch-fran­zö­si­sche Kunst­his­to­ri­ke­rin und be­ar­bei­tet als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin der JGU Mainz das For­schungs­pro­jekt.

Hin­weis: Das Ge­spräch fin­det in deut­scher Spra­che statt.

13. Sep­tem­ber, 18 Uhr: Ha­gar Lev

Am 13. Sep­tem­ber, 18 Uhr, spürt Ha­gar Lev im Ge­spräch mit der Kunst­his­to­ri­ke­rin Emi­ly Bil­ski der Ge­schich­te ih­res Ur­groß­va­ters Karl Ad­ler nach. Der Münch­ner Fa­bri­kant sam­mel­te Wer­ke der zeit­ge­nös­si­schen Avant­gar­de. Er wur­de 1938 im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au er­mor­det, sei­ner Frau Emi­lie ge­lang die Flucht nach Pa­läs­ti­na zu ih­ren Kin­dern. Die min­des­tens 130 Kunst­wer­ke aus dem Be­sitz der Ad­lers sind seit­her ver­schol­len. In ei­nem Pro­jekt, das vom Zen­trum ge­för­dert wird, forscht Ha­gar Lev in Zu­sam­men­ar­beit mit der Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin Dr. Va­nes­sa Voigt dem Ver­bleib der Samm­lung stell­ver­tre­tend für die Nach­fahr:in­nen von Karl Ad­ler und sei­ner Frau Emi­lie nach.

Ha­gar Lev wuchs in Is­rael auf, ar­bei­tet in der IT-Bran­che und lebt heu­te in Leip­zig.

Emi­ly D. Bil­ski ist Kunst­his­to­ri­ke­rin und war un­ter an­de­rem für das Jü­di­sche Mu­se­um Mün­chen als Ku­ra­to­rin tä­tig („Die ‘Mo­der­ne Ga­le­rie‘ von Hein­rich Thann­hau­ser“, „Nichts als Kul­tur – Die Prings­heims“, „Die Kunst- und An­ti­qui­tä­ten­fir­ma Bern­hei­mer“).

Hin­weis: Die­ses Ge­spräch wird in eng­li­scher Spra­che ge­führt.

27. Sep­tem­ber, 18 Uhr: Do­di Rei­fen­berg

Am 27. Sep­tem­ber, 18 Uhr, führt "Ta­ges­s­pie­gel"-Kul­tur­re­dak­teu­rin Ni­co­la Kuhn ein Ge­spräch mit dem Künst­ler Do­di Rei­fen­berg und der Au­to­rin und Ju­ris­tin Ju­lia Al­brecht. Rei­fen­berg ist ein Nach­kom­me der wohl­ha­ben­den Ber­li­ner Fa­mi­lie Gins­berg, der die Schrift­stel­le­rin Ga­brie­le Ter­git in ih­rem großen Fa­mi­li­en­ro­man „Ef­fin­gers“ ein Denk­mal ge­setzt hat. In zwei vom Zen­trum ge­för­der­ten Pro­jek­ten er­for­schen Rei­fen­berg und Wis­sen­schaft­ler:in­nen der TU Ber­lin zwei Kunst­samm­lun­gen aus der jü­di­schen Ban­kiers- und Un­ter­neh­mer­fa­mi­lie. Ein Pro­jekt wid­met sich der Adolph-von-Men­zel-Samm­lung von Lud­wig Gins­berg, der da­mals wohl größ­ten Men­zel­samm­lung in Pri­vat­be­sitz. Gins­berg selbst starb 1939 ver­zwei­felt in Ber­lin, sei­ne Samm­lung ist heu­te zum größ­ten Teil ver­schol­len. In ei­nem zwei­ten Pro­jekt wird die wert­vol­le Ost­asia­ti­ca-Samm­lung von Her­bert Gins­berg re­kon­stru­iert, die 1942 in den Nie­der­lan­den von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­schlag­nahmt wor­den war. Her­bert Gins­berg und sei­ne Frau Ol­ga, geb. Lach­mann, über­leb­ten un­ter­ge­taucht in den Nie­der­lan­den, die rund 900 Stücke um­fas­sen­de Samm­lung ist zum größ­ten Teil ver­lo­ren. Auch ei­ne wei­te­re Samm­lung der Fa­mi­lie, die is­la­mi­sche Samm­lung von Max Gins­berg, ist ver­schol­len, auch ihr Ver­bleib soll künf­tig er­forscht wer­den. Aus der weit­ver­zweig­ten Fa­mi­lie Gins­berg konn­ten sich nur we­ni­ge Mit­glie­der vor der Ver­fol­gung durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ret­ten. 

Do­di Rei­fen­berg lebt als Künst­ler in Ber­lin.
Ju­lia Al­brecht be­treut das Re­cher­che­team als Pro­jekt­lei­te­rin und be­glei­tet die Ar­beit do­ku­men­ta­risch. 

Hin­weis: Das Ge­spräch fin­det in deut­scher Spra­che statt.

Fest­jahr: Im Jahr 2021 le­ben Jü­din­nen und Ju­den nach­weis­lich seit 1.700 Jah­ren auf dem Ge­biet des heu­ti­gen Deutsch­lands. Aus die­sem An­lass wird das Fest­jahr „#2021JLID – Jü­di­sches Le­ben in Deutsch­land“ mit bun­des­weit rund 1000 Ver­an­stal­tun­gen aus­ge­rich­tet und von der Bun­des­re­gie­rung un­ter­stützt. Ziel ist es, jü­di­sches Le­ben sicht­bar und er­leb­bar zu ma­chen und dem er­star­ken­den An­ti­se­mi­tis­mus et­was ent­ge­gen­zu­set­zen. Nä­he­re In­for­ma­tio­nen: htt­ps://2021jlid.de

Die Ver­an­stal­tun­gen fin­den als Vi­deo­kon­fe­renz statt. Die Teil­nah­me ist kos­ten­frei, je­doch nur nach An­mel­dung bis zum Vor­tag mög­lich. Die Teil­neh­mer:in­nen er­hal­ten am Tag der Ver­an­stal­tung die Zu­gangs­da­ten.

Zu den Ter­mi­nen er­hal­ten Sie je­weils se­pa­ra­te Ein­la­dun­gen. Wir bit­ten Sie herz­lich, uns mit­zu­tei­len, zu wel­chem Ge­spräch wir Sie je­weils be­grü­ßen dür­fen.

An­mel­dun­gen an:

Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te
Ste­fa­nie Ko­bow
Te­le­fon +49 (0) 391 727 763-23
veranstaltungen@kulturgutverluste.de

Da­ten­schutz:

Mit Ih­rer An­mel­dung und der Teil­nah­me er­tei­len Sie dem Ver­an­stal­ter die Er­laub­nis, wäh­rend der Ver­an­stal­tung Fo­to-, Film-, Ton- und Vi­deo­auf­nah­men zu ma­chen und die­se Auf­nah­men im Zu­sam­men­hang mit der Ver­an­stal­tung für die Öf­fent­lich­keits­ar­beit und die Do­ku­men­ta­ti­on, ana­log und di­gi­tal, zu ver­wen­den (nach § 22 Kunst­Ur­hG). Der Ver­an­stal­ter er­hebt, ver­ar­bei­tet und nutzt Ih­re per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten im Rah­men der Wahr­neh­mung der sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­be des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te.

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