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Jüdisches Museum Westfalen restituiert Gebetbuch an rechtmäßige Erbin

Datum 03.02.2021

Nach mehr als 80 Jah­ren hat Su­san­ne Woo­din (90) aus Groß­bri­tan­ni­en ein wert­vol­les Ge­bet­buch aus ih­rem Fa­mi­li­en­be­sitz wie­der­er­hal­ten: Das „Mach­sor al kol ha-Sha­nah“ ist ein Ge­bet­buch für das gan­ze Jahr und stammt aus dem Jahr 1851. Seit 1991 war es Teil der Samm­lung des Jü­di­schen Mu­se­ums West­fa­len. Im Rah­men ei­nes Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekts, das vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­dert wird, konn­te das Mu­se­um die recht­mä­ßi­ge Er­bin er­mit­teln und ihr das Ge­bet­buch ih­res Groß­va­ters Her­mann Schlo­me (1857-1942) zu­rück­er­stat­ten.

Her­mann Schlo­me war Holz­händ­ler und stamm­te aus ei­ner jü­disch-or­tho­do­xen Händ­ler­fa­mi­lie in Ja­no­witz in der ehe­ma­li­gen preu­ßi­schen Pro­vinz Po­sen (heu­te Ja­no­wiec/Po­len). Aus sei­ner Ehe mit Au­gus­te Frost (1862-1942) gin­gen die Söh­ne Paul, Ar­thur und Ju­li­us so­wie Toch­ter Cla­ra her­vor. Ver­mut­lich gleich nach dem Ers­ten Welt­krieg zo­gen die Kin­der nach Ber­lin. Um 1933 zo­gen auch Her­mann und sei­ne Frau nach Ber­lin. Ein be­son­ders in­ni­ges Ver­hält­nis ver­band Her­mann mit sei­ner En­ke­lin Su­san­ne Schlo­me (ge­bo­ren 1930), der Toch­ter sei­nes äl­tes­ten Soh­nes Paul.

Am 1. Sep­tem­ber 1942 wur­den Her­mann und Au­gus­te Schlo­me mit dem „54. Al­terstrans­port“ nach The­re­si­en­stadt de­por­tiert. Her­mann Schlo­me starb am 16. Sep­tem­ber 1942 in The­re­si­en­stadt, sei­ne Frau Au­gus­te wur­de An­fang Ok­to­ber 1942 in Treb­lin­ka er­mor­det. Vie­le wei­te­re Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge ver­lo­ren durch die Shoah ihr Le­ben. Su­san­nes Va­ter Paul starb am 22. Ok­to­ber 1942 in Ri­ga.

Her­manns En­ke­lin Su­san­ne ent­kam der Ver­fol­gung am 4. Ju­li 1939 durch ei­nen Kin­der­trans­port nach Groß­bri­tan­ni­en und wur­de vom Ehe­paar Hands­lip aus dem klei­nen Dorf Wer­ham auf­ge­nom­men, wo sie ihr Le­ben ver­brach­te. Bis 1942 blieb sie in Brief­kon­takt mit ih­rer Mut­ter in Ber­lin, da­nach wur­den ih­re El­tern nach Ri­ga de­por­tiert. Su­san­ne Woo­din sind nur we­ni­ge Er­in­ne­rungs­stücke an ih­re Fa­mi­lie ge­blie­ben.

Das Jü­di­sche Mu­se­um West­fa­len er­forscht im Rah­men des lang­fris­ti­gen Pro­jekts ei­ne Rei­he von Ju­dai­ca und Bü­chern aus der Samm­lung. Auf­grund der bis­he­ri­gen For­schun­gen konn­ten be­reits meh­re­re Er­bin­nen und Er­ben er­mit­telt wer­den und Re­sti­tu­tio­nen er­fol­gen.

 

Letzte Seite des Gebetbuchs mit Namenseintrag Letzte Seite des Gebetbuchs mit Namenseintrag Letzte Seite des Gebetbuchs mit Namenseintrag Quelle:  Jüdisches Museum Westfalen