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Klassik Stiftung Weimar restituiert Liszt-Manuskripte an Erben in Argentinien

Datum 17.02.2021

Die Klas­sik Stif­tung Wei­mar hat ei­nen wei­te­ren Fall von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ab­ge­schlos­sen: Zwei No­ten­ma­nu­skrip­te von Franz Liszt konn­ten re­sti­tu­iert wer­den, wie die Stif­tung mit­teil­te. Die Ma­nu­skrip­te ge­hör­ten bis 1937 Em­ma Fran­ken­ba­cher, ei­ner Bür­ge­rin jü­di­scher Her­kunft, de­ren Rechts­nach­fol­ger die Stif­tung in Ar­gen­ti­ni­en aus­fin­dig ma­chen konn­te.

Bei den No­ten­ma­nu­skrip­ten han­delt es sich zum ei­nen um ei­ne von Liszt um­fas­send über­ar­bei­te­te Par­ti­tu­r­ab­schrift sei­nes 1. Kla­vier­kon­zer­tes Es-Dur. Sie gilt als letzt­gül­ti­ge Kom­po­si­ti­ons­fas­sung und dien­te dem Erst­druck als Stich­vor­la­ge. Das zwei­te Ma­nu­skript, ei­ne Ab­schrift des „Fest­lie­des zu Schil­lers Ju­bel­fei­er“, ent­hält ei­ne ei­gen­hän­di­ge Wid­mung Liszts.

Em­ma Fran­ken­ba­cher, ge­bo­ren 1875, leb­te in Nürn­berg, als sie die No­ten­ma­nu­skrip­te En­de 1937 zum Kauf an­bot. Zu die­sem Zeit­punkt war die Ver­fol­gung der jü­di­schen Be­völ­ke­rung in Deutsch­land er­heb­lich ver­schärft wor­den, vie­le Ver­folg­te muss­ten ihr Hab und Gut ver­kau­fen. Das Goe­the-Na­tio­nal­mu­se­um, heu­te Teil der Klas­sik Stif­tung Wei­mar, er­warb die Ma­nu­skrip­te von Em­ma Fran­ken­ba­cher für ins­ge­samt 150 Reichs­mark. Erst wur­den sie im Liszt-Mu­se­um ver­wahrt, spä­ter in den Liszt-Be­stand des Goe­the- und Schil­ler-Ar­chivs über­führt. Em­ma Fran­ken­ba­cher wur­de 1942 nach The­re­si­en­stadt de­por­tiert, wo sie kurz dar­auf starb. Ih­rer Toch­ter und de­ren Ehe­mann war es zu­vor ge­lun­gen, sich nach Ar­gen­ti­ni­en zu ret­ten.

Im Rah­men ih­rer sys­te­ma­ti­schen Pro­ve­ni­enz­for­schung iden­ti­fi­zier­te die Klas­sik Stif­tung Wei­mar die bei­den No­ten­ma­nu­skrip­te als NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nes Kul­tur­gut. Die Er­ben­su­che stell­te je­doch ei­ne Her­aus­for­de­rung dar. Fran­ken­ba­chers Toch­ter Eli­sa­beth Zim­mer hat­te selbst kei­ne Kin­der. Erst durch auf­wän­di­ge Re­cher­chen konn­te Kon­takt zu den Er­ben in Ar­gen­ti­ni­en her­ge­stellt wer­den, Eli­sa­beths Cou­sin und des­sen Fa­mi­lie.

Im Ja­nu­ar 2021 un­ter­zeich­ne­te die Klas­sik Stif­tung Wei­mar mit den Er­ben ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Re­sti­tu­ti­on der Au­to­gra­phen. Auf­grund der Be­deu­tung der Wer­ke für die Stif­tung ver­ein­bar­ten bei­de Par­tei­en ei­nen Rück­kauf. So kön­nen die No­ten­hand­schrif­ten im Goe­the- und Schil­ler-Ar­chiv nun recht­mä­ßig be­wahrt wer­den. Den An­kauf er­mög­lich­ten Mit­tel der Thü­rin­ger Staats­kanz­lei so­wie die Un­ter­stüt­zung der Freun­des­ge­sell­schaft des Goe­the- und Schil­ler-Ar­chivs.

Seit 2010 über­prüft die Klas­sik Stif­tung ih­re Be­stän­de sys­te­ma­tisch auf NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ne Kul­tur­gü­ter.

Mehr In­for­ma­tio­nen bie­tet ein Blog-Bei­trag der Klas­sik Stif­tung Wei­mar.