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Institut für Klassische Archäologie der Uni Erlangen untersucht Objekte aus der Antikensammlung

Datum 28.05.2021

At­ti­sche Ke­ra­mik­frag­men­te und an­de­re an­ti­ke Ob­jek­te ste­hen im Mit­tel­punkt ei­nes Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekts, das am In­sti­tut für Klas­si­sche Ar­chäo­lo­gie der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Er­lan­gen-Nürn­berg be­gon­nen hat und vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­dert wird. Im Rah­men ei­nes an­de­ren For­schungs­pro­jekts war auf­ge­fal­len, dass vie­le der rot­fi­gu­ri­gen Ton­scher­ben aus der dor­ti­gen An­ti­ken­samm­lung im Jahr 1939 von ei­ner in der For­schung bis­lang un­be­kann­ten Münch­ner Pri­vat­samm­lung „Dehn“ an­ge­kauft wor­den wa­ren.

Ers­te Nach­for­schun­gen er­ga­ben, dass es sich nicht, wie bis­her ge­dacht, um den Ver­kauf aus dem Nach­lass ei­nes Samm­lers durch des­sen ver­meint­li­che „Wit­we“ Wil­trud Dehn han­del­te, son­dern dass die Ob­jek­te zu Leb­zei­ten des Samm­lers Ge­org Dehn ver­äu­ßert wur­den. Dehn wur­de im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als Ju­de ver­folgt, die Ob­jek­te wur­den im Na­men sei­ner „ari­schen“ Frau ver­kauft, be­vor die Fa­mi­lie ein hal­bes Jahr spä­ter nach Ecua­dor floh.

Es fin­den sich Be­le­ge, dass sich Ge­org Dehn (1887–1967) und der da­ma­li­ge Lei­ter der An­ti­ken­samm­lung und Pro­fes­sor für Klas­si­sche Ar­chäo­lo­gie Ge­org Lip­pold (1885–1954) aus ih­rer ge­mein­sa­men Zeit an der Uni­ver­si­tät Mün­chen vor dem Ers­ten Welt­krieg kann­ten. Do­ku­men­te im Ar­chiv der An­ti­ken­samm­lung be­le­gen, dass Lip­pold 1939 auch pri­vat Ob­jek­te aus der Samm­lung Dehn er­warb. We­nig spä­ter ver­kauf­te er sie dann der An­ti­ken­samm­lung wei­ter, die er selbst lei­te­te.

Die bis­her er­mit­tel­ten Um­stän­de las­sen dar­auf schlie­ßen, dass Ge­org Dehn sei­ne Samm­lung ver­kauf­te, weil er vor der Ver­fol­gung durch das NS-Re­gime flie­hen muss­te. Die Hin­ter­grün­de sind bis­lang we­der voll­stän­dig er­forscht noch do­ku­men­tiert, das Pro­ve­ni­enz­for­schungs­pro­jekt soll die­se Lücke schlie­ßen.

Er­geb­nis­se des For­schungs­pro­jekts stellt Dr. Ge­org Ger­l­eig­ner am 15. Ju­li 2021 im Rah­men ei­nes Vor­trags im Er­lan­ger Ar­chäo­lo­gi­schen Kol­lo­qui­um vor, mehr In­for­ma­tio­nen fin­den sich un­ter: http://www.klas­si­schear­chaeo­lo­gie.phil.fau.de/lau­fen­de_pro­jek­te/die-pri­vat­samm­lung-ge­org-dehn-und-die-an­ti­ken­samm­lung-er­lan­gen/

Inventarkarte aus der Antikensammlung Erlangen Inventarkarte aus der Antikensammlung Erlangen Eine Inventarkarte von Fragment I 732,256 (Ausschnitt) aus der Antikensammlung Erlangen Quelle:  Antikensammlung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg