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Hamburger SUB restituiert gemeinsam mit der ZB Recht NS-Raubgut an die Friedrich-Ebert-Stiftung

Datum 25.11.2021

Die Ham­bur­ger Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Carl von Os­sietz­ky hat am 17. No­vem­ber 2021 zu­sam­men mit der Zen­tral­bi­blio­thek Recht mehr als 100 Bü­cher, Brie­fe und Ma­te­ria­li­en zu Ot­to von Bis­marck an die Fried­rich-Ebert-Stif­tung e.V. re­sti­tu­iert. Die Bü­cher wur­den im Zu­ge der Re­cher­chen aus­fin­dig ge­macht, de­ren Grund­la­gen­for­schung vor ei­ni­gen Jah­ren von der Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg ge­för­dert wur­de. Bei der Über­ga­be der Samm­lung wur­de die Ge­schich­te der ur­sprüng­lich in Au­müh­le an­säs­si­gen „Bis­marck-Bü­che­rei Specht“ nach­ge­zeich­net. Sie war 1927 an den SPD-ei­ge­nen Au­er-Ver­lag ver­kauft wor­den  und ge­lang­te zur Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als Raub­gut in den Be­stand der Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek.

Im Zu­ge der Pro­ve­ni­enz­for­schung wa­ren vor ei­ni­ger Zeit im Be­stand der Ham­bur­ger Staats- und Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek (SUB) 125 Bü­cher zu Fürst Ot­to von Bis­marck, zwei Ko­pi­en von Bis­marck-Brie­fen und ein Lie­der­heft ge­fun­den wor­den. Al­le die­se Ma­te­ria­li­en stamm­ten aus dem Be­sitz des Au­er-Ver­lags, der der SPD ge­hör­te. Der Zu­sam­men­hang er­schloss sich nach und nach: Die „Bis­marck-Bü­che­rei Specht“, zu der die Brie­fe und Bü­cher ge­hör­ten, war ur­sprüng­lich als Samm­lung des Bis­marck-Ver­eh­rers Emil Specht aus dem Sach­sen­wald ent­stan­den. Auf sei­ne In­itia­ti­ve war En­de des 19. Jahr­hun­derts in Au­müh­le  der Bis­marck-Turm nach Plä­nen des Ham­bur­ger Ar­chi­tek­ten Her­mann Schom­burgk er­baut und dar­in ein Ort für Spechts Bis­marck-Bi­blio­thek ge­schaf­fen wor­den. Nach Spechts Tod er­warb die Ge­mein­de Au­müh­le zwar den Turm, die  Bü­che­rei wur­de 1927 aber teil­wei­se an den SPD-ei­ge­nen Au­er-Ver­lag ver­kauft.

Der Au­er-Ver­lag hat­te ei­ne ei­ge­ne Bi­blio­thek, gab Schrif­ten von Marx, En­gels, Be­bel und Lieb­knecht her­aus und pu­bli­zier­te das  in so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Krei­sen viel­ge­le­se­ne „Ham­bur­ger Echo“. Es lässt sich nur spe­ku­lie­ren, wa­rum ge­ra­de der Au­er-Ver­lag die Bis­marck-Bi­blio­thek kauf­te – war es aus In­ter­es­se am frü­he­ren Reichs­kanz­ler als Ver­ant­wort­li­chem für die So­zia­lis­ten­ge­set­ze der 1870er Jah­re? Im Zu­ge der NS-Ver­fol­gungs­maß­nah­men ge­gen die So­zi­al­de­mo­kra­tie wur­den  im Mai 1933 der Ver­lag und Tei­le sei­ner Bi­blio­thek kon­fis­ziert. Die oben­ge­nann­ten Bü­cher und Brie­fe wur­den in den Jah­ren 1937-1939 als „Ge­schenk“ der Ge­sta­po Ham­burg in den Be­stand der heu­ti­gen SUB Ham­burg ein­ge­ar­bei­tet. Sechs die­ser Bü­cher wur­den zwi­schen 1949 und 1954 in die Bi­blio­thek des In­sti­tuts für Aus­wär­ti­ge Po­li­tik über­nom­men. Nach 1973 war die Bi­blio­thek des In­sti­tuts für In­ter­na­tio­na­le An­ge­le­gen­hei­ten zu­stän­dig, die­se ist seit 2004 Teil der Zen­tral­bi­blio­thek Recht.

Die Re­cher­chen der Pro­ve­ni­enz­for­schen­den an der SUB führ­ten zum heu­ti­gen recht­mä­ßi­gen Ei­gen­tü­mer. Die Fried­rich-Ebert-Stif­tung nimmt in der Tra­di­ti­on des ehe­ma­li­gen SPD-Par­tei­ar­chivs die Re­sti­tu­ti­ons­an­sprü­che der Par­tei auf NS-Raub­gut wahr

Die Bü­cher der Bis­marck-Bü­che­rei Specht wer­den in der Bi­blio­thek der Fried­rich-Ebert-Stif­tung für die For­schung zur Ver­fü­gung ste­hen. Wie die Bon­ner Kol­le­gin am Ran­de der Über­ga­be be­merk­te, sol­len sie ih­ren Platz di­rekt ne­ben der Bi­blio­thek von Karl Marx fin­den.

Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek restituiert gemeinsam mit der Zentralbibliothek Recht NS-Raubgut an die Friedrich-Ebert-Stiftung Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek restituiert gemeinsam mit der Zentralbibliothek Recht NS-Raubgut an die Friedrich-Ebert-Stiftung Prof. Robert Zepf, der Direktor der SUB Hamburg, und Regine Schoch, die Vertreterin der Friedrich-Ebert-Stiftung, mit der Restitutionsvereinbarung Quelle:  Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Foto: Ann-Kristin Hohlfeld