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Eigentum an allen Berliner „Benin-Bronzen“ an Nigeria übertragen

Datum 29.08.2022

Her­mann Par­zin­ger, Prä­si­dent der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz (SPK), und Ab­ba Isa Ti­ja­ni, Ge­ne­ral­di­rek­tor der Na­tio­nal Com­mis­si­on for Mu­se­ums and Mo­nu­ments (NCMM), ha­ben ver­gan­ge­ne Wo­che den Ver­trag über die Ei­gen­tums­über­tra­gung der Be­nin-Ob­jek­te aus der Samm­lung des Eth­no­lo­gi­schen Mu­se­ums der Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin – Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz an Ni­ge­ria un­ter­zeich­net.

Da­bei han­delt es sich um 512 Wer­ke, die als Fol­ge der so­ge­nann­ten Bri­ti­schen Straf­ex­pe­di­ti­on von 1897 nach Ber­lin ge­lang­ten. Es ist die bis­lang größ­te Ei­gen­tums­rück­über­tra­gung von Samm­lungs­ob­jek­ten aus ko­lo­nia­lem Kon­text. Ers­te Ob­jek­te wer­den noch in die­sem Jahr nach Ni­ge­ria zu­rück­ge­führt wer­den. Rund ein Drit­tel der über­eig­ne­ten Ob­jek­te wird für zu­nächst zehn Jah­re als Leih­ga­be in Ber­lin blei­ben und im Hum­boldt Fo­rum aus­ge­stellt wer­den.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Clau­dia Roth sag­te: „Die­se Rück­ga­be hat Vor­bild­cha­rak­ter für al­le Mu­se­en in Deutsch­land, die Samm­lungs­gut aus ko­lo­nia­len Kon­tex­ten be­sit­zen. Es freut mich sehr, dass in den nächs­ten Mo­na­ten wei­te­re Rück­ga­be­ver­ein­ba­run­gen kom­men sol­len. All die­se Be­mü­hun­gen bil­den das Fun­da­ment für ei­ne wei­te­re und in­ten­si­ve­re kul­tu­rel­le Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ni­ge­ria und Deutsch­land.“

Nach der Er­obe­rung des Kö­nig­reichs Be­nin durch bri­ti­sche Trup­pen 1897 ge­lang­ten Be­nin-Bron­ze in Samm­lun­gen welt­weit. Oba Ovon­ram­wen, der letz­te un­ab­hän­gi­ge Kö­nig, wur­de ins Exil in die Stadt Ca­la­bar ge­schickt und der kö­nig­li­che Pa­last ge­plün­dert. Tau­sen­de Ob­jek­te wur­den als Kriegs­beu­te nach Lon­don ver­schifft und dort ver­äu­ßert. An­de­re ge­plün­der­te Ob­jek­te blie­ben noch ei­ne Zeit lang im ko­lo­nia­len Ni­ge­ria, ge­lang­ten dann aber eben­falls in eu­ro­päi­sche und nord­ame­ri­ka­ni­sche Mu­se­en. Auch das Ber­li­ner Mu­se­um pro­fi­tier­te vom ko­lo­nia­len Sys­tem und sei­nen durch Ge­walt er­mög­lich­ten „Er­wer­bun­gen“. Seit 2010 ist es Mit­glied der Be­nin Dia­logue Group, in der eu­ro­päi­sche Mu­se­en die Zu­kunft der Be­nin-Ob­jek­te in ih­ren Samm­lun­gen ge­mein­sam mit ni­ge­ria­ni­schen Part­nern er­ör­tern.

Die 2021 auf Re­gie­rungs­ebe­ne be­gon­ne­nen Ver­hand­lun­gen zwi­schen Deutsch­land und Ni­ge­ria wur­den im Ju­li die­ses Jah­res mit der Un­ter­zeich­nung ei­ner Ge­mein­sa­men Er­klä­rung, die den Rah­men für Rück­ga­ben aus al­len deut­schen Mu­se­en bie­tet, er­folg­reich ab­ge­schlos­sen.

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