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Stadtgeschichtliches Museum Leipzig veröffentlicht Publikation zum Status Quo seiner Provenienzforschung

Datum 09.09.2022

Mit der Pu­bli­ka­ti­on „Ver­ges­se­ne Rück(an)sich­ten“ stellt das Stadt­ge­schicht­li­che Mu­se­um Leip­zig die Er­geb­nis­se sei­ner Pro­ve­ni­enz­for­schung zu NS-Raub­kunst vor. In dem vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­der­ten Pro­jekt wid­me­te sich das Mu­se­um zwi­schen 2019 und 2022 den Er­wer­bun­gen von 1933 bis 1945 und prüf­te ins­ge­samt 323 Kunst­wer­ke auf mög­li­chen un­recht­mä­ßi­gen Er­werb. Die Pro­ve­ni­enz­for­schung zu wei­te­ren aus­ge­wähl­ten Be­stän­den die­ser Zeit wird ab De­zem­ber 2022 in ei­nem neu­en Vor­ha­ben fort­ge­führt.

Im Pro­jekt „Pro­ve­ni­enz­re­cher­chen“ im Samm­lungs­be­reich Kunst und Kunst­hand­werk des Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­ums Leip­zig für die Er­wer­bun­gen zwi­schen 1933 und 1945“ un­ter­such­te das Mu­se­um die Bio­gra­fi­en der Ein­lie­fern­den, so­wie die Netz­wer­ke des Leip­zi­ger Kunst­han­dels und die Be­zie­hun­gen zu den städ­ti­schen Äm­tern. Dar­über hin­aus sind die Er­wer­bun­gen je­ner Zeit, et­wa Schen­kun­gen, An­käu­fe im Rah­men von Auk­tio­nen, Über­wei­sun­gen oder Tausch­ge­schäf­te, sys­te­ma­tisch und proak­tiv ge­sich­tet wor­den, um NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ne Kul­tur­gü­ter zu iden­ti­fi­zie­ren. Bei sie­ben Ob­jek­ten wur­de fest­ge­stellt, dass ein­deu­tig ein NS-ver­fol­gungs­be­ding­ter Ent­zug vor­liegt. Al­le frag­wür­di­gen Pro­ve­ni­en­zen sind in der Mu­se­ums-Samm­lungs­da­ten­bank so­wie in der Lost Art-Da­ten­bank öf­fent­lich ein­seh­bar.

Die Pu­bli­ka­ti­on „Ver­ges­se­ne Rück(an)sich­ten“ stellt die Mu­se­ums­ge­schich­te vor und ein Über­blick der Aus­stel­lun­gen zwi­schen 1933 und 1940 ge­ge­ben. Ein Teil der Er­wer­bun­gen und aus­ge­wähl­te For­schungs­a­spek­te wer­den dar­ge­stellt. In wei­te­ren Bei­trä­gen geht es um die Sam­mel­lei­den­schaft von Pri­vat­per­so­nen, frü­he­re Aus­stel­lun­gen als wert­vol­le Quel­le der Pro­ve­ni­enz­for­schung und die Auf­klä­rung ei­ner be­denk­li­chen Pro­ve­ni­enz in der Mu­se­ums­bi­blio­thek. Ex­em­pla­risch wird zu­dem ei­ne be­reits er­folg­te Re­sti­tu­ti­on der Samm­lung von Karl Ru­dolf Brom­me, dar­un­ter Ab­zei­chen, Bü­cher, Spie­le und Ge­gen­stän­de der All­tags­kul­tur, aus dem Jahr 2006 vor­ge­stellt. Die sys­te­ma­ti­sche Pro­ve­ni­enz­for­schung und die Prü­fung von Er­wer­bun­gen, die in ei­nem Zu­sam­men­hang mit NS-Raub­gut ste­hen kön­nen, wer­den in ei­nem wei­te­ren For­schungs­pro­jekt ab De­zem­ber 2022 fort­ge­setzt, das er­neut vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ge­för­dert wer­den wird.

Ver­ges­se­ne Rück(an)sich­ten. Pro­ve­ni­enz­for­schung am Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­um Leip­zig, her­aus­ge­ge­ben von Li­na Fru­brich und An­selm Har­tin­ger im Auf­trag der Stadt Leip­zig ist im Stadt­ge­schicht­li­chen Mu­se­um er­hält­lich.