Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Gemeinsame Pressemitteilung von BKM, KMK und kommunalen Spitzenverbänden

Bund, Länder und Kommunen beschließen Gründung des „Deutschen Zentrums Kulturgutverluste“ - Erfolgreiches kulturpolitisches Spitzentreffen in Essen

Datum 10.10.2014

Die Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin des Bun­des, Mo­ni­ka Grüt­ters, die Kul­tur­mi­nis­te­rin­nen und -mi­nis­ter der Län­der und Ver­tre­ter der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de ha­ben bei ih­rem heu­ti­gen kul­tur­po­li­ti­schen Spit­zen­ge­spräch in Es­sen be­schlos­sen, ge­mein­sam ein „Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“ zu grün­den.

Das Zen­trum soll noch im lau­fen­den Jahr als ge­mein­sa­me Stif­tung bür­ger­li­chen Rechts in Mag­de­burg er­rich­tet wer­den. Stif­ter sind der Bund, die Län­der und die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de. Nach der Ver­ab­schie­dung des Vor­ha­bens im Bun­des­ka­bi­nett am 8. Ok­to­ber 2014 ist durch den Be­schluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz zu­sam­men mit den kom­mu­na­len Ver­tre­tern der ent­schei­den­de Schritt zur Grün­dung der Stif­tung auch auf Sei­ten der Län­der und Kom­mu­nen ge­tan.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters er­klär­te: „Die Grün­dung des ‚Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te‘ ein Jahr nach Be­kannt­wer­den des Falls Gur­litt ist ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf dem Weg der Auf­ar­bei­tung des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kunst­raubs in Deutsch­land. Es ist schlicht un­er­träg­lich, dass fast 70 Jah­re nach dem Sieg über den Na­zi­ter­ror im­mer noch Na­zi­raub­kunst in deut­schen Mu­se­en la­gert. Mit dem Zen­trum set­zen wir ein un­über­seh­ba­res Zei­chen, ein mo­ra­li­sches Si­gnal, das ge­ra­de auch auf je­ne Op­fer­bio­gra­fi­en ver­weist, die sich in der Ge­schich­te ge­raub­ter Kunst wi­der­spie­geln. Die­se darf man nicht ver­ges­sen, das über Ge­ne­ra­tio­nen rei­chen­de Leid nie re­la­ti­vie­ren. Al­lein die Tat­sa­che, dass sich Bund, Län­der und kom­mu­na­le Spit­zen­ver­bän­de in nur we­ni­gen Mo­na­ten auf die Grün­dung ei­ner sol­chen Ein­rich­tung mit höchst kom­ple­xer Auf­ga­ben­stel­lung ei­ni­gen konn­ten, zeugt von der Be­deu­tung, die Deutsch­land der Um­set­zung der ‚Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en‘ bei­misst. Sie ist zu­gleich Be­leg für ei­nen ge­leb­ten ‚ko­ope­ra­ti­ven Kul­tur­fö­de­ra­lis­mus‘. Mit dem ‚Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te‘ wird es uns ge­mein­sam ge­lin­gen, die Pro­ve­ni­enz­for­schung zu NS-Raub­kunst zu bün­deln, zu stär­ken und aus­zu­bau­en und die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen und mit al­len Ak­teu­ren er­heb­lich zu ver­bes­sern. Deutsch­land mo­der­ni­siert mit der Stif­tung die prak­ti­sche Raub­kunst­su­che in Mu­se­en, Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven nach­hal­tig.“

Die Prä­si­den­tin der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, Mi­nis­te­rin Syl­via Löhr­mann, un­ter­streicht, dass Bund, Län­der und kom­mu­na­le Spit­zen­ver­bän­de mit der heu­te be­schlos­se­nen Stif­tungs­grün­dung ein Zei­chen set­zen für den Stel­len­wert, den die po­li­tisch Ver­ant­wort­li­chen al­ler Ebe­nen der Be­wäl­ti­gung der Fol­gen des bei­spiel­lo­sen Kunst­rau­bes des NS-Un­rechts­re­gi­mes noch heu­te bei­mes­sen. „Mein Dank gilt al­len, die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hoch en­ga­giert und kon­zen­triert dar­an ge­ar­bei­tet ha­ben, die Stif­tung ,Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te‘ auf den Weg zu brin­gen. Die­ses Ge­mein­schaftspro­jekt fügt sich in ei­ne ak­ti­ve Part­ner­schaft zwi­schen Bund, Län­dern und kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den auf die­sem Ge­biet ein. Von der Zu­sam­men­ar­beit kön­nen al­le Sei­ten nur pro­fi­tie­ren. Po­li­tik und die von ihr ge­tra­ge­nen In­sti­tu­tio­nen ha­ben in der Ver­gan­gen­heit schon viel ge­leis­tet und wer­den ih­re An­stren­gun­gen auch wei­ter­hin fort­set­zen, bün­deln und aus­bau­en“, sag­te die Prä­si­den­tin der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und nord­rhein-west­fä­li­sche Schul­mi­nis­te­rin Syl­via Löhr­mann.

Das „Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“ wird na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner in Deutsch­land zu Fra­gen der Um­set­zung der „Grund­sät­ze der Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz in Be­zug auf Kunst­wer­ke, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­schlag­nahmt wur­den“ (Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en) und der „Ge­mein­sa­men Er­klä­rung“ der Bun­des­re­gie­rung, der Län­der und der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de zur Um­set­zung die­ser Prin­zi­pi­en sein. Es wird die Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg und die Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung un­ter ei­nem Dach ver­ei­nen, die un­ab­hän­gi­ge „Be­ra­ten­de Kom­mis­si­on“ un­ter Lei­tung der ehe­ma­li­gen Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Frau Prof. Jut­ta Lim­bach, so­wie wei­te­re zen­tra­le Ak­teu­re der Pro­ve­ni­enz­for­schung (zum Bei­spiel ge­mein­nüt­zi­ge Ver­ei­ni­gun­gen von Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin­nen und -for­schern oder die zeit­lich be­fris­te­te „Taskfor­ce Schwa­bin­ger Kunst­fund“) di­rekt un­ter­stüt­zen.

Das Zen­trum hat vor al­lem die Auf­ga­be, öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen bei der Su­che nach NS-Raub­kunst zu be­ra­ten und fi­nan­zi­ell zu un­ter­stüt­zen. Es soll zu­sätz­lich ein neu­es An­ge­bot für Pri­vat­samm­ler und Pri­vat­mu­se­en ent­wi­ckeln, die frei­wil­lig den „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ fol­gen. Die Stif­tung wird die Ver­net­zung der Pro­ve­ni­enz­for­schung vor­an­trei­ben, na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Ko­ope­ra­tio­nen in­iti­ie­ren und be­glei­ten so­wie mit uni­ver­si­tär­en und au­ßeru­ni­ver­si­tär­en For­schungs-ein­rich­tun­gen ko­ope­rie­ren. In Um­set­zung des Ko­ali­ti­ons­ver­tra­ges, in dem auch die Auf­ar­bei­tung von Kul­tur­gut­ver­lus­ten in der SBZ/DDR als Auf­ga­be der Pro­ve­ni­enz­for­schung be­son­ders her­vor­ge­ho­ben wird, ist ein dem­ent­spre­chen­des Tä­tig­keits­feld der Stif­tung vor­ge­se­hen. Die bis­lang bei der Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg an­ge­sie­del­ten Do­ku­men­ta­ti­ons- und Be­ra­tungs­auf­ga­ben zu kriegs­be­dingt ver­brach­ten Kul­tur­gü­tern wer­den fort­ge­führt. Die Stif­tungs­sat­zung schafft zu­dem die Vor­aus­set­zung, Bund und Län­der bei der Wei­ter­füh­rung des Pro­jekts „Web­si­te Kul­tur­gut­schutz Deutsch­land und Da­ten­bank na­tio­nal wert­vol­les Kul­tur­gut“ zu un­ter­stüt­zen.

Die Stif­tung soll mit ei­nem Mit­ar­bei­ter­stab von zu­nächst 20 Per­so­nen die Ar­beit auf­neh­men, dar­un­ter die bis­he­ri­gen Be­schäf­tig­ten der Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung und der Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg. Die stei­gen­de Mit­ar­bei­ter­zahl trägt dem Um­stand Rech­nung, dass das Zen­trum ne­ben den bis­he­ri­gen Tä­tig­kei­ten auch neue Auf­ga­ben er­fül­len muss, zum Bei­spiel neue För­der­an­ge­bo­te und ei­ne ak­ti­ve Öf­fent­lich­keits­ar­beit auf­bau­en wird.

Das „Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te“ er­hält ne­ben den Bei­trä­gen al­ler Stif­ter zum Stif­tungs­ka­pi­tal jähr­li­che Zu­wen­dun­gen von Bund und Län­dern. Die Stif­tung star­tet noch 2014 mit ei­ner För­de­rung von min­des­tens 4 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Haus­halt der Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin. Für den Be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung wird der Bund dann ab 2015 ins­ge­samt 6 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung stel­len. Die Län­der wer­den zu­sätz­lich zur Mit­fi­nan­zie­rung der de­zen­tra­len Pro­ve­ni­enz­for­schung ih­re bis­he­ri­gen En­ga­ge­ments für die Ko­or­di­nie­rungs­stel­le Mag­de­burg und die Ar­beits­stel­le für Pro­ve­ni­enz­for­schung in Hö­he von 608.000 Eu­ro pro Jahr auf das Zen­trum über­lei­ten.

Ge­gen­stand des kul­tur­po­li­ti­schen Spit­zen­ge­sprächs wa­ren au­ßer­dem Fra­gen zur an­ste­hen­den No­vel­lie­rung des Kul­tur­gut­schutz­ge­set­zes, zur so­ge­nann­ten Di­gi­ta­len Di­vi­den­de und ei­ne In­itia­ti­ve für ein Eu­ro­päi­sches Jahr des kul­tu­rel­len Er­bes. Staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters be­rich­te­te zu­dem über den ge­gen­wär­ti­gen Ver­hand­lungs­stand des ge­plan­ten Frei-han­dels­ab­kom­mens zwi­schen der EU und den USA (TTIP). Mit dem kul­tur­po­li­ti­schen Spit­zen­ge­spräch wird ein Ziel des Ko­ali­ti­ons­ver­trags um­ge­setzt. Bund und Län­der wir­ken bei der Pla­nung und Fi­nan­zie­rung in­ten­si­ver und sys­te­ma­ti­scher zu­sam­men (ko­ope­ra­ti­ver Kul­tur­fö­de­ra­lis­mus). Mit ei­nem ers­ten Tref­fen auf Ein­la­dung der Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en im März 2014 in Ber­lin wur­de ein re­gel­mä­ßi­ger Aus­tausch zwi­schen Bund, Län­dern und Kom­mu­nen eta­bliert, in den auch die Kul­tur­stif­tun­gen des Bun­des und der Län­der ein­be­zo­gen wer­den.

Pres­se­mit­tei­lung auf der Sei­te des Pres­se- und In­for­ma­ti­ons­am­tes der Bun­des­re­gie­rung