Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Erste fachöffentliche Konferenz des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste

Entziehungen von Kulturgütern in SBZ und DDR – Der Stand der Forschung und die Perspektiven

Datum 23.11.2016

„In Deutsch­land soll­te je­des Mu­se­um und je­de Bi­blio­thek lücken­los wis­sen, auf wel­chem Weg Be­stän­de in ihr Haus ge­kom­men sind“, for­dert Prof. Dr. Uwe M. Schnee­de, Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te. Er re­sü­miert: „Die Ta­gung hat ge­zeigt, dass es an der Zeit ist, die sys­te­ma­ti­sche Er­kun­dung der Me­cha­nis­men und Struk­tu­ren beim staat­li­chen Kunst­raub in der So­zia­lis­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und in der DDR mit Nach­druck zu be­gin­nen. Da­bei ist zu be­den­ken, dass es sich um ei­ne ge­samt­deut­sche Pro­ble­ma­tik han­delt. Denn die im Os­ten be­schlag­nahm­ten Kunst­ob­jek­te wur­den von der so­ge­nann­ten „Kom­mer­zi­el­len Ko­or­di­nie­rung“ des DDR-Staats­ap­pa­ra­tes zum aller­größ­ten Teil ge­gen De­vi­sen in den Wes­ten ver­kauft, wo sie sich noch heu­te be­fin­den.“

Mit die­sen Er­geb­nis­sen schloss am 21.11.2016 die ers­te fachöf­fent­li­che Kon­fe­renz zum The­men­feld, die ei­nen Über­blick über den ak­tu­el­len Stand der For­schung zu Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gü­tern in SBZ und DDR bot und neue For­schungs­per­spek­ti­ven er­öff­ne­te. Da­bei wur­de die Kom­ple­xi­tät des For­schungs­fel­des deut­lich. Um zu er­for­schen, wie In­sti­tu­tio­nen wie z.B. die Kunst und An­ti­qui­tä­ten GmbH (KuA) wirk­ten, soll­ten zu­nächst Un­ter­la­gen des Bun­de­sar­chivs aus­ge­wer­tet und Zeit­zeu­gen be­fragt wer­den. Auch die Rol­le der DDR Kom­mis­si­on für Kul­tur­gut­schutz gilt es bes­ser zu ver­ste­hen. Als ein ers­tes Pro­jekt könn­te die Er­for­schung ei­nes ex­em­pla­ri­schen Falls aus der Ak­ti­on „Licht“, in der der DDR Staats­ap­pa­rat 1962 die for­cier­te Öff­nung von seit meh­re­ren Jah­ren nicht ge­öff­ne­ten Tre­so­ren lan­des­weit sys­te­ma­tisch durch­führ­te, die­nen, um Wirk­me­cha­nis­men of­fen zu le­gen. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te er­war­tet, vor­aus­sicht­lich 2017 ers­te not­wen­di­ge For­schungs­mit­tel für die sys­te­ma­ti­sche Er­kun­dung die­ser auf­ge­zeig­ten Fra­ge­stel­lun­gen be­reit­stel­len zu kön­nen.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te ver­steht sich als na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler zen­tra­ler An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­eig­nun­gen in Deutsch­land im 20. Jahr­hun­dert, al­so auch in der SBZ und der DDR. Der bis­he­ri­ge Schwer­punkt der Ar­beit des Zen­trums, NS-Raub­gut, wird auch zu­künf­tig der haupt­säch­li­che Fo­kus blei­ben. Die Grund­la­ge­ner­kun­dun­gen zum The­men­kom­plex der Kon­fe­renz er­öff­net ein zu­sätz­li­ches Be­tä­ti­gungs­feld, wenn ent­spre­chen­de Zu­wen­dun­gen zur För­de­rung von Pro­jek­ten von po­li­ti­scher Sei­te er­fol­gen.