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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste startet Pilotprojekte zur Grundlagenforschung über Kulturgutverluste in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR

Datum 31.08.2017

Erst­ma­lig star­tet das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te am 1. Sep­tem­ber 2017 zwei Pro­jek­te, mit de­nen Ent­eig­nun­gen von Kul­tur­gü­tern in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne (SBZ) und in der DDR grund­le­gend er­forscht wer­den sol­len. Mit dem Han­nah-Arendt-In­sti­tut für To­ta­li­ta­ris­mus­for­schung e.V. (HAIT) an der TU Dres­den und dem Bun­des­be­auf­trag­ten für die Un­ter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR (BStU) konn­ten da­für zwei wich­ti­ge Part­ner ge­won­nen wer­den. Ba­sis für die Ar­beit des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in die­sem Be­reich bil­det ein Be­schluss des Stif­tungs­ra­tes. Aus den Er­kennt­nis­sen der Pi­lot­pro­jek­te wird das Zen­trum ein mit­tel- und län­ger­fris­ti­ges För­der­kon­zept zu For­schun­gen über Kul­tur­gü­ter ent­wi­ckeln, die im Zu­sam­men­hang mit Ver­fol­gungs- und Will­kür­maß­nah­men in der SBZ und in der DDR ent­zo­gen wor­den oder ab­han­den­ge­kom­men sind.

In Ko­ope­ra­ti­on mit dem HAIT ist ge­plant, die so­ge­nann­te „Ak­ti­on Licht“ wis­sen­schaft­lich auf­zu­ar­bei­ten. Bei die­ser ge­hei­men Ak­ti­on des Mi­nis­te­ri­ums für Staats­si­cher­heit der DDR (MfS) wur­den im Ja­nu­ar 1962 seit 1945 noch ver­schlos­se­ne Tre­so­re, De­pots, Ge­wöl­be und Kel­ler nicht­pri­va­ter Lie­gen­schaf­ten (z.B. Ban­ken) ge­öff­net und ge­leert. Der In­halt (z. B. Schmuck, Mün­zen, Wert­pa­pie­re, Brief­mar­ken, Kunst­wer­ke al­ler Art, No­ten, Au­to­gra­phen, Do­ku­men­te) wur­de auf un­ter­schied­lichs­te Art ver­wer­tet. In­for­ma­tio­nen über An­lass, Ab­lauf und Ak­teu­re, vor al­lem aber Art, Um­fang und Schick­sal der da­bei ge­fun­de­nen Kul­tur­gü­ter, die Ak­ten­la­ge und die Mög­lich­kei­ten, heu­te noch den Her­kunfts­ver­lauf von be­schlag­nahm­tem Kul­tur­gut zu er­mit­teln, sol­len zum En­de des Pro­jek­tes erst­mals für die For­schungs­ge­mein­schaft zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Das Pro­jekt mit dem HAIT ist zu­nächst auf zwei Jah­re be­fris­tet.

In ei­nem wei­te­ren Pro­jekt mit dem BStU wird ein Spe­zialin­ven­tar ent­ste­hen, das aus­ge­wähl­te Ak­ten­be­stän­de des MfS zur Ent­zie­hung von Kunst- und Kul­tur­gut in SBZ und in der DDR auf die Be­dürf­nis­se der Pro­ve­ni­enz­for­schung ab­ge­stimmt er­fasst. Die Er­geb­nis­se wer­den in ei­nem so­ge­nann­ten „Find­buch“ in ge­druck­ter und elek­tro­ni­scher Form als Re­cher­che­werk­zeug zur Ver­fü­gung ste­hen. Es soll ei­nen schnel­len Zu­griff auf Ak­ten­be­stän­de zum Um­gang des MfS mit Kul­tur­gü­tern (Ent­zug, La­ge­rung und Trans­fer) er­mög­li­chen. Ei­ne Be­son­der­heit die­ser Ko­ope­ra­ti­on ist die Nut­zung vor­han­de­ner Kom­pe­ten­zen: Die ar­chi­va­li­sche Er­schlie­ßung er­folgt durch Mit­ar­bei­ter des Sta­si-Un­ter­la­gen-Ar­chivs, die in­halt­lich-wis­sen­schaft­li­chen Vor­ga­ben wer­den durch Mit­ar­bei­ter des Zen­trums er­ar­bei­tet. Das Pro­jekt ist zu­nächst auf sechs Mo­na­te an­ge­legt.