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Kunstfund Gurlitt: Kulturstaatsministerin Grütters restituiert NS-Raubkunst-Gemälde

Datum 09.01.2019

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters hat heu­te in Ber­lin ge­mein­sam mit Mar­cel Brül­hart, Ver­tre­ter des Kan­tons Bern beim Kunst­mu­se­um der Stadt, das Ge­mäl­de „Por­trait de jeu­ne fem­me as­si­se“ (Por­trät ei­ner sit­zen­den jun­gen Frau) von Tho­mas Cou­ture an die Fa­mi­lie des ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mers Ge­or­ges Man­del über­ge­ben. Das Bild aus dem Nach­lass von Cor­ne­li­us Gur­litt war zu­letzt in der Aus­stel­lung „Be­stands­auf­nah­me Gur­litt“ im Ber­li­ner Gro­pi­us Bau zu se­hen, die ges­tern zu En­de ging.

„Mit der Rück­ga­be des Ge­mäl­des von Tho­mas Cou­ture an die Fa­mi­lie des frü­he­ren Ei­gen­tü­mers set­zen wir ei­nen be­we­gen­den Schluss­punkt un­ter die Aus­stel­lun­gen zum Kunst­fund Gur­litt“, er­klär­te Staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters. „Es ist der Fa­mi­lie Ge­or­ges Man­dels zu ver­dan­ken, dass die­ses Werk an al­len drei Aus­stel­lungs­stand­orten in Bonn, Bern und Ber­lin ge­zeigt wer­den konn­te. Da­durch war es mög­lich, das Schick­sal des jü­di­schen Po­li­ti­kers Ge­or­ges Man­del, der von den Na­zis ver­folgt und in­ter­niert wur­de, ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit be­kannt zu ma­chen. Auch die­ser Fall mahnt uns, nie nach­zu­las­sen in der rück­halt­lo­sen Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs, für den Deutsch­land Ver­ant­wor­tung trägt. “

Mar­cel Brül­hart sag­te: „Das Kunst­mu­se­um Bern hat­te sich nach reif­li­cher Über­le­gung für die An­nah­me der Erb­schaft Cor­ne­li­us Gur­litt ent­schie­den, um ei­nen Bei­trag für die Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs und zur Mil­de­rung ge­sche­he­nen Un­rechts zu leis­ten. Ent­spre­chend freu­en wir uns über je­de Rück­ga­be ei­nes Wer­kes an die be­rech­ti­gen Er­ben im Nach­gang zu den auf­wän­di­gen For­schungs­ar­bei­ten. Ent­schei­dend ist am En­de aber nicht die Men­ge der Re­sti­tu­tio­nen, son­dern das ehr­li­che und en­ga­gier­te Be­mü­hen um die Klä­rung der Her­kunft sämt­li­cher Wer­ke des Kunst­fun­des Gur­litt“.

Das Team des Pro­jekts „Pro­ven­ienz­re­cher­che Gur­litt“ beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te hat­te das Werk im Ok­to­ber 2017 als NS-Raub­kunst iden­ti­fi­ziert. Ein win­zi­ges, re­pa­rier­tes Loch in dem Ge­mäl­de, das für das Por­trät aus dem Be­sitz Man­dels do­ku­men­tiert ist, führ­te die Pro­ve­ni­enz­for­scher auf die Spur des frü­he­ren Ei­gen­tü­mers. Mo­ni­ka Grüt­ters: „Der Er­folg der For­sche­rin­nen und For­scher, das Ge­mäl­de an­hand ei­nes klei­nen De­tails als NS-Raub­kunst zu iden­ti­fi­zie­ren, un­ter­streicht ein­mal mehr die enor­me Be­deu­tung der Pro­ve­ni­enz­for­schung. Es ist und bleibt un­se­re Ver­pflich­tung, die Her­kunft al­ler Kul­tur­gü­ter zu un­ter­su­chen, die mög­li­cher­wei­se NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den. Ge­ra­de weil es so auf­wän­dig ist, die Pro­ve­ni­en­zen der Ob­jek­te zwei­fels­frei zu klä­ren, gilt um­so mehr: Je­des Werk, das zu­rück­ge­ge­ben wer­den kann, trägt zur An­er­ken­nung der da­hin­ter ste­hen­den Op­fer­bio­gra­phien bei und ist ein wich­ti­ger As­pekt der Er­in­ne­rungs­po­li­tik. “

An der Über­ga­be des Ge­mäl­des im Gro­pi­us Bau nahm auch der Ge­sand­te der fran­zö­si­schen Bot­schaft, Guil­lau­me Ol­lagnier, teil. Die fran­zö­si­sche Kom­mis­si­on für die Ent­schä­di­gung der Op­fer von Ent­eig­nun­gen auf­grund der an­ti­se­mi­ti­schen Ge­setz­ge­bung wäh­rend der Ok­ku­pa­ti­ons­zeit (CIVS) hat­te den Bund bei der Kon­takt­auf­nah­me mit der Fa­mi­lie un­ter­stützt.

Das Kunst­mu­se­um Bern ist Er­be Cor­ne­li­us Gur­litts und da­mit des Kunst­funds Gur­litt. In ei­ner Ver­ein­ba­rung vom 24. No­vem­ber 2014 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, dem Frei­staat Bay­ern und der Stif­tung Kunst­mu­se­um Bern war be­schlos­sen wor­den, dass die Pro­ve­ni­en­zen der über 1.500 Wer­ke er­forscht wer­den und der Bund NS-Raub­kunst an die Op­fer oder de­ren Nach­kom­men re­sti­tu­iert.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen un­ter www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de

Tho­mas Cou­ture (1815-1879)
Por­trait ei­ner sit­zen­den jun­gen Frau, 1850–1855
Öl auf Lein­wand, 73,5 x 60,0 cm

Le­gat Cor­ne­li­us Gur­litt 2014

Re­sti­tu­ti­on an die Nach­fah­ren recht­mä­ßi­ge Er­ben von Ge­or­ges Man­del
Fo­to: Mick Vin­cenz © Kunst­mu­se­um Bern und Kunst- und Aus­stel­lungs­hal­le der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land GmbH

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