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Provenienzrecherche Gurlitt weist neuen Raubkunstfall nach

Datum 14.03.2019

For­schun­gen der Pro­ven­ienz­re­cher­che Gur­litt ha­ben das Ge­mäl­de „Quai de Clichy“ von Paul Si­gnac als Raub­kunst iden­ti­fi­ziert. Das For­schungs­er­geb­nis wur­de durch die in­ter­na­tio­na­len Re­view-Ex­per­ten be­stä­tigt. Auf das Ge­mäl­de wur­de ein Her­aus­ga­be­an­spruch an­ge­mel­det. Das bei Cor­ne­li­us Gur­litt in Salz­burg auf­ge­fun­de­ne Ge­mäl­de ist seit 2016 über die Lost Art-Da­ten­bank pu­bli­ziert.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters er­klärt hier­zu: „Dass es den Pro­ve­ni­enz­for­sche­rin­nen und -for­schern ge­lun­gen ist, das Ge­mäl­de ‚Quai de Clichy‘ von Paul Si­gnac als NS-Raub­kunst zu iden­ti­fi­zie­ren, zeigt ein­mal mehr, wie wich­tig es ist, die­se Her­kunfts­for­schung kon­se­quent fort­zu­set­zen. Da­mit kön­nen wir ein wei­te­res Werk aus dem Kunst­fund Gur­litt an Nach­kom­men ei­nes Op­fers na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­fol­gung zu­rück­ge­ben. Wir ste­hen be­reits mit ei­ner Ver­tre­te­rin von ih­nen in Kon­takt, und ich bin zu­ver­sicht­lich, dass wir das Ge­mäl­de zü­gig re­sti­tu­ie­ren kön­nen. Auch die­ser Fall mahnt uns, nie nach­zu­las­sen in der rück­halt­lo­sen Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs, für den Deutsch­land Ver­ant­wor­tung trägt. Denn je­des re­sti­tu­ier­te Werk ist ein wei­te­rer Mo­sa­ik­stein der his­to­ri­schen Ge­rech­tig­keit.“

Der fran­zö­si­sche Im­mo­bi­li­en­mak­ler Gas­ton Pro­sper Lévy (1893-1977) er­warb das Werk 1927 über die Ga­le­rie Ge­or­ges Bern­heim. 1934 war es als Leih­ga­be Lévys in der „Ex­po­si­ti­on Paul Si­gnac“ im Pe­tit Pa­lais in Pa­ris zu se­hen. Nach ei­ge­nen An­ga­ben ließ Lévy, der auf­grund sei­ner jü­di­schen Kon­fes­si­on zum Kreis der von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten Ver­folg­ten ge­hör­te, im Ju­ni 1940 den über­wie­gen­den Teil sei­ner in Pa­ris be­find­li­chen Samm­lung von über 100 Wer­ken der fran­zö­si­schen Mo­der­ne (vor­wie­gend Im­pres­sio­nis­ten) so­wie di­ver­se an­de­re Kunst­ge­gen­stän­de und Mö­bel zur Si­che­rung auf sein Schloss Les Bouf­fards 150 km süd­lich von Pa­ris ver­brin­gen. Ihm und sei­ner Frau ge­lang an­schlie­ßend die Flucht nach Tu­nis. Kur­ze Zeit dar­auf, im Ok­to­ber 1940, be­schlag­nahm­ten deut­sche Sol­da­ten ge­mäß Au­gen­zeu­gen­be­rich­ten die im Schloss be­find­li­chen Kunst­ge­gen­stän­de, dar­un­ter auch das Ge­mäl­de „Quai de Clichy“ von Paul Si­gnac. In den von Gas­ton Lévy in der Nach­kriegs­zeit zu­sam­men­ge­stell­ten Ver­lust­lis­ten wird es un­ter dem Ti­tel „Canal et pé­ni­ches“  ge­führt. Über den fran­zö­si­schen Kunst­markt ge­lang­te das Werk schließ­lich in den Be­sitz von Hil­de­brand Gur­litt.

Lévy, der ein großer För­de­rer des Künst­lers war, ver­fass­te zwi­schen 1929 und 1932 die ers­ten Vor­ar­bei­ten zu ei­nem Werk­ver­zeich­nis der Ge­mäl­de von Paul Si­gnac, den so­ge­nann­ten pré-ca­ta­logue rai­sonné.  

Es han­delt sich um den sieb­ten Raub­kunst­fall aus dem Be­stand Cor­ne­li­us Gur­litt, der seit Ein­set­zung der Taskfor­ce Schwa­bin­ger Kunst­fund von For­schern auf­ge­deckt wer­den konn­te. Zu­dem wur­den vier Wer­ke aus dem Be­stand von Cor­ne­li­us Gur­litts Schwes­ter als NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen iden­ti­fi­ziert. Fünf Wer­ke konn­ten be­reits durch die Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en re­sti­tu­iert wer­den.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen:

Lost Art-Da­ten­bank: www.lo­start.de/DE/Fund/532975

Si­gnac ORE (Ob­ject Re­cord Ex­cerpt)

Ab­schluss­ver­merk zu "Quai de Clichy" von Si­gnac