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Kulturstaatsministerin restituiert Signac-Gemälde aus dem Kunstfund Gurlitt - Grütters: „Wir werden nicht nachlassen, den NS-Kunstraub aufzuarbeiten“

Datum 03.07.2019

Die Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en, Mo­ni­ka Grüt­ters, hat heu­te im Bun­des­kanz­ler­amt das Ge­mäl­de „Quai de Clichy. Temps gris (Opus 156)“ von Paul Si­gnac an Agnès Se­ve­stre-Bar­bé, die Ver­tre­te­rin der Fa­mi­lie des ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mers Gas­ton Pro­sper Lévy, über­ge­ben. Es han­delt sich um die sechs­te Rück­ga­be aus dem Be­stand Cor­ne­li­us Gur­litt. Der Fall wur­de von den For­sche­rin­nen und For­schern der Taskfor­ce Schwa­bin­ger Kunst­fund und des Pro­jekts „Pro­ven­ienz­re­cher­che Gur­litt“ auf­ge­deckt.

Mo­ni­ka Grüt­ters er­klär­te: „Un­zäh­li­ge der meist jü­di­schen Samm­ler von Kunst- und Kul­tur­gü­tern wie Gas­ton Pro­sper Lévy wur­den von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ver­folgt, be­raubt oder ent­eig­net. An­de­re muss­ten ih­ren Be­sitz weit un­ter Wert ver­äu­ßern oder bei Flucht und Emi­gra­ti­on zu­rück­las­sen. Die­ses Leid und die­ses Un­recht las­sen sich nie wie­der gut­ma­chen.“

Des­halb sei es so wich­tig, dass es den Pro­ve­ni­enz­for­schern ge­lun­gen ist, das Ge­mäl­de „Quai de Clichy“ von Paul Si­gnac als NS-Raub­kunst zu iden­ti­fi­zie­ren und mit der Rück­ga­be des Ge­mäl­des an sei­ne Fa­mi­lie „we­nigs­tens ein Stück weit zu his­to­ri­scher Ge­rech­tig­keit“ bei­tra­gen zu kön­nen. Je­de Re­sti­tu­ti­on, je­de ge­rech­te und fai­re Lö­sung zäh­le, so die Staats­mi­nis­te­rin. „Oft­mals ist es ein lan­ger und zei­tin­ten­si­ver Weg dort­hin. Aber wir wer­den nicht nach­las­sen, die Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­rau­bes kon­se­quent vor­an­zu­brin­gen. Dies sind wir den Op­fern der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ter­ror­herr­schaft und ih­ren Nach­fah­ren schul­dig“, sag­te Grüt­ters.

Dr. Mar­cel Brül­hart, Ver­tre­ter des Kan­tons Bern in der Dach­stif­tung Kunst­mu­se­um Bern - Zen­trum Paul Klee, er­klär­te: „Das Kunst­mu­se­um Bern hat­te sich nach reif­li­cher Über­le­gung für die An­nah­me der Erb­schaft Cor­ne­li­us Gur­litt ent­schie­den, um ei­nen Bei­trag an die Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs und zur Mil­de­rung ge­sche­he­nen Un­rechts zu leis­ten. Ent­spre­chend freu­en wir uns über je­de Rück­ga­be ei­nes Wer­kes an die be­rech­ti­gen Er­ben im Nach­gang zu den auf­wän­di­gen For­schungs­ar­bei­ten. Ent­schei­dend ist am En­de aber nicht die Men­ge der Re­sti­tu­tio­nen, son­dern das ehr­li­che und en­ga­gier­te Be­mü­hen um die Klä­rung der Her­kunft sämt­li­cher Wer­ke des Kunst­fun­des Gur­litt“.

Das Team des Pro­jekts „Pro­ven­ienz­re­cher­che Gur­litt“, das beim Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te an­ge­sie­delt ist, hat­te das Werk im Ok­to­ber 2018 als NS-Raub­kunst iden­ti­fi­ziert. Nach Au­gen­zeu­gen­be­rich­ten hat­ten deut­sche Sol­da­ten das Werk in Gas­ton Pro­sper Lévys Schloss in Frank­reich im Jahr 1940 be­schlag­nahmt.

Das Kunst­mu­se­um Bern ist Er­be Cor­ne­li­us Gur­litts und da­mit des Kunst­funds Gur­litt. In ei­ner Ver­ein­ba­rung vom 24. No­vem­ber 2014 zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, dem Frei­staat Bay­ern und der Stif­tung Kunst­mu­se­um Bern war be­schlos­sen wor­den, dass die Pro­ve­ni­en­zen der über 1.500 Wer­ke er­forscht wer­den und der Bund NS-Raub­kunst an die Op­fer oder de­ren Nach­kom­men re­sti­tu­iert.

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Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin re­sti­tu­iert Si­gnac-Ge­mäl­de aus dem Kunst­fund Gur­litt - Grüt­ters: „Wir wer­den nicht nach­las­sen, den NS-Kunst­raub auf­zu­ar­bei­ten“ (PDF, 229 KB)