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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste bewilligt 2019 weitere 1,9 Millionen Euro für 25 Projekte der Provenienzforschung

Datum 22.10.2019

Kom­mer­zi­en­rat Fe­lix Ganz war ein an­ge­se­he­ner Main­zer Bür­ger. Er war In­ha­ber der tra­di­ti­ons­rei­chen Fir­ma „Tep­pich Ganz“, ein Welt­kriegs­ve­teran und Be­sit­zer ei­ner her­aus­ra­gen­den Samm­lung ori­en­ta­li­scher und ost­asia­ti­scher Kunst. 1934 wur­de sei­ne Fir­ma ent­schä­di­gungs­los „ari­siert“, sei­ne Vil­la be­schlag­nahmt und dem Ge­sta­po­be­am­ten Adolf Weg­ner zu­ge­wie­sen. Fe­lix Ganz wur­de al­les ge­nom­men. Er muss­te fort­an in „Ju­den­häu­sern“ le­ben, wur­de 1942 mit sei­ner zwei­ten Frau Er­na nach The­re­si­en­stadt de­por­tiert und schließ­lich 1944 in Ausch­witz er­mor­det.

Was wur­de aus sei­nem Be­sitz, was aus sei­ner Kunst­samm­lung, den Bil­dern, Skulp­tu­ren, Zeich­nun­gen, Tep­pi­chen?

Der Fall des Händ­lers Fe­lix Ganz ist ei­nes von 25 For­schungs­pro­jek­ten, die ne­ben an­de­ren ab 2019 vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­den. Im Ein­ver­ständ­nis mit dem in Lon­don le­ben­den Ur­en­kel Adam Ganz geht das In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te und Mu­sik­wis­sen­schaft der Jo­han­nes Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz dem Fall nach, will Ver­bleib und ge­naue­re Um­stän­de des Ver­lus­tes klä­ren.

Der Vor­stand des Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg hat nun auf Emp­feh­lung sei­nes För­der­bei­ra­tes „NS-Raub­gut“ in ei­ner zwei­ten An­trags­run­de 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro für Pro­ve­ni­enz­for­schung an Mu­se­en, Bi­blio­the­ken, wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen so­wie für drei Pri­vat­per­so­nen be­wil­ligt. Ins­ge­samt hat das Zen­trum da­mit in die­sem Jahr vier Mil­lio­nen Eu­ro För­der­geld be­reit­ge­stellt, ei­ne Sum­me, die un­ge­fähr dem Vo­lu­men der Vor­jah­re ent­spricht.

Seit 2008 för­dern Bund und Län­der Pro­jek­te zur Pro­ve­ni­enz­for­schung, bis heu­te mit ins­ge­samt 31,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Mit dem Geld konn­ten 331 Pro­jek­te rea­li­siert wer­den. Na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal ist das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu al­len Fra­gen un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nen Kul­tur­gu­tes im 19. und 20. Jahr­hun­dert, das sich heu­te in Samm­lun­gen kul­tur­gut­be­wah­ren­der Ein­rich­tun­gen be­fin­det. An­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te kön­nen je­weils bis zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­ni ei­nes Jah­res ein­ge­reicht wer­den. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te för­dert nicht nur For­schungs­pro­jek­te, es do­ku­men­tiert dar­über hin­aus Kul­tur­gut­ver­lus­te auch in sei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Da­ten­bank „Lost Art“ als Such- und Fund­mel­dun­gen.

Ei­ne Über­sicht al­ler in die­ser An­trags­run­de be­wil­lig­ten Pro­jek­te be­fin­det sich im An­hang.

Über­sicht der ge­för­der­ten Pro­jek­te (PDF, 101 KB)