Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste veröffentlicht gemeinsam mit fünf Partnern einen Leitfaden zur Provenienzforschung für Kulturgut, das während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen wurde

Datum 12.11.2019

Der ers­te Leit­fa­den Pro­ve­ni­enz­for­schung zur Iden­ti­fi­zie­rung von NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nem Kul­tur­gut ist als pra­xis­ori­en­tier­ter Werk­zeug­kas­ten für Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Mu­se­en, Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven, für den Kunst- und An­ti­qua­ri­ats­han­del und auch für pri­va­te Samm­lun­gen kon­zi­piert.

Wer Zwei­fel an der Pro­ve­ni­enz von Kul­tur­gü­tern in ei­ge­nen Be­stän­den hat – egal, ob Ge­mäl­de, Skulp­tur, Buch, Mün­ze, Por­zel­lan, Gra­fik oder Sil­ber­be­steck – fin­det im Leit­fa­den das nö­ti­ge In­stru­men­ta­ri­um: prak­ti­sche Hin­wei­se, Fall­bei­spie­le so­wie al­le wich­ti­gen Adres­sen, Quel­len und In­ter­net­zu­gän­ge.
Die Pu­bli­ka­ti­on ist in sechs Ka­pi­tel un­ter­glie­dert und stellt zu­gleich ei­ne Hand­lungs­an­lei­tung dar. Die Span­ne der The­men reicht vom his­to­ri­schen Kon­text über Her­an­ge­hens­wei­sen, Pla­nung und Me­tho­dik von Pro­ve­ni­enz­for­schung bis zur Er­mitt­lung von Er­ben und An­spruchs­be­rech­tig­ten. Der Leit­fa­den ver­mit­telt po­li­ti­sche, recht­li­che und ethi­sche Grund­la­gen; er gibt aber auch Hin­wei­se über In­sti­tu­tio­nen und Ver­net­zung in­ner­halb der Pro­ve­ni­enz­for­schung.


Der Leit­fa­den ist ein Ge­mein­schafts­werk, das – ne­ben dem Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te – fünf wei­te­re Part­ner er­ar­bei­tet ha­ben:

  • Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung e. V.,
  • Ar­beits­kreis Pro­ve­ni­enz­for­schung und Re­sti­tu­ti­on – Bi­blio­the­ken,
  • Deut­scher Bi­blio­theks­ver­band e. V.,
  • Deut­scher Mu­se­ums­bund e. V.,
  • ICOM Deutsch­land e. V.

Die Au­to­rin­nen und Au­to­ren des Ban­des ha­ben an der wis­sen­schaft­li­chen, me­tho­di­schen und prak­ti­schen Ent­wick­lung des Fel­des in den letz­ten Jah­ren ent­schei­den­den An­teil ge­habt und brin­gen auf 135 Sei­ten ih­re pro­fun­de Pra­xi­ser­fah­rung ein. Be­reits 1998 ha­ben sich mehr als 40 Na­tio­nen in den Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en da­zu be­kannt, die Iden­ti­fi­zie­rung von NS-ver­fol­gungs­be­ding­tem Kul­tur­gut proak­tiv zu ge­stal­ten. Mit die­sem pra­xis­ori­en­tier­ten Leit­fa­den liegt nun end­lich ei­ne prak­ti­ka­ble Hand­lungs­an­lei­tung vor.
Das Buch kon­zen­triert sich aus­drück­lich auf Kul­tur­gut­ver­lus­te in der Zeit der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft. Es be­fasst sich nicht mit an­de­ren The­men­fel­dern der Pro­ve­ni­enz­for­schung wie den Ent­eig­nun­gen in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne, der DDR, mit Kriegs­ver­lus­ten oder den so­ge­nann­ten ko­lo­nia­len Kon­tex­ten. Der Leit­fa­den kann auch nicht je­der in­sti­tu­tio­nel­len und struk­tu­rel­len Be­son­der­heit ge­recht wer­den, aber er wird al­len, die sich mit Her­kunfts­for­schung be­fas­sen, wich­ti­ge Aus­gangs- und An­satz­punk­te bie­ten. Der Leit­fa­den soll ge­ra­de auch klei­ne­ren In­sti­tu­tio­nen ei­nen un­kom­pli­zier­ten und si­che­ren Zu­gang zur Pro­ve­ni­enz­for­schung bie­ten, um die­se als we­sent­li­che, un­ver­zicht­ba­re Auf­ga­be dau­er­haft in die prak­ti­sche Ar­beit der Si­che­rung und Be­wah­rung des kul­tu­rel­len Er­bes ein­zu­schlie­ßen.

Der Leit­fa­den wird durch die be­tei­lig­ten Her­aus­ge­ber in ge­druck­ter Form und als On­line-Pu­bli­ka­ti­on kos­ten­frei ver­brei­tet. Er kann u. a. auf der Sei­te www.kul­tur­gut­ver­lus­te.de/leit­fa­den her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ei­ne eng­li­sche Über­set­zung ist in Pla­nung.