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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste gibt zweiten Band seiner Schriftenreihe „Provenire“ heraus

Neues Buch zum „Kunstfund Gurlitt“

Datum 04.05.2020

Der Fall ver­än­der­te die Kunst­welt: Als im No­vem­ber 2013 der Fund von schließ­lich rund 1500 Kunst­wer­ken bei dem Sohn des Kunst­händ­lers Hil­de­brand Gur­litt pu­blik wur­de, mach­te der an­geb­li­che „Na­zi-Schatz“ welt­weit Schlag­zei­len. Nach Ab­schluss der sys­te­ma­ti­schen For­schun­gen hat das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te jetzt ei­ne wis­sen­schaft­li­che Pu­bli­ka­ti­on zum „Kunst­fund Gur­litt“ in sei­ner Schrif­ten­rei­he „Pro­ve­ni­re“ her­aus­ge­ge­ben. Der Sam­mel­band, der am Diens­tag (5. Mai) er­scheint, bün­delt den ak­tu­el­len Stand der For­schung. Au­ßer­dem be­leuch­tet er bis­her we­ni­ger be­kann­te As­pek­te des spek­ta­ku­lä­ren Falls, der das öf­fent­li­che Be­wusst­sein für die Di­men­sio­nen des NS-Kunst­raubs deut­lich ge­stärkt hat und ein ent­schei­den­der Im­puls für den Aus­bau der Pro­ve­ni­enz­for­schung in Deutsch­land war.

Die Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en, Mo­ni­ka Grüt­ters, hat das Er­schei­nen der Pu­bli­ka­ti­on mit Mit­teln aus dem Kul­tu­re­tat des Bun­des ge­för­dert. Da­zu er­klär­te Grüt­ters: „Mit je­dem Kunst­werk, das wir als NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen iden­ti­fi­zie­ren und für das ei­ne ge­rech­te und fai­re Lö­sung mit den ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mern oder de­ren Nach­kom­men ge­fun­den wird, kön­nen wir ein we­nig zu his­to­ri­scher Ge­rech­tig­keit bei­tra­gen. Das sind und blei­ben wir den Men­schen schul­dig, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ih­res Ei­gen­tums und ih­rer Rech­te be­raubt wur­den. Des­halb hat die Bun­des­re­gie­rung die sys­te­ma­ti­sche Er­for­schung des Kunst­funds Gur­litt von An­fang an als Teil der his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung Deutsch­lands zur Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs wahr­ge­nom­men und ge­för­dert. Der vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te her­aus­ge­ge­be­ne Band bün­delt ei­ne be­mer­kens­wer­te Fül­le an Er­kennt­nis­sen zum Kunst­fund Gur­litt durch die vom Bund fi­nan­zier­te For­schung der Taskfor­ce und ent­spre­chen­der Nach­fol­ge­pro­jek­te. Die­se Er­kennt­nis­se kön­nen auch über den ‚Fall Gur­litt‘ hin­aus da­zu bei­tra­gen, Pro­ve­ni­en­zen zu klä­ren und die Wis­sens­ba­sis der Pro­ve­ni­enz­for­schung zum na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kul­tur­gu­traub ins­ge­samt zu stär­ken. Die­se Pu­bli­ka­ti­on ist nicht et­wa ein Schluss­punkt der Auf­ar­bei­tung des NS-Kunst­raubs, son­dern ganz im Ge­gen­teil: Sie ist ein Aus­gangs­punkt, von dem aus mehr For­schen­de als bis­her mit bes­se­rem wis­sen­schaft­li­chen Rüst­zeug der Wahr­heit auf den Grund ge­hen kön­nen.“

Hil­de­brand Gur­litt spiel­te ei­ne wich­ti­ge Rol­le als Ein­käu­fer für Hit­lers ge­plan­tes „Füh­rer­mu­se­um“ in Linz, als Händ­ler für Mu­se­en und nicht zu­letzt in der Ver­wer­tung so­ge­nann­ter „Ent­ar­te­ter Kunst“. Die Bei­trä­ge des Ban­des wid­men sich un­ter an­de­rem Gur­litts um­fang­rei­cher Tä­tig­keit auf dem fran­zö­si­schen und nie­der­län­di­schen Kunst­markt und sei­nem Netz­werk in der Nach­kriegs­zeit. Ne­ben den Er­kennt­nis­sen über Struk­tu­ren und Ak­teu­re des NS-Kunst­han­dels macht das Buch be­wusst auch die Lücken und Fehl­stel­len in der For­schung trans­pa­rent und zeigt An­sät­ze für die wei­te­re Auf­ar­bei­tung.

Gil­bert Lup­fer, wis­sen­schaft­li­cher Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te und Mit­her­aus­ge­ber des Ban­des, sag­te hier­zu: „Wir wis­sen heu­te, gut sechs Jah­re nach dem Be­kannt­wer­den des ,Schwa­bin­ger Kunst­funds‘, sehr viel mehr bei­spiels­wei­se über die Kunst­ver­schie­bun­gen im be­setz­ten Frank­reich oder in den Nie­der­lan­den als zu­vor. Es ist sehr er­freu­lich, dass et­li­che der For­sche­rin­nen und For­scher, die be­reits zur Auf­klä­rung des ,Kunst­fun­des‘ maß­geb­lich bei­ge­tra­gen ha­ben, be­reit wa­ren, ih­re meist noch un­ver­öf­fent­lich­ten For­schungs­er­geb­nis­se für die­sen Band zur Ver­fü­gung zu stel­len.“

„Kunst­fund Gur­litt. We­ge der For­schung“, her­aus­ge­ge­ben von An­drea Ba­re­sel-Brand, Na­di­ne Bahr­mann und Gil­bert Lup­fer ist als zwei­ter Band der Schrif­ten­rei­he „Pro­ve­ni­re“ im Ver­lag De Gruy­ter er­schie­nen (188 Sei­ten, 39.95 Eu­ro).

In der Schrif­ten­rei­he „Pro­ve­ni­re“ ver­öf­fent­licht das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te wis­sen­schaft­li­che Bei­trä­ge aus dem Be­reich Pro­ve­ni­enz­for­schung.

Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ist ei­ne 2015 vom Bund, den Län­dern und den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den ge­grün­de­te Stif­tung. Es ist in Deutsch­land na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu Fra­gen un­recht­mä­ßi­ger Ent­zie­hun­gen von Kul­tur­gut. Das Haupt­au­gen­merk des Zen­trums gilt hier­bei dem im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­nen Kul­tur­gut, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz. Das Zen­trum ver­steht sei­ne Ar­beit als wich­ti­gen Bei­trag zur Wie­der­gut­ma­chung er­lit­te­nen Un­rechts.

Be­stell­mög­lich­keit

Pu­bli­ka­tio­nen