Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

„Lost Art“ erscheint in neuer Gestalt: Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat die Website der größten Datenbank für NS-Raubgut modernisiert und benutzerfreundlicher gestaltet

Datum 21.12.2021

Lost Art hat ein neu­es Ge­sicht: Die Web­si­te der welt­weit größ­ten Da­ten­bank für die Su­che nach NS-Raub­gut und nach so­ge­nann­tem Beu­te­gut un­ter www.lo­start.de ist jetzt mo­der­ner ge­stal­tet und kla­rer struk­tu­riert. Au­ßer­dem bie­tet sie neue Funk­tio­nen, vor al­lem aber bes­se­re Such- und Fil­ter­mög­lich­kei­ten, um die Re­cher­che von mög­li­cher­wei­se ge­raub­ten Ob­jek­ten zu er­leich­tern. „Wir möch­ten ei­nen mög­lichst nied­rig­schwel­li­gen Zu­gang bie­ten, da­mit ins­be­son­de­re die Nach­fahr:in­nen einst ver­folg­ter jü­di­scher Bür­ger:in­nen leich­ter nach ih­rem Ei­gen­tum su­chen kön­nen und so we­nigs­tens et­was Wie­der­gut­ma­chung er­fah­ren, so­weit das über­haupt mög­lich ist”, sagt Gil­bert Lup­fer, Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te.

In der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wur­den Mil­lio­nen von Kul­tur­gü­tern ge­stoh­len, vor al­lem jü­di­sche Bür­ger:in­nen wur­den Op­fer von Ent­eig­nung, Er­pres­sung, „Ari­sie­rung“ und Raub. Die vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­trie­be­ne Lost Art-Da­ten­bank do­ku­men­tiert Kul­tur­gü­ter, die ih­ren Ei­gen­tü­mer:in­nen zwi­schen 1933 und 1945 ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen wur­den („NS-Raub­gut“), oder für die ein Ent­zug nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann. Au­ßer­dem ver­zeich­net Lost Art Kul­tur­gut, das in­fol­ge des Zwei­ten Welt­kriegs ent­zo­gen oder ver­la­gert wur­de („Beu­te­gut“). Ziel ist es, Su­chen­de und Fin­den­de zu­sam­men­zu­füh­ren: Pri­vat­per­so­nen und In­sti­tu­tio­nen kön­nen Kul­tur­gü­ter, die ih­nen ab­han­den­ge­kom­men sind, als Such­mel­dung ver­öf­fent­li­chen. Mit ei­ner Fund­mel­dung kön­nen Kul­tur­gü­ter ge­mel­det wer­den, die als NS-Raub­gut oder Beu­te­gut iden­ti­fi­ziert wur­den oder als sol­ches ver­däch­tigt wer­den.

Ein­ge­rich­tet wur­de die Da­ten­bank im Jahr 2000 als Fol­ge der auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne 1998 ver­ein­bar­ten „Wa­shing­to­ner Prin­zi­pi­en“ zum Um­gang mit NS-Raub­gut. Deutsch­land hat­te sich 1999 in der „Ge­mein­sa­men Er­klä­rung“ zu de­ren Um­set­zung ver­pflich­tet und un­ter an­de­rem die Ein­rich­tung ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Such- und Fund­lis­te vor­ge­se­hen. In­zwi­schen ent­hält Lost Art fast 180.000 de­tail­liert be­schrie­be­ne und meh­re­re Mil­lio­nen sum­ma­risch er­fass­te Ob­jek­te in- und aus­län­di­scher Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen. Mo­nat­lich grei­fen durch­schnitt­lich 9.000 Nut­zer:in­nen welt­weit auf die kos­ten­frei zu­gäng­li­che Da­ten­bank zu, sie ver­zeich­net da­bei 120.000 Sei­ten­auf­ru­fe pro Mo­nat.

In vie­len Fäl­len hat Lost Art da­zu bei­ge­tra­gen, dass einst ge­raub­te Ob­jek­te an ih­re ur­sprüng­li­chen Be­sit­zer:in­nen oder de­ren Er­bin­nen und Er­ben zu­rück­ge­ge­ben wer­den konn­ten. Pro­mi­nen­tes Bei­spiel in die­sem Jahr war die Re­sti­tu­ti­on des „Bild­nis ei­ner Da­me als Po­mo­na“ von Ni­co­las de Lar­gil­liè­re aus dem Be­stand der Dresd­ner Ge­mäl­de­ga­le­rie Al­te Meis­ter an die Nach­fah­r:in­nen des jü­di­schen Ban­kiers und Kunst­samm­lers Ju­les Strauss. Sie wa­ren durch ei­ne Re­cher­che in Lost Art auf die Fund­mel­dung der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den zu die­sem Bild auf­merk­sam ge­wor­den. Ne­ben sol­chen hoch­prei­si­gen Kunst­wer­ken bein­hal­tet die Da­ten­bank aber auch Ge­brauchs­gra­fik, Be­steck oder Bü­cher – Er­in­ne­rungs­stücke, die vor al­lem emo­tio­na­len Wert ha­ben: „Je­des Ob­jekt ist wich­tig“, sagt Vor­stand Gil­bert Lup­fer, „denn auch ein schein­bar wert­lo­ser Ge­gen­stand er­zählt von der Ver­fol­gungs­ge­schich­te ei­nes Men­schen oder ei­ner Fa­mi­lie.“

Die Web­si­te: Die Lost Art-Da­ten­bank fin­det sich un­ter www.lo­start.de. Hier sind auch die Grund­sät­ze der Ein­tra­gung und Lö­schung ein­zu­se­hen. Grund­sät­ze, Ein­trä­ge und Struk­tur der Da­ten­bank sind vom Re­launch der Web­si­te nicht be­rührt.

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