Website der Stiftung "Deutsches Zentrum Kulturgutverluste"

Datum August 2017

Im Gespräch mit dem Heimatmuseum Müllrose

Das Heimatmuseum Müllrose hat seine Bestände auf NS-Raubgut mit der Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in einem langfristigen Projekt erforscht. Es hat seine Projektergebnisse sowohl der allgemeinen als auch der Fachöffentlichkeit in Vorträgen, Medienbeiträgen und Führungen sehr transparent vermittelt und somit einen umfassenden Einblick in die Forschungsarbeiten gewährt. Das Museum wird das Thema Provenienzforschung zudem in eine Ausstellung, die in den nächsten Jahren angedacht ist, einfließen lassen. Diese vorbildliche Arbeit hat das Zentrum zum Anlass genommen, das Museum in einem Gespräch genauer zu befragen.

1. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Provenienzforschung zu betreiben?

Den Anstoß gab der „Erstcheck“ des Museumsverbandes des Landes Brandenburg. Im Pilotprojekt 2012 konnten unsere Bestände von einer Provenienzforscherin auf mögliche Anhaltspunkte zu NS-Raubgut gesichtet werden. Ohne diese personelle und vor allem fachliche Unterstützung wären wir als kleines Museum nicht in der Lage, solche Forschungen zu betreiben. Da sich relativ schnell ein Bezug zu Objekten von Wilhelm Friedrich Graf zu Lynar herstellen ließ, war deutlich, es besteht Klärungsbedarf, dem wir nachgehen müssen. Denn Lynar war Beteiligter am Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler. Er wurde von den Nationalsozialisten enteignet und hingerichtet.

2. Gab es im Verlauf des Projekts Überraschungen oder ist Ihnen etwas besonders aufgefallen?

Charakteristisch für kleine Museen wie unseres ist sicherlich, dass es kaum Quellen gibt und man erst auf die Suche gehen muss, um die Objekteingänge gerade aus der Anfangszeit des Museums zu rekonstruieren. Überraschend und vor allem zufällig waren dabei zentrale Quellenfunde, z. B. unscheinbare Durchschläge von Schriftwechseln, die in verschiedenen Archiven aufgespürt werden konnten.

3. Welche Ratschläge oder Hinweise können Sie Einrichtungen geben, die bisher wenig Erfahrung mit Provenienzforschung haben?

Provenienzforschung lohnt sich und trägt dazu bei, dass Objektgeschichten und die Schicksale ihrer ursprünglichen Eigentümer ans Tageslicht treten und wieder erzählt werden können. Das ist vor allem dann für kleine Museen relevant, wenn das Wissen zu Objekten nur unzureichend überliefert wurde. Auch ist es wichtig, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie man die Ergebnisse für die zukünftige Arbeit zugänglich macht und transparent vermittelt. Die wertvollen Informationen, etwa aufgespürte Quellen oder neue Objektinformationen, können z. B. in bereits vorhandene Datenbanken eingebunden werden oder man schafft etwas grundsätzlich Neues.

4. Welche besonderen Herausforderungen haben Sie im Laufe des Projekts und bei der Provenienzforschung gemeistert?

Eine große Herausforderung war die Quellenlage. Es galt zunächst, Quellen im Hausarchiv zu erschließen, das heißt Inventare, Bestandslisten oder andere Arten von Dokumenten sowie Schriftwechsel ausfindig zu machen. So hat man sich in das teils unüberschaubare System eingearbeitet, um dann gezielt nach weiteren Archivquellen zu suchen.

5. Welche Dokumente, Archivalien, Inventare waren besonders hilfreich?

Bei unseren Nachforschungen zur Rekonstruktion der Museumseingänge zwischen 1933 und 1945 haben uns vor allem die Einträge des Sammlungsbegründers Hermann Trebbin in einem Taschenkalender und zeitgenössische Artikel in der Zeitung „Müllroser Anzeiger“ geholfen. Da damals keine Inventare geführt wurden, konnten wir Notizen über geschenkte Objekte und Namen der ursprünglichen Eigentümer aus dem Taschenkalender mit den Zeitungsartikeln abgleichen und so einiges herausfinden. Einen anschaulichen Überblick über den Sammlungsbestand vermittelte auch ein Foto aus dem Jahr 1934.

Das Gespräch führten wir mit

Kristina Pecia
Verantwortliche für das Heimatmuseum Müllrose, Projektkoordination
Dr. Marlies Coburger
freiberufliche Historikerin und Provenienzforscherin, bearbeitete zwei kurzfristige und ein langfristiges Projekt im Heimatmuseum Müllrose

Weitere Informationen zum Projekt

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